Elektromobilität
28.03.2018

BeeZero-Aus: Warum sich grünes Carsharing nicht rechnet

Foto: BeeZero
Am 30. Juni ist Schluss mit BeeZero, bis zum 15. Mai können sich Kunden noch neu anmeleden.

Linde stellt sein Carsharing-Angebot BeeZero mit Wasserstoff-Autos ein. Das Unternehmen ist nicht der erste Anbieter, der an alternativen Antrieben scheitert.

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Die andere Seite sind die fehlenden Einnahmen. Eine Umfrage des Carsharing-Verbands unter seinen Mitgliedern, zu denen ausschließlich stationsbasierte Anbieter zählen, ergibt ein ernüchterndes Bild: Wenn sie an derselben Station Benziner oder Diesel sowie vergleichbare Elektroautos anbieten, werden letztere nur halb viel oder maximal zu zwei Dritteln der Zeit ausgelastet wie die klassischen Fahrzeuge. Dies liegt Loose zufolge nicht nur daran, dass E-Autos weniger für lange Strecken taugen. „Es gibt bei den Kunden bewusste und unbewusste Hemmnisse, etwa die Angst bei neuer Technologie etwas falsch zu machen“, sagt der Geschäftsführer.

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Das größte Problem sei jedoch nicht die Technik, sondern das Zusammenspiel mit der Ladeinfrastruktur – vom kniffligen Einstöpseln bis zu Schwierigkeiten bei der Anbieteridentifikation an der Säule. Wasserstoffauto-Fahrer stehen zudem vor der Herausforderung, überhaupt eine Tankstation zu finden. Ein Bee Zero-Nutzer klagt auf der Website über die „kaum vorhandene und viel zu lange defekte“ Infrastruktur. Nach Angaben von Linde existieren momentan bundesweit nur 20 bis 30 öffentlich zugängliche Tankstellen. 

"Kunde akzeptieren kein teureres Elektromodell"

Die Mietpreise für Elektrofahrzeuge zu erhöhen, sei für die Anbieter kein Ausweg aus der Kostenfalle, sagt Loose: „Die Kunden akzeptieren kein Modell, das E-Autos höher bepreist als vergleichbare Benziner oder Diesel.“ Er hofft nun auf sinkende Batterie- und damit Anschaffungspreise, und will für die Kunden eine Informationskampagne starten.

Dass die Carsharing-Anbieter trotz der fehlenden Wirtschaftlichkeit Autos mit alternativen Antrieben anbieten, dürfte an dem Werbeeffekt liegen. Schließlich erfüllt das Leihen eines Batterie-Autos auch den Zweck einer Probefahrt und könnte Kunden dazu bewegen, sich das Fahrzeug privat anzuschaffen. Bee Zero räumt offen ein, der Zweck der Gründung sei gewesen zu zeigen, dass Brennstoffzellenfahrzeuge „absolut alltagstauglich“ seien. Und zum Kerngeschäft von Linde hat das Carsharing ohnehin nie gehört. Offenbar hat die Linde-Tochter damit ihren Dienst schon getan.

Lesen Sie auch: Städte zögern beim Carsharing

Jutta Maier
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Keywords:
Elektromobilität | Alternative Antriebe | Wasserstoff | Carsharing | BeeZero | Linde | car2go | DriveNow
Ressorts:
Markets

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