E-Mobilität
14.11.2018

Berlin fördert Batteriezellen made in Europe

Foto: Wikimedia Commons / Olaf Kosinsky
Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) treibt eine europäische Batterie-Allianz voran.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier will mit einer Milliarde Euro Batteriezellenfabriken aus dem Boden stampfen lassen. EU-Energiekommissar Maroš Šefčovič signalisiert grünes Licht.

Die Bundesregierung will bis 2021 mit einer Milliarde Euro aus dem Etat des Wirtschaftsministeriums den Aufbau der Batteriezellenfertigung fördern. Dies bekräftigte Bundeswirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier nach einem Treffen mit EU-Energiekommissar Maroš Šefčovič.

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Altmaier hat im Verlauf des Jahres 2018 wiederholt gefordert, dass sich die europäische Industrie der Batteriezellenproduktion annehmen müsse und diese Schlüsseltechnologie nicht allein asiatischen Zulieferern überlassen dürfe. Der CDU-Politiker hat nun auf einer vom Wirtschaftsministerium organisierten Tagung – Vernetzungskonferenz Elektromobilität – in Berlin schriftlich klargestellt: „Unser Ziel ist es, bis zum Jahre 2030 rund 30 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Batteriezellen aus deutscher und europäischer Produktion zu beliefern.“

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Batteriezelen nicht nur zusammenbauen in Europa

Da innerhalb der Europäischen Union nationale Industriepolitik und Wirtschaftsförderung wegen strikter Wettbewerbs- und Beihilferegelungen kaum möglich ist, warb Altmaier auf der Konferenz für eine europäische Lösung. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Batteriezellen nicht nur bei uns zusammengebaut, sondern auch bei uns produziert werden.“

Wie die Nachrichtenagentur Dow Jones News berichtet, forderte der EU-Energiekommissar und stellvertretende EU-Kommissionspräsident Šefčovič nach einem Treffen mit Altmaier und Industrievertretern, „dieselbe Energie“ für diese Frage wie bei der deutschen Energiewende. Die EU wolle „die besten Batterien des Planeten“ produzieren und ein Projekt wie seinerzeit den Airbus in der Luftfahrttechnologie vorantreiben.

Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Altmaier hat auf der Tagung ein dreiseitiges „Thesenpapier zur industriellen Batteriezellenfertigung in Deutschland und Europa“ vorgelegt. Darin schreibt der Minister: Batterietechnologie sei eine Schlüsseltechnologie, die über alle Bereiche der industriellen Wertschöpfung unentbehrlich sein werde, insbesondere für die Elektrifizierung der Verkehrssysteme, die Speicherung erneuerbarer Energien sowie in privaten Haushalten. Die damit verbundenen Wertschöpfungseffekte für die Volkswirtschaft seien enorm. Altmaier erklärt daher die Beherrschung und Anwendung dieser Technologie zu einer Voraussetzung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas.

Wie die Badischen Neuesten Nachrichten berichten, bilden sich derzeit drei Industriekonsortien, darunter zwei internationale. Der Batteriekonzern Varta, der Chemiekonzern BASF sowie der Autobauer Ford seien dagegen Kandidaten für ein deutsches Konsortium – wobei noch offen sei, ob sich daran auch Volkswagen beteilige.

Bis zu 2.000 Jobs pro Konsortium

Altmaier erwartet, dass bis Ende März 2019 konkrete Investitionsentscheidungen für eine Batteriezellfabrik vorliegen werden. Pro Konsortium gehe es um 1.000 bis 2.000 Arbeitsplätze. Die Produktion von Zellen für Lithium-Ionen-Batterien der neuesten Generation könnte somit 2021 starten.

Die Industriepolitik des Wirtschaftsministers stößt in Berlin aber auch auf prominente Kritiker. So hatte der Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in der Woche zuvor gefordert, auf eine lenkende Industriepolitik zu verzichten. Niemand wisse, wie die Mobilität der Zukunft aussehen werde, „deswegen ist Technologieoffenheit sehr wichtig“, warnte der Vorsitzende des Wirtschaftsrats Professor Christoph Schmidt.

 

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Thomas Bauer
Keywords:
Elektromobilität | Batteriezellenfabrik | Europa | Altmaier
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

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