Elektromobilität
27.09.2018

Ballard-Power-Chef: „Der Wasserstoffpreis ist entscheidend“

Foto: Ballard Power
Jesper Themsen leitet das Europa-Geschäft von Ballard Power mit Sitz im dänischen Hobro.

Die Kosten für Wasserstoff-Antriebe sollen bis 2020 auf das Niveau anderer emissionsfreier Antriebe sinken. Dafür will Jesper Themsen, der Europa-Chef des kanadischen Brennstoffzellen-Herstellers Ballard, kämpfen.

Brennstoffzellen-Fahrzeuge stoßen zwar keine Schadstoffe aus, sie und die zugehörige Infrastruktur sind allerdings noch teuer. Der kanadische Brennstoffzellen-Hersteller Ballard Power hat sich zum Ziel gesetzt, Wasserstoff-Antriebe bis zum Jahr 2020 konkurrenzfähig mit anderen emissionsfreien Antrieben zu machen. Dies hänge jedoch entscheidend von den Kosten für Wasserstoff (H2) ab, sagte Jesper Themsen, Chef von Ballard Power Europe, auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Im Gespräch mit bizz energy meinte er: „Der Wasserstoffpreis bestimmt, wann Brennstoffzellen wettbewerbsfähig sein werden.“

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Damit die Technologie im Schwerlastverkehr mit anderen alternativen Antrieben mithalten kann, müsse der Preis auf etwa 5 Euro pro Kilo Wasserstoff sinken. Momentan kostet ein Kilo etwa 9,50 Euro und liegt damit leicht über den Tankkosten eines vergleichbaren Verbrenners. In Skandinavien, wo es viel erneuerbare Energie aus Wind und Wasserkraft gibt, die per Elektrolyse in „grünen“ Wasserstoff umgewandelt werden kann, ließe sich der H2-Preis bereits auf 5 Euro pro Kilo drücken, sagte Themsen. Das gleiche gelte für Regionen, in denen Wasserstoff in Raffinerien als „Abfallprodukt“ anfällt. „Gesetze für null Emissionen im Verkehr würden helfen, Wasserstoff attraktiver zu machen“, so der Manager.

Neuer Brennstoffzellen-Stack soll Kosten senken

Ballard Power präsentiert auf der IAA ein neues Brennstoffzellen-System (Stack) für Busse, Nutzfahrzeuge, Züge oder auch Gabelstapler. Es soll effizienter, langlebiger, leichter integrierbar und günstiger sein – das Unternehmen erwartet, dass sich die Gesamtbetriebskosten damit um rund 40 Prozent reduzieren lassen. Themsen zufolge arbeitet Ballard zudem daran, den Anteil von Platin in den Brennstoffzellen zu reduzieren oder in manchen Anwendungen komplett ohne den teuren Rohstoff auszukommen. Bei neuen Materialien, die robust genug für den Schwerlastverkehr sind, müssten derzeit jedoch Kompromisse eingegangen werden.

Weiteren Schub für die Brennstoffzelle auch in Europa erhofft sich der Manager vom Einstieg des chinesischen Dieselmotor-Herstellers Weichai Power bei Ballard. Die Chinesen investierten im August rund 163 Millionen Dollar und sind damit größter Anteilseigner des kanadischen Unternehmens. Beide Firmen vereinbarten ein Joint Venture für Chinas Brennstoffzellenmarkt sowie einen Technologie-Transfer im Gegenwert von 90 Millionen Dollar. Weichai verpflichtet sich darüber hinaus, bis 2021 mindestens 2.000 Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzellen-Modulen von Ballard auszustatten.

Stark steigende Nachfrage in Europa

„So einen großen Partner in China zu haben, ist sehr wichtig für uns“, sagte Themsen zu bizz energy. Die Fertigung der 2.000 Fahrzeuge werde dabei helfen, die Produktion zu skalieren und die Preise zu senken. China hatte Anfang des Jahres verkündet, Brennstoffzellen-Fahrzeuge und -Infrastruktur verstärkt fördern zu wollen. Auch Japan und Südkorea setzen auf die H2-Technologie als Alternative zum reinen Batterie-Antrieb.

Brennstoffzellenbus des RVK Hürth
Der Regionalverkehr Köln lässt Brennstoffzellenbusse von Van Hool fahren. Die Stacks
stammen von Ballard Power. Foto: RVK Köln GmbH

Ballard verzeichnet laut Themsen momentan auch in Europa eine stark steigende Nachfrage nach Brennstoffzellen. Der Manager erwartet, dass sich unter den Nutzfahrzeugen zuerst Stadtbusse mit Wasserstoff-Antrieb durchsetzen werden. „Man hat dort nur ein Depot zum Auftanken, die Infrastruktur ist also relativ simpel“, sagte Themsen zur Begründung. Er plädiert dafür, Wasserstoff-Busse in der Stadt dort einzusetzen, wo Batterieantriebe die Bedürfnisse der Betreiber nicht erfüllen können – etwa wegen der geringeren Reichweite.

Bisher 50 Busse auf den Straßen

Bislang sind in Europa 50 Busse mit Brennstoffzellen-Stacks von Ballard auf der Straße, unter anderem vom belgischen Hersteller Van Hool im Raum Köln sowie in London. Weitere 300 Busse sollen demnächst folgen. Die Städte werden bei der Anschaffung von dem europäischen Verbundprojekt Jive finanziell gefördert. Laut Themsen liegt die Verfügbarkeit der eingesetzten Brennstoffzellen-Busse inzwischen etwa auf dem gleichen Niveau wie bei Diesel-Fahrzeugen. 

Wegen der kleinen Produktionsmengen bräuchten Wasserstoff-Fahrzeuge allerdings auch in den nächsten Jahren noch finanzielle Unterstützung, um voll wettbewerbsfähig zu sein, sagt Themsen. Zudem sei politische Unterstützung für den Ausbau der Infrastruktur nötig. Momentan existieren in Deutschland 51 öffentliche Wasserstoff-Stationen, deren Zahl bis 2019 auf 100 erhöht werden soll. In Europa sind es bislang insgesamt 77. Die Anschaffungskosten liegen bei einer Million Euro pro Tankstelle – eine E-Ladesäule schlägt dagegen nur mit etwa 24.000 Euro zu Buche.

Hyundai präsentiert erstmals Brennstoffzellen-Lkw

In der Wasserstoff-Industrie kam unterdessen auch die Ankündigung des koreanischen Autobauers Hyundai gut an: Der präsentierte in Hannover erstmals einen  Lkw mit Brennstoffzellen-Antrieb. Zunächst noch eine Studie, soll der „Fuel Cell Electric Truck“ bereits ab dem kommenden Jahr in Serie gehen. Dazu will Hyundai in der Schweiz gemeinsam mit dem Wasserstoffunternehmen H2 Energy eine Flotte von 1.000 Fahrzeugen testen.

Toyota erprobt in Kalifornien ebenfalls einen Lkw mit Brennstoffzellen-Antrieb, und auch das US-Start-up Nikola Motors entwickelt gemeinsam mit Bosch einen Wasserstoff-Truck. Zudem gab Toyota am Mittwoch bekannt, Stadtbusse des portugiesischen Herstellers Caetanobus künftig mit seinem Brennstoffzellen-System auszustatten. Die ersten Fahrzeuge sollen vom nächsten Jahr an im Testbetrieb fahren.

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Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Wasserstoff | Brennstoffzellen | Alternative Antriebe
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

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