Wärmewende
06.11.2018

Berlin-Tegel wird nachhaltiges Technologie- und Wohnquartier

Foto: Tegel Projekt GmbH
Leuchtturmprojekt mit weitgehend eigener Energieerzeugung: So könnte der Flughafen Tegel eines Tages aussehen.

Die Pläne für die Nachnutzung des Berliner Flughafens Tegel nehmen Gestalt an. Hochschule, Gewerbe- und Wohngebiet sollen sich über eine gemeinsame Energieinfrastruktur selbst versorgen.

Im Sommer 2021 soll der Fluglärm in Berlin-Tegel endgültig verstummen. Der landeseigene Berliner Projektentwicklungsgesellschaft Tegel hat nun vorgestellt, wie sie den Standort zu einem Wissenschafts-, Gewerbe- und Wohngebiet ausbauen will – gemeinsam mit einem Betreiberkonsortium aus dem Energiekonzern Eon und den Berliner Stadtwerken.

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Dabei soll ein Niedrigtemperaturnetz zum Einsatz kommen, das sowohl der Beheizung wie auch der Gebäudekühlung dient. Wie der Energiekonzern Eon auf Nachfrage von bizz energy mitteilt, wird die Infrastruktur des Niedrigtemperaturnetzes, auch LowEx-Netz genannt, rund 60 Millionen Euro kosten. Durch die niedrige Betriebstemperatur von maximal 40 Grad Celsius fallen die Wärmeverluste des LowEx-Netzes deutlich niedriger aus als bei klassischen Fernwärmenetzen.

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Marktplatz für Wärme und Kälte

Die an das Netz angeschlossenen Verbraucher können dann wiederum mit Wärmepumpen höhere Temperaturen erzeugen oder auch Kühlenergie. Das LowEx-Netz soll zudem überschüssige oder selbsterzeugte Energie, wie etwa Produktionsabwärme aus den Gewerbe- und Industriebetrieben und Energie aus erneuerbaren Quellen gegen eine Vergütung aufnehmen. Das Netz wird damit zu einem Marktplatz für Wärme und Kälte – mit Eon und den Berliner Stadtwerken als Plattformbetreiber.

Die vom Netz bereitgestellte Energie wird dabei größtenteils lokal und zu über 80 Prozent mit Erneuerbaren erzeugt. Philipp Bouteiller, Geschäftsführer von Tegel Projekt, sagt: „Uns geht es hier um einen zentralen Punkt der Energiewende: Weg von der zentralen Energieerzeugung hin zu bürgernahen, dezentralen, intelligenten Energiesystemen.“

Vorbild für andere europäische Städte

Der Essener Energiekonzern Eon betrachtet das Berliner LowEx-Netz als Leuchtturmprojekt, das künftig in vielen europäischen Städten Schule machen soll. „Für uns ist es das erste Netz einer völlig neuen Generation, welches sich durch geringe Emissionen und hohen Klimaschutz auszeichnet“, sagt Eon-Vorstand Karsten Wildberger.

Die Berliner Stadtwerke wollen in das Konsortium mit Eon vor allem auch ihre Erfahrung bei der oberflächennahen Geothermie und bei der Wärmerückgewinnung aus Abwasser einbringen. „Berlin wird bis 2050 eine klimaneutrale Metropole werden. Die Berliner Stadtwerke sind dabei ein entscheidender Motor“, erläutert Jörg Simon das Engagement. Simon ist Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe, der Muttergesellschaft der Berliner Stadtwerke.

Forschungs- und Industriepark mit 20.000 Arbeitsplätzen

Nach der Stilllegung des Flughafens Berlin-Tegel soll die neugewonnene Freifläche mit dem Schumacher Quartier Platz für 5.000 städtische Wohnung bieten. Hinzu kommt die Urban Tech Republic, die aus einen Forschungs- und Industriepark für bis zu 20.000 Arbeitsplätze besteht und den 13.000 Studenten der Beuth-Hochschule. Die Hochschule mit ihren Schwerpunkten in erneuerbaren Energien, E-Mobility und der urbanen Pflanzenforschung wird in das charakteristische sechseckige Hexagon-Flughafenterminal einziehen und dort unter anderem Freiraum-Labore in direkter Nähe zu Innenraum-Laboren betreiben können.

Alle Pläne stehen jedoch unter einer zeitlichen Bedingung: Bevor Berlin-Tegel geschlossen werden kann, muss zuerst neue Hauptstadtflughafen den Betrieb aufnehmen. Dessen Eröffnungstermin wurde jedoch seit 2012 immer wieder verschoben. Derzeit heißt es Oktober 2020.

Lesen Sie auch: Wärmepumpen sind auch im Fernwärmenetz sinnvoll

Thomas Bauer
Keywords:
Wärmewende | Wärmepumpen | erneuerbare Energien | Tegel | 2016 | Berliner Stadtwerke
Ressorts:
Technology | Markets

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