Die Proteste gegen die Erweiterung der Autobahn 49 insbesondere durch den Dannenröder Wald verstärken sich. Am Donnerstag hatte es erste Rodungen gegeben - insgesamt sollen für den geplanten "Lückenschluss" zwischen Kassel und Gießen auf mehreren Hektar Bäume gefällt werden.  Dagegen protestierten am gestrigen Sonntag nach Veranstalterangaben mehr als 5000 Menschen. Die Polizei sprach von 1500 bis 2000 Teilnehmern.

Der Dannenröder Wald ist seit über einem Jahr von Aktivisten besetzt. Sie wollen das Bauprojekt aufhalten und fordern eine Verkehrswende, die neue Autobahnen überflüssig machen soll. Zur gestrigen Demonstration aufgerufen hatten die Organisationen Fridays for Future, Campact, der BUND, das Aktionsbündis "Keine A49" sowie die Naturfreunde.

Die Grünen fordern inzwischen, bei Planungen für Autobahnen und Bundesstraßen grundsätzlich zu prüfen, ob diese notwendig und mit Klimazielen vereinbar sind. Zudem spricht sich die Partei gegen den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 in Hessen aus. "Der Weiterbau der A49 ist verkehrspolitisch, umweltpolitisch und klimapolitisch falsch", erklärte die Partei am Sonntag auf Twitter. "Wir brauchen eine andere Verkehrspolitik", sagte die Parteivorsitzende Annalena Baerbock der "Süddeutschen Zeitung". Das Bauprojekt solle die Bundesregierung "jetzt stoppen".

Grüne setzten sich für Finanzierung der A49 ein

Im Land Hessen selbst regieren die Grünen in einer schwarz-grünen Koalition mit der CDU. Der grüne Landesverkehrsminister Tarek Al-Wazir befürwortet das Projekt zwar nicht, muss es als Minister jedoch umsetzen. Dafür stand er immer wieder in der Kritik. Die Fraktionschefin der Linken im hessischen Landtag, Janine Wissler, erklärte via Twitter, die Grünen in Hessen hätten 2014 in einem gemeinsamen Antrag mit der CDU die Landesregierung aufgefordert, sich beim Bund für die Finanzierung der A49 einzusetzen.

Der neue FDP-Generalsekretär Volker Wissing kritisierte die Grünen für den bundesweiten Vorstoß. "Die grüne Straßenblockade stellt den freien Waren- und Personenverkehr in Europa infrage", schrieb er auf Twitter. Der baden-württembergische Landschef der FDP, Michael Theurer, warf der Bundesregierung und der EU-Kommission die Zerstörung der Autoindustrie durch Klima- und Wirtschaftspolitik vor. Theurer, der auch Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion ist, kritisiert vor allem die Fixierung auf E-Autos. "Aus Angst vor den Grünen geht man den Weg der ideologischen Fixierung auf Batterieautos mit."

FDP beklagt Druck auf Verbrenner-Autos

Dem Klima sei es aber egal, wo das CO2 herkomme, sagte Theurer weiter. Dem Klima sei es auch egal, ob mit klimaneutralen Kraftstoffen im Verbrenner weniger CO2 ausgestoßen wird oder auf anderem Wege. Für die Arbeitsplätze und den Wohlstand in Deutschland sei das aber nicht egal. "Deshalb muss die Diskriminierung des Verbrenners endlich aufhören." Global gesehen gebe es über eine Milliarde Verbrenner - wer schnelle Fortschritte beim Klimaschutz wolle, so Theurer, müsse klimaneutrale synthetische Kraftstoffe global skalieren.

jst/dpa

Mehr Autobahnen wurden gebaut für mehr Verkehr - und am Ende steht dieser wie zuvor im Stau. (Copyright: Istock)