Stromnetz
28.09.2016

Bayerns Regierung krittelt weiter an Stromautobahnen

Foto: Wikipedia / Freud / CC BY-SA 3.0
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich lange gegen Stromautobahnen durch Bayern gewehrt.

Kaum liegen Vorschläge für neue Streckenführungen großer Stromautobahnen auf dem Tisch, meldet die CSU einem Pressebericht zufolge Änderungen an. Grundsätzlich will die Landesregierung den Bau nun aber unterstützen.

 

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Bei der Kritik an Stromtrassen ist die bayerische Landesregierung emsiger als die eigene Bevölkerung. Erst am Dienstag hatten die Netzbetreiber Tennet, Transnet BW und 50 Hertz neue Planungen für die beiden Stromautobahnen Südlink und Südostlink vorgestellt. Sie sollen vor allem Windstrom aus Norddeutschland nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren.

Für die 620 Kilometer lange Südlink-Trasse vom schleswig-holsteinischen Wilster zum bayerischen Atomkraftwerk Grafenrheinfeld hatten die Netzbetreiber Anfang der Woche extra ein neues Internetportal online geschaltet, auf dem Bürger die verschiedenen Varianten für den Verlauf der Erdkabel kommentieren können. Bis Mittwochmittag war dort noch kein Eintrag von betroffenen Anwohnern zu finden, doch die Landesregierung in München hat bereits Änderungswünsche angemeldet.

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Südlink solle nach dem Willen der Staatsregierung nicht ganz Unterfranken durchschneiden, meldete der Münchner Merkur am Mittwoch. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sieht die von den Netzbetreibern vorgelegten Pläne aber überwiegend positiv. Nach Protesten Seehofers im vergangenen Jahr haben die Netzunternehmen die beiden Trassen nun komplett mit Erdkabeln geplant. Obwohl sie nun frühestens 2025 – also drei Jahre nach dem Atomausstieg – fertig werden, verteidigte der CSU-Politiker sein Beharren auf Erdkabeln. „Unterirdische Infrastruktur ist nicht ein Problem, sondern die Lösung für die Zukunft“, sagte Seehofer. Bayerns Landesregierung verspricht sich eine höhere Zustimmung der Bürger als gegenüber oberirdisch verlaufenden Strommasten.

 

Bürgerbeteiligung in Dutzenden Kommunen

Die Netzbetreiber möchten die Bürger nun trotzdem so früh wie möglich einbinden. Sie stellen ihre Pläne in den nächsten Wochen in Dutzenden Städten vor. Ziel sei es, die eigenen Planungsergebnisse durch Hinweise aus der Öffentlichkeit zu verbessern, teilten beispielsweise Tennet und 50Hertz für die 580 Kilometer lange Trasse Südostlink von Sachsen-Anhalt bis in die Gegend um das niederbayerische Landshut mit. Bis zum Frühjahr wollen die Netzbetreiber dann erste Planungsanträge bei der Bundesnetzagentur einreichen. Bis zum Bau wird es danach noch mehrere weitere Stufen der Öffentlichkeitsbeteiligung geben.

Die Baukosten beziffert Tennet für Südlink auf zehn Milliarden Euro, für Südostlink auf vier bis fünf Milliarden Euro. Im Vergleich zu Freileitungen sind Erdkabel je nach Untergrund drei bis acht Mal so teuer. Die Investitionen werden auf die Stromverbraucher in den betroffenen Netzgebieten umgelegt.

Manuel Berkel
Keywords:
CSU | Horst Seehofer | Tennet | 50Hertz | Transnet BW | Stromnetz | Südlink | Südostlink
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