Ihr Bahnstrommix werde noch grüner, überschrieb die Deutsche Bahn kürzlich ihre Meldung, sie habe mit RWE einen Liefervertrag über 190 Gigawattstunden aus dem Offshore-Windpark Amrumbank West vor Helgoland abgeschlossen. Mit dem weiteren Ergrünen dauert es aber noch bis 2025. Dann erst fallen weitere Teile des Windparks aus der EEG-Förderung. Damit kann der dort erzeugte Strom als "echter" Grünstrom frei vermarktet werden. An dem wiederum ist die Bahn allein interessiert und hat sich die Strommengen über einen PPA-Vertrag gesichert.

Bereits im Herbst 2020 hatten die Bahn und der Windparkeigner ebenfalls per PPA eine Lieferung von 260 Gigawattstunden vereinbart – ab dem Jahr 2024. 2020 speiste der Windpark nach vorliegenden Angaben etwas mehr als 1.000 Gigawattstunden Strom ins Netz ein. Mit den jetzt vereinbarten weiteren 190 bezieht die Deutsche Bahn dann ab 2025 rund 450 Gigawattstunden im Jahr. Ab dann wird der Windpark also fast zur Hälfte allein für die Bahn laufen.

Mit den Verträgen bringe die DB "den noch jungen deutschen PPA-Markt voran", meint DB-Energie-Chef Torsten Schein. Da wäre es interessant, auch zu erfahren, welche Preisregelung für den künftig zu liefernden Windstrom vereinbart worden ist. Dazu teilen beide Vertragspartner auf Nachfrage nichts mit. "Zu Vertragsdetails geben wir grundsätzlich keine Auskunft", lässt ein DB-Sprecher wissen.

Dafür rechnet die Bahn in ihrer Windpark-Meldung bereitwillig vor, mit dem ab 2025 zu liefernden Windstrom würden jährlich bis zu 153.000 Tonnen CO2 eingespart – verglichen, so wörtlich, "mit der Lieferung aus Kohlekraft". Warum die DB den Vergleich mit Kohlestrom wählt und welche CO2-Intensität der fossilen Elektrizität dabei angenommen wird, darüber gibt es ebenfalls keine konkrete Auskunft. "Es wurde der CO2-Faktor der neuesten Generation von Kohlekraftwerken in Deutschland gewählt", teilt der DB-Sprecher dazu nur mit.

Ein neues modernes Kohlekraftwerk wie Datteln 4, von dem die DB dauerhaft eine Leistung von mehr als 400 Megawatt beziehen soll, erzeugt nach Behördenangaben rund 780 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Der deutsche Strommix hatte 2019 eine CO2-Intensität von rund 400 Gramm je Kilowattstunde – würde die Deutsche Bahn diesen Maßstab nehmen, schrumpfte die künftige Einsparung auf 80.000 Tonnen CO2 zusammen.

Wie grün der Bahnstrom der DB wirklich ist, lässt sich nach wie vor nicht genau ergründen. Der jährliche Stromverbrauch der Deutschen Bahn beträgt etwa 10.000 Gigawattstunden. Sammelt man diverse Meldungen der Bahn und der Versorger dazu ein, kommen unter anderem diese Ökostrom-Lieferungen zusammen: seit 2011 jährlich 900 Gigawattstunden aus einstigen Innogy-Wasserkraftwerken. Diese gehören heute nach Auflösung von Innogy bekanntlich direkt zu RWE. Der Versorger seinerseits teilte letztes Jahr mit, seit 2014 lieferten RWE-Wasserkraftwerke jährlich rund 880 Gigawattstunden grünen Strom an die Bahn. Sind das möglicherweise dieselben wie zuvor bei Innogy?

Außerdem hatte RWE 2019 mit der Deutschen Bahn einen weiteren Liefervertrag für Strom aus dem Offshore-Windpark Nordsee Ost abgeschlossen – da geht es ebenso um Lieferungen ab 2024, aber nur um eine vergleichsweise geringe Leistung von 25 Megawatt. Die Bahn verkündet ihrerseits im Geschäftsbericht 2020, sie habe sich mit drei neuen Verträgen im Umfang von rund 780 Gigawattstunden Grünstrom für die kommenden Jahre gesichert.

"Echten" Grünstrom für die Bahn liefern nach DB-Angaben Wasserkraftwerke an Rhein, Mosel, Ruhr, Main, Donau, Lech, Isar, Inn und vom Edersee. Viele davon trugen früher das Firmenzeichen Innogy – und jetzt also RWE. DB-Energie-Chef Torsten Schein: "Wasserkraft hat sich bei der Bahn seit über hundert Jahren bewährt. Bei Sonnenenergie und Windkraft sehen wir großes Ausbaupotenzial."

Grünstrom "erzeugt" die Bahn aber auch, indem sie Herkunftsnachweise (HKN) einsetzt, also teils fossilen Graustrom per Zertifikat in grünen "umwandelt". Dies eingerechnet gibt die Deutsche Bahn an, der von ihr genutzte Bahnstrom bestehe aktuell zu rund 61 Prozent aus erneuerbaren Energien. Das liege, behauptet die DB, "weit über dem öffentlichen Grünstrommix von zurzeit unter 50 Prozent".

Der Vergleich ist nicht nur gewagt, sondern eigentlich nicht zulässig: Der Anteil des Ökostroms im öffentlichen Strommix beruht nicht darauf, dass teils fossiler Strom per Zertifikat in grünen umgewandelt wird – die 50 Prozent sind reale Kilowattstunden, die aus inländischen erneuerbaren Quellen stammen. Wie hoch dieser reale Anteil aus erneuerbaren Quellen am grünen Bahnstrom ist, dazu gibt es bis dato keine konkreten Angaben der DB.

Vom Windpark Amrumbank West will die Bahn ab 2024 einige hundert Gigawattstunden Windstrom beziehen. (Copyright: Drahnier/Wikimedia Commons)