In den zwölf Jahren als Präsident der Bonner Bundesnetzagentur trimmte Matthias Kurth die Anreizregulierung ganz auf Kostensenkung. An diesem Ansatz zur Festlegung der Netznutzungsentgelte hat sein Nachfolger Jochen Homann nicht gerüttelt – zum Ärger vieler Verteilnetzbetreiber, vorwiegend Stadtwerke. Die Eigenkapitalverzinsung vor Steuern liegt für Netzinvestitionen zwar offiziell bei 9,05 Prozent, was üppig klingt, gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Aber Stadtwerke klagen, dass ihr Eigenkapital de facto weniger als vier Prozent Verzinsung bringt. Woran liegt das? „In der Praxis dürfen wir teilweise sechs Jahre keine Abschreibungen vornehmen und müssen die Investitionen vorfinanzieren, bis wir die Kosten in der folgenden Anreizregulierungsperiode anerkannt bekommen“, antwortet Thüga-Vorstandssprecher Michael Riechel. Zudem klagen Betreiber über den „Produktivitätsfaktor“, mit dem Homann ihre Erlösobergrenze jedes Jahr um 1,5 Prozent reduziert, um Wettbewerb zu simulieren. Wohlgemerkt: Für Übertragungsnetzbetreiber wie Tennet gelten diese beiden Renditekiller nicht. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert daher Gleichbehandlung. Der Wirtschaftsausschuss des Bundesrats präsentierte bereits Mitte 2013 das vom VKU unterstützte Instrument der Investitionskostendifferenz (IKD), in dem es keinen Zeitverzug gibt. Chefregulierer Homann lehnt das IKD-Modell ab, er fürchtet stark steigende Netzentgelte.  Mehr noch: Homann will wegen des historischen Zinstiefs auch die offizielle Eigenkapital-Rendite drücken – von neun auf vier Prozent.

 

Zeitplan: Im zweiten Halbjahr 2015 soll die „Anreizregulierungsverordnung“ novelliert werden.

 

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