Gas
18.05.2016

Baubeginn für südosteuropäische Pipeline

Fotos: TAP AG
Ergänzen sich: Trans Adriatic Pipeline (TAP) und Trans Anatolian Pipeline (TANAP)

Sie soll Europa unabhängiger vom Gaslieferanten Russland machen: Mit viel Politprominenz startete in Griechenland in dieser Woche der Bau der Trans-Adria-Pipeline TAP. Deutsche Verbraucher werden von ihr allerdings wenig haben.

 

Anzeige

Alexis Tsipras hatte am Dienstag endlich einmal wieder Grund zur Freude. „Dieses Projekt kann dazu beitragen, dass Energie eine Brücke der Zusammenarbeit und des Wohlstands für jeden in unserer Region schaffen wird“, sagte der griechische Premier in Thessaloniki beim offiziellen Baubeginn für die Trans Adria Pipeline. Das TAP abgekürzte Projekt ist eins von drei Teilstücken des südlichen Gaskorridors, der das europäische Gasnetz mit Förderstätten im Kaspischen Meer verbinden soll. Ab 2020 sollen in der ersten Ausbaustufe zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas in die EU fließen – genug für sieben Millionen Haushalte. In einer zweiten Stufe könnte die Kapazität verdoppelt werden.

Anzeige

 

Von Italien bis nach Aserbaidschan

Die EU-Kommission sieht in dem Milliarden-Projekt einen wichtigen Beitrag, um Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu machen. An der Zeremonie in Thessalonik nahm deshalb auch Kommissions-Vizepräsident Maroš Šefčovič teil. Die TAP wird von Italien über Albanien und Griechenland bis in den europäischen Teil der Türkei führen. Dort führt das Anschlussprojekt Trans Anatolian Pipeline (TANAP) quer durch die Türkei. Das dritte Teilstück, die Süd-Kaukasus-Pipeline, verläuft schließlich durch Georgien und Aserbaidschan bis zum Gasfeld Shah Deniz 2 im Kaspischen Meer. Anfang Mai vergab das Förderkonsortium unter Führung von BP einen 1,5-Milliarden-Dollar-Auftrag für den Einsatz eines U-Bootes, das die Förderanlage bauen wird.

 

Nur 2,5 Prozent des europäischen Verbrauchs

Trotz des immensen politischen Aufwands, der für den Korridor betrieben wird, hält sich seine Bedeutung doch in Grenzen. Zehn Milliarden Kubikmeter entsprechen lediglich zweieinhalb Prozent des jährlichen europäischen Gasverbrauchs. Und um einen Einfluss auf den deutschen Gasmarkt zu haben, müssten die Lieferungen von Südosteuropa erst einmal hierzulande ankommen. Die Übertragungskapazitäten zwischen den einzelnen Staaten seien begrenzt und Südeuropa sende normalerweise nur geringe Preisimpulse auf die Märkte nördlich der Alpen aus, sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold von EnergyComment.

 

Entscheidend sind die Lieferverträge

Ebenfalls wichtig seien die konkreten Verträge, welche die Pipelinebetreiber mit europäischen Abnehmern aushandeln. „Es kommt auch darauf an, wo und wie die Mengen angeboten werden, also auch von der Preisformel und von den Mengen, die ihren Weg auf preisbildende Spotmärkte finden“, erläutert der Experte. Auf die Preise für deutsche Gaskunden werde die Pipeline deshalb bestenfalls einen marginalen Einfluss haben.

 

Überangebot an Gas

Auch den Beitrag zur europäischen Versorgungssicherheit sieht Bukold wenig euphorisch. „Insgesamt betrachtet ist die Versorgungslage dank des hohen Angebots aus Russland und Norwegen und der zahlreichen freien LNG-Ladungen sehr gut, und das wird auch wohl noch einige Jahre so bleiben“, sagt der Hamburger Energieexperte. „Der amerikanische Schiefergasboom deckelt indirekt auch die Preise in Europa bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein.“ Der südliche Gaskorridor könne jedoch die Versorgungssicherheit im europäischen Teilmarkt Südosteuropa verbessern.

Manuel Berkel
Keywords:
TAP | Tanap | Gasversorgung | Gas | Versorgungssicherheit | Griechenland | Aserbaidschan | Georgien
Ressorts:

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen