Solar City
10.11.2016

Bei Tesla geht es ums Ganze

Foto: Flickr / Mike Mozart / CC BY 2.0
Zum Service von Solar City gehört auch die Installation von Solaranlagen.

Nächste Woche steht für Firmengründer Elon Musk eine entscheidende Wahl an: Dann stimmen die Aktionäre von Tesla und Solar City ab über die geplante Übernahme des Solaranbieters.

 

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Noch kurz vor der US-Wahl ergriff Tesla-Chef Elon Musk erneut Partei. Er lobte die Agenda der Demokratin Hillary Clinton und betonte, dass der Republikaner Donald Trump „wahrscheinlich nicht der richtige Mann ist“. Doch es half nichts.

Vom künftigen Präsidenten Trump wird Tesla sicher weniger Hilfe erhalten als von der Regierung Obama. Tesla-Aktien verloren unmittelbar nach Verkündung des Wahlergebnisses knapp vier Prozent. Die Aktien von Solar City, der Solarfirma von Musks Cousins, stürzten bis zu elf Prozent ab. Auch andere Solar- und Wind-Titel wie die des dänischen Windturbinenhersteller Vestas gaben nach. Investoren fürchten offensichtlich um die Zukunft von Subventionen für erneuerbare Energien unter einem Präsidenten Trump, der vor allem die Interessen der Öl-Lobby vertritt.

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Dabei ist Elon Musk eigentlich gerade dabei, sich auf eine ganz andere Wahl vorzubereiten: In gut einer Woche, am 17. November, werden sich die Aktionäre von Tesla zu einer außerordentlichen Versammlung im kalifornischen Fremont treffen, die Solar City-Anteilseigner im eine halbe Autostunde entfernten Foster City. Abstimmen werden sie über die Zukunft der beiden Firmen: Es geht um die von Tesla-Gründer Elon Musk vorgeschlagene Übernahme der Solarfirma, an der er rund 22 Prozent der Anteile hält und deren Chefs seine Cousins Lyndon und Peter Rive sind.

 

Musk preist sein integriertes Unternehmen

Den Termin setzten die beiden Unternehmen trotz mehrerer Klagen von Tesla-Aktionären gegen Mitglieder des Verwaltungsrats an, denen unter anderem vorgeworfen wird, im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme ihre treuhänderischen Pflichten verletzt zu haben. Offenbar erwartet man bei Tesla nicht, dass diese Erfolg haben werden. 

Seit Monaten versucht Elon Musk die Anleger davon zu überzeugen, dass Tesla und Solar City im Doppelpack für Aktionäre, Kunden und die Umwelt ein Fortschritt sind. „Die kombinierte Firma wird das weltweit einzige integrierte Unternehmen für nachhaltige Energie sein“, wirbt Tesla. Musk will Ökostrom, Speicherbatterien und Elektroautos aus einer Hand anbieten – und natürlich das vor kurzem vorgestellte, neue Gemeinschaftsprodukt: Solar-Dachziegel aus Glas, die optisch kaum von Tonziegeln oder Schieferplatten zu unterscheiden sind.

Viele Analysten und Investoren bewerten den 2,6 Milliarden Dollar schweren Deal jedoch kritisch. Mittlerweile haben auch die beiden größten unabhängigen Aktionärsberatungen der USA ihre Empfehlungen ausgesprochen – und sie könnten nicht unterschiedlicher sein. So bezeichnete die einflussreiche Gruppe Institutional Shareholder Services (ISS) die geplante Übernahme als „vernünftig“ und „einen notwendigen Schritt“, um Tesla zu einem integrierten Unternehmen zu machen. Die Solar City-Aktie schoss daraufhin zeitweise um zehn Prozent in die Höhe.

 

Gereizte Stimmung

Konkurrent Glass Lewis hingegen sprach von einem „kaum verschleierten Rettungsplan“ für Solar City. Denn die Solarfirma hat Schulden in Höhe von drei Milliarden Dollar aufgehäuft und weitet ihre Verluste von Jahr zu Jahr aus. Glass Lewis kritisiert, dass Musk wegen seiner Mehrheitsbeteiligung und der Verwandtschaft mit den Gründern offensichtlich ein großes persönliches Interesse daran habe, dass Solar City nicht zusammenbricht. Aus Sicht der Aktionärsberatung bedeutet die Fusion eine hohe Wertvernichtung und ist ein riskantes Ablenkungsmanöver für Tesla. Denn der Autobauer hat genug eigene Probleme. Derzeit arbeitet er mit Hochdruck daran, bis Ende 2017 seinen „Volks-Stromer“ Model 3 auf den Markt zu bringen.

Musk reagierte auf die Bedenken beim jüngsten Investorengespräch Anfang November gewohnt selbstbewusst bis überheblich: „Für diejenigen, die Vorhersagen machen – wie gut war ihre Vorhersage über Teslas Zukunft?“, sagte er in Anspielung auf Untergangsprognosen. „Sie haben eine Trefferquote von Null.“ Auch Solar City werde keinesfalls pleite gehen, sagte Musk und verwies auf das verbesserte Geschäftsmodell des Solar-Installateurs. So gibt es ein neues Finanzierungsangebot, bei dem die Kunden die Solaranlage über einen Kredit direkt erwerben können. Bisher leasten sie diese in der Regel und zahlten nur eine Gebühr für den damit erzeugten Strom, während Solar City für die Installation der Anlagen in Vorleistung gehen musste.

Die Übernahme bringe Tesla finanzielle Vorteile, lautete denn auch die Botschaft an die Aktionäre:  Solar City werde innerhalb der nächsten drei Jahre 500 Millionen Dollar zu Teslas Cashflow  beitragen. Zudem bringe die Zusammenführung beider Firmen im ersten Jahr eine Umsatzsteigerung von einer Milliarde Dollar. Am Donnerstag wird sich zeigen, ob Musk die Sorgen der Anleger zerstreuen konnte. Der Milliardär, der in beiden Firmen im Aufsichtsrat sitzt, gibt sich zuversichtlich, die Mehrheit auf seiner Seite zu haben: Er habe mit großen institutionellen Anlegern gesprochen. Musk selbst will sich bei der Abstimmung wegen Befangenheit enthalten.

Jutta Maier
Keywords:
Tesla | Solarcity | Elon Musk
Ressorts:

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