Erneuerbare Energien
25.10.2013

Bürger tragen mehr zur Energiewende bei als Energieversorger

Die Bürgerenergiewende
CDU-Wahlkampfveranstaltung in Magdeburg

Dezentrale Wind- oder Solarprojekte decken mittlerweile zehn Prozent des Stromverbrauchs, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Die Erneuerbaren-Branche rechnet auch in Zukunft weiter mit Bürger-Investment in Energie.

Die Studie des Marktforschungsunternehmens Trend Research und der Leuphana Universität Lüneburg zeigt, wie stark Bürger direkt zur Energiewende beitragen. Deren Engagement sei demnach fast viermal so groß wie das der Energieversorger, wobei indirekte Beteiligungen über die Kommune oder Anleihen noch nicht einmal mit einberechnet sind. 47 Prozent der installierten Leistung bei erneuerbaren Energien sind in Bürgerhand. Traditionelle Energieversorger kommen dagegen nur auf zwölf Prozent, den Rest betreiben institutionelle Investoren oder Kommunen. 

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„Die Energiewende ist bisher stark durch das finanzielle Engagement der Bürger geprägt“, sagte Dirk Briese, Geschäftsführer von Trend Research. Den Anteil der Bürgerenergie in der Photovoltaik (47 Prozent der installierten Gesamtleistung) machen klassischerweise süddeutsche Hausbesitzer, in der Windenergie (50 Prozent) norddeutsche Bürgerenergiegesellschaften und in der Bioenergie (42 Prozent) Landwirte aus. Über zehn Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs erzeugen die Bürger laut Studie über eigene Anlagen. 

„Unsere erneute Erhebung der Eigentümeranteile macht deutlich, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien dazu führte, dass sich dieser Teil des Energiemarkts von einem nahezu monopolistischen zu einem polypolistischen Markt entwickelt hat“, sagte Briese. Das führe zu starken Veränderungen im gesamten Energiemarkt bis zur Notwendigkeit, diesen zu reformieren. 

EEG-Reform

In der Podiumsdiskussion zur Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) im Anschluss an die Studienpräsentation gab sich Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE), optimistisch. Er vertraue auch für die Zukunft auf das Engagement jenseits der Politik. „Im Zweifel werden es die Bürger wieder richten“, sagte Falk  

Die SPD-Verhandlungsführerin Hannelore Kraft in der Energiearbeitsgruppe bei den derzeitigen Koalitinsgesprächen sieht der BEE-Mann allerdings skeptisch. Als Landeschefin von Nordrhein-Westfalen, Heimat der Energieriesen Eon und RWE, sei diese womöglich stark an den alten Strukturen verhaftet. Vor allem bei der SPD müsse sich der Wandel des Bürgers vom Verbraucher zum Energieerzeuger stärker abbilden, betonte Falk. 

Auch den Bundesverband der Deutschen Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht er den alten Strukturen verhaftet. An dessen EEG-Reformvorschlag von vor wenigen Wochen falle auf 35 Seiten nicht einmal der Begriff dezentrale Energieversorgung, kritisierte Falk. 

BDEW: Energiewende ist dezentral

Andreas Kuhlmann, Leiter des Geschäftsbereich Strategie und Politik beim BDEW, hält ein Bekenntnis dazu für nicht notwendig: „Energiewende heißt doch ohnehin ein Trend hin zur Dezentratät.“ Deswegen müsse der Begriff nicht extra in einer Novelle des EEG festgeschrieben werden. An der Notwendigkeit einer Reform des EEG hält Kuhlmann allerdings fest. „Zunächst muss aber wohl erst der Pfropf der Kostendebatte im Hinblick auf mittlere und größere Unternehmen aufgelöst werden, bevor es zu einer richtigen Reform kommt“, sagte Kuhlmann. 

Thorben Becker, Leiter Energiepolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), mahnte insgesamt eine Reform mit Augenmaß an. „Jede Reform muss sich daran messen lassen, ob weiter eine Energiewende in Bürgerhand möglich bleibt.“

Daniel Seeger
Keywords:
BEE | Erneuerbare-Energien-Gesetz | EEG | Energiepolitik | BDEW
Ressorts:
Governance

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