Türkei
31.05.2016

Baklava für Energie-Investoren

Foto: Wikimedia / CC BY-SA 4.0 / Sakaman
Baklava - die türkische Variante des Zuckerbrots

Die Türkei ist der letzte große, boomende Energiemarkt Europas. Deutsche Kraftwerksbauer und Investoren haben vor allem bei zwei Technologien enorme Wachstumschancen: Kohle und Windkraft.

Dirk Tröndle kommt fast ins Schwärmen, wenn er von der türkischen Ägaisküste erzählt – und es geht nicht um Badestrände. „An Land herrschen dort Windverhältnisse wie in der deutschen Nord- und Ostsee“, sagt der Türkei-Experte am Dienstag bei einem Gespräch des Weltenergierates in Berlin. Der Wirtschaftsverband organisiert im Oktober einen großen Kongress in Istanbul, für die Delegation hat sich neben zahlreichen anderen renommierten Unternehmen Deutschlands größter Windanlagenbauer Enercon angekündigt.

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Die Windkraft hat unter den Erneuerbaren die größten Wachstumschancen. Bis 2023 plant die türkische Regierung einen Zubau von 15,5 Gigawatt (GW) gegenüber dem Stand von 2015. Besonders stark fördert Ankara den Aufbau von industriellen Produktionskapazitäten im Land. So soll das hohe Außenhandelsdefizit sinken. Regulär gibt es für Windstrom eine staatlich garantierte Mindestvergütung von 7,3 US-Cent (knapp 6,6 Euro-Cent) pro Kilowattstunde. Produziert ein Hersteller sämtliche Komponenten der Energieanlagen in der Türkei, gibt es hohe Zuschläge für jede eingespeiste Stromeinheit – bei der Windenergie bis zu 50 Prozent.

 

Solarparks bleiben auf der Strecke

Für Wind und die in der Türkei traditionell starke Wasserkraft seien die Gewinnspannen im derzeitigen Förderregime am höchsten, analysiert Tröndle. Das Nachsehen hat trotz hoher Sonneneinstrahlung ausgerechnet die Photovoltaik.

Die Regierung habe zwar mehrere Lizenzen für große Solarparks vergeben, doch die Investoren legten ihr Kapital lieber in andere Technologien an, berichtet Tröndle. Ende vergangenen Jahres waren lediglich 0,3 Gigawatt Photovoltaik installiert, bis 2023 soll die Kapazität auf 5 Gigawatt steigen. In Deutschland entspricht das dem geplanten Zubau von nur zwei Jahren.

 

Regierung setzt auf Braunkohle

Ein weiteres Wachstumsfeld am Bosporus ist die Kohlekraft. Die Essener Steag betreibt in der südlichen Hafenstadt Iskenderun bereits ein Steinkohlekraftwerk. Die Investition  von 1,5 Milliarden Euro war für den Ruhrgebietskonzern die größte Investition seiner Geschichte. Wegen ihres hohen Energiebedarfs will die Türkei die Kohlekraftwerkskapazität bis 2019 auf 30 Gigawatt verdoppeln. Gefördert wird vor allem heimische Braunkohle. Die habe zwar eine schlechte Qualität, habe einen besonders hohen Wasseranteil, sagt Tröndle, aber die Türkei setzt auf heimische Energiequellen und will ihre Versorgung diversifizieren.

In den Startlöchern stehen nicht nur Kraftwerksbetreiber, sondern auch zahlreiche Hersteller von Anlagenkomponenten, beispielsweise von Turbinen oder Tunnelbohrmaschinen für Wasserkraftwerke. „Wir sehen ein Rieseninteresse deutscher Technologieanbieter, die im türkischen Markt Geschäftschancen sehen“, sagt Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierates in Deutschland.

Manuel Berkel
Keywords:
Windkraft | Windenergie | Solarenergie | Photovoltaik | Türkei | Weltenergierat
Ressorts:

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