_BIZZ energy today: Die Allianz hat angekündigt, ihr Vermögen aus der Kohle abzuziehen. Wie bewerten Sie diesen Schritt?

_Stephen Heintz: Das ist ein sehr wichtiger erster Schritt. Diese Entscheidung hat mich sehr beeindruckt. Die Allianz ist ein sehr seriöses Unternehmen, in dem alle Entscheidungen nach gründlichen Analysen und Überlegungen getroffen werden. Dass ein solcher Konzern Divestment als richtige Strategie für sich erkannt hat, begeistert mich. Natürlich hoffe ich, dass die Allianz in Zukunft auch aus Öl- und Gasgeschäften aussteigt. 

Ist das der große Wurf, werden noch viele folgen?

Ich glaube ja. Die Divestment-Debatte nimmt gerade an Fahrt auf. Überall in der Welt schließen sich Universitäten, Städte, Stiftungen – wie die unsere – und Versicherungen an. Sie alle kommen nach einer Analyse zu dem Ergebnis: Wir müssen die Investitionen in Kohle stoppen, bevor wir den kritischen Punkt erreichen, an dem sich die Welt nicht mehr von den Folgen des Klimawandels erholt.

Gilt das auch für die Deutsche Bank und die Commerzbank?

Das hoffe ich. In meiner Position kann ich natürlich keine Voraussagen über bestimmte Institutionen treffen. Aber ich weiß, dass immer mehr Banken darüber nachdenken. Zum Beispiel hat der Governor der Bank of England, Mark Carney, mehrmals in Interviews gesagt, dass Banker jetzt Klimarisiken und die Risiken von Fossilen mitdenken müssen. Wenn jemand, der für das Wohl und die Sicherheit des Finanzsektors in Großbritannien verantwortlich ist, solche Aussagen trifft, hat das Signalwirkung.

Was bedeuten solche Aussagen für die großen Energieversorger?

Sie müssen so schnell wie möglich aus der Energieerzeugung mit Fossilen aussteigen und sich auf erneuerbare Energien konzentrieren. In Deutschland, dem Land der Energiewende, vollzieht sich dieser Wechsel hin zu Solarenergie und anderen alternativen Quellen bereits. Das ist sehr beeindruckend. 

Was bewegt einen Investor wie die Rockefeller Stiftung dazu, das Vermögen aus Unternehmen abzuziehen, die ihr Geld überwiegend mit fossilen Energien verdienen?

Als Investor mit langfristigen Anlagen verdienen wir unser Geld ausschließlich mit unserem Vermögen. Wir denken also immer zehn, 20 oder 30 Jahre voraus. Bis dahin muss die Weltwirtschaft so umgestellt sein, dass wir die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad begrenzen. Die einzige Lösung dafür ist: nicht in fossile Energieträger zu investieren. Für langfristige Investoren werden also fossile Firmen keine guten Investionschancen mehr bieten – aus rein wirtschaftlichen Gründen. Denn wir werden die Kohle, die ihnen gehört, nicht mehr verbrennen dürfen. Deshalb denken wir um. 

Stephen Heintz bei einer Pressekonferenz auf dem Pariser Klimagipfel. (foto: jk)