Kernkraft
29.04.2016

Belgiens Regierung verteilt Jodtabletten

foto Wikipedia
Deutsche Atomexperten bezweifeln die Sicherheit des begischen Kernkraftwerks Tihange.

Nach der Ankündigung der belgischen Regierung für den Fall einer Reaktorkatastrophe kostenlose Jodtabletten an die Bevölkerung zu verteilen, drängen deutsche Politiker erneut auf das Abschalten der Pannen-Reaktoren.

 

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Belgien rüstet sich gegen einen möglichen Atomunfall. Die belgische Regierung traut der Sicherheit ihrer Atomkraftwerke offenbar selbst nicht. Am Donnerstag erklärte das belgische Gesundheitsministerium, an alle elf Millionen Einwohner Jodtabletten verteilen zu wollen. Die sollen im Falle eines Atomunfalls gesundheitliche Schäden vermeiden. Deutsche Politiker reagieren alarmiert und fordern ein endgültiges Abschalten der Meiler. „Nicht das Verteilen von Jodtabletten ist die Antwort auf das russische Roulette der Schrott-AKW sondern das Abschalten der AKWs wäre die richtige Antwort", sagt Grünen-Politiker Oliver Krischer am Freitag in Berlin.

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Mit der Verteilung setzt die Regierung eine Empfehlung des belgischen Gesundheitsministeriums um. Demnach sollen an alle Einwohner im Umkreis von 100 Kilometern um atomare Einrichtungen Jodtabletten ausgegeben werden. Aufgrund der kleinen Staatsfläche bekommen nun alle Belgier die Tabletten. Vorzug haben Risikogruppen wie Kinder, Schwangere und ältere Menschen. 

Auch Nordrhein-Westfalen erwägt die Verteilung von Jodtabletten. Das belgische Kernkraftwerk Tihange liegt nur 57 Kilometer west-südwestlich vom Aachener Stadtgebiet entfernt, das zweite in Belgien betriebe Kraftwerk Doel trennen 140 Kilometer Luftlinie von der Stadt.

Schon vergangene Woche hatte Bundesumweltministern Barbara Hendricks (SPD) die belgische Regierung gebeten, die Kernkraftwerke Doel und Tihange bis zur Klärung der Sicherheitsfragen abzuschalten. Deutsche Experten waren nach einer Prüfung nicht überzeugt, dass die Reaktoren vor Störfällen sicher sind. Bei einer Rede im Bundestag erneuerte Hendricks am Freitag ihre Forderung: „Ich bedaure sehr, dass dieser dringenden Bitte von der belgischen Seite bislang nicht entsprochen wurde“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa die Bundesweltministerin. Sie erwarte, dass die deutschen Nachbarn die Sorgen der Menschen in Grenzgebieten ernst nähmen und für höchstmögliche Sicherheit sorgten.

Redaktion
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AKW | Belgien | Jodtabletten | Oliver Krischer | Barbara Hendricks | Atomunfall | Kernkraft
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