Mobilität
10.01.2013

Autobranche vor dem Umbruch

Foto: VW

Autobauer und Zulieferer stellen ihre Geschäftsmodelle angesichts neuer Antriebskonzepte und dem Wegbrechen traditioneller Märkte zunehmend auf den Prüfstand. Wachstum wird vor allem in den Schwellenländern erwartet. Bei den Antrieben rechnet die Branche mit einer stärkeren Nachfrage nach Plug-In-Hybriden.

Die Unternehmensberatung KPMG befragte 200 Entscheider aus der Hersteller- und Zulieferbranche zu den Perspektiven. „Klar ist, dass die traditionellen Grenzen zwischen Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern zusehends verwischen“, sagt Mathieu Meyer, Head of Automotive bei KPMG. Die Unternehmen stünden vor der Frage, ob sie einen Vorstoß in neue Geschäftsfelder wagen oder sich auf bestimmte Nischen konzentrieren sollten.

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Ein Fokus der KPMG-Umfrage lag auf der Frage, welche Antriebstechnologie sich künftig durchsetzen werden. Mehr als ein Drittel der Befragten geht davon aus, dass die Plug-In-Hybride künftig die größte Nachfrage erleben werden. Auf rein elektrische Fahrzeuge setzen dagegen nur elf Prozent. Plug-In-Fahrzeuge lassen sich auf kürzeren Strecken rein elektrisch fahren, verfügen aber auch über einen Verbrennungsmotor. Sie brauchen also viele Komponenten. „Für Zulieferer ist das ein Traum: zwei Antriebssysteme gleichzeitig, und wir bieten beide an“, hatte Bosch Autochef Bernd Bohr erst letzte Woche in einem Interview frohlockt. Er träumt vom Aufbau einer europäische Zulieferindustrie.

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Auch den Verbrennungsmotor haben die Manager nicht abgeschrieben. „Interessanterweise setzen inzwischen wieder mehr Fachleute darauf, dass in den kommenden fünf Jahren verstärkt Geld in eine weitere Verbesserung der Verbrennungsmotoren fließen wird“, betont KPMG-Mann Meyer.
 
Carsharing boomt

Wegen der wachsenden Urbanisierung rechnen die befragten Unternehmen damit, dass die Nachfrage nach alternativen Mobilitätslösungen wie Carsharing steigen wird. „Hier tut sich ein gewaltiger Markt auf, nicht zuletzt in China und Indien, mit rund 150 Millionen potenziellen Kunden“, betont Meyer. Selbst im Autoland USA gingen Experten von einer steigenden Nachfrage nach Mobilitätsdienstleistungen aus. „Hier wird das entsprechende Potenzial auf 31 Millionen Menschen geschätzt", sagt Berater Meyer. Für die Branche bieten sich hier neue Geschäftsmodelle. BMW, Daimler und VW sind hier mit Carsharing-Diensten bereits aktiv. Laut der KPMG-Umfrage rechnet aber eine Mehrheit in der Branche damit, dass viele neue Player das Geschäft mit den Mobilitätsdienstleistungen bestimmen werden. 

Auf dem europäischen Markt erwarten die Unternehmen zurückgehende Verkaufs- und Produktionszahlen. Während der deutsche Markt als stabil bewertet wird, bricht vor allem der Markt in Ländern wie Italien und Spanien weg. Mehr als drei Viertel erwarten das stärkste Wachstum in Ländern wie Brasilien, China, Russland und Indien.

 

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
VW | KPMG | BMW | Daimler | Automobilindustrie | China | Bosch | Bernd Bohr
Ressorts:
Markets

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