Die australischen Technologiefirma Hazer hat den Stein der Weisen gefunden – und der besteht aus Eisenerz. Damit könnte Produktion von Wasserstoff endlich wirtschaftlich werden.

Entscheidend bei dem neuen Verfahren ist der Katalysator. Er gilt als einer der größten Kostenfaktoren bei der Produktion von Wasserstoff. Vergleichsweise günstiges Eisenerz soll die bislang verwendeten Metalle Platin oder Nickel ersetzen und Methan in seine Bestandteile Wasserstoff und Kohlendioxid aufspalten. Eisenerz ist am Firmensitz nahe der westaustralischen Stadt Perth weit verbreitet und deshalb günstig. Mit einer Tonne Eisenerz kann Hazer nach eigenen Schätzungen bis zu zehn Tonnen Wasserstoff herstellen.

Der gewonnen Wasserstoff kann außerdem wieder zur Energiegewinnen eingesetzt werden, schwärmt Firmenchef George Pocock gegenüber bizz energy. „Wenn wir beispielsweise 10.000 Tonnen Wasserstoff herstellen, können wir einen Teil wieder als Grundlage für emissionsarme Energie zurück einspeisen“, sagt er. Hazer entwickle also ein „selbst erhaltenes“ System.

 

Graphit statt CO2

„Wir schätzen, dass unser Prozess für Wasserstoffproduzenten massive Einsparungen bringt “, sagt Firmenchef Geoff Pocock. Der Londoner Guardian berichtete sogar von einer Halbierung der Kosten.

Ein weiterer Vorteil: Kaum Schadstoffe werden emittiert. Anders als bei der bisher am häufigsten eingesetzten Dampfturbinenreformierung wird das Nebenprodukt Kohlenstoff nicht als solches ausgestoßen, sondern als Graphit abgelassen. Graphit ist Hauptbestandteil von Lithium-Ionen-Batterien, die beispielsweise in Elektroautos verbaut werden. „Mit unserem künstlichen Graphit wollen wir eine kostengünstige Alternative zu dem natürlichen Rohstoff bieten“, sagt Pocock. „Kern des Geschäftsmodells ist also die Ko-Produktion von zwei Rohstoffen: Wasserstoff und Graphit“, ergänzt er. Diese Woche haben Tests an der Universität Sydney vielversprechende Ergebnisse geliefert, teilte Hazer mit.

2017 soll die Politanlage vollständig funktionieren und jährlich 30 Tonnen Wasserstoff erzeugen. Hervorgegangen ist die im Jahr 2010 gegründete Firma aus einem Projekt an der Western Australia University. Mittlerweile forscht auch die Universität in Sydney an dem Prozess. Sechs Millionen australische Dollar, umgerechnet vier Millionen Euro, wurden schon investiert.

 

Ein Schritt Richtung Wasserstoffwirtschaft?

Wenn Wasserstoff beispielsweise für die Wärmegewinnung oder in Brennstoffzellen zur Stromerzeugung eingesetzt wird, ist Wasser das einzige Abfallprodukt. Das Gas wurde deshalb oft als emissionsarmer Energieträger angepriesen. Beispielsweise könnte es eines Tages Benzin oder Diesel als Kraftstoff für Autos ablösen, per Brennstoffzelle Strom für elektrische Fahrzeuge produzieren oder gar das fossile Erdgas ersetzen.

Allerdings werden weltweit weniger als 0,7 Prozent der jährlich produzierten rund 50 Millionen Tonnen Wasserstoff überhaupt im Energiesektor eingesetzt, wie aus einer Veröffentlichung von Robert Steinberger-Wilkens hervorgeht. Der Professor leitet das Zentrum für Wasserstoff und Brennstoffzellen an der Universität Birmingham in Großbritannien und war einer der Experten auf dem bizz energy Symposium „Wasserstoff und Mobilität“.

Überwiegend wird das Gas für die Herstellung von Ammoniak genutzt, das beispielsweise in Düngemitteln steckt. Viele Firmen bauen deshalb direkt neben ihren Fabriken Produktionsanlagen, um den Wasserstoff an Ort und Stelle zu produzieren. Hazer will eben diese Anlagen ersetzen. Auch könne der Anteil des energetisch genutzten Wasserstoffes deutlich gesteigert werden, gibt sich Firmenchef Pocock überzeugt.

Und er denkt schon weiter: „Wir suchen nach möglichen Partnerschaften für den Herstellungsprozess.“ Außerdem eruiere man, ob nicht Biomasse anstelle von Erdgas eingesetzt werden könne. So könne Hazer mit Blick auf den Gesamtprozess als Kohlenstoffspeicher fungieren und CO2 in „in beständiges, emissionsarmes Graphit“ umwandeln. 

(Foto: flickr/ UCL Mathematical and Physical Sciences )