Knapp eine halbe Milliarde Euro investierten die Versorger Eon, N-Ergie, Mainova und die HSE in das Gaskraftwerk Irsching 5 bei Ingolstadt. Die Siemens-Anlage gehört mit einem Wirkungsgrad von fast 60 Prozent zu den effizientesten Kraftwerken seiner Art weltweit. Dennoch verdient sie kein Geld. Der Grund: Das Kraftwerk kommt in der momentanen Marktsituation nur auf 1.800 Betriebsstunden. Für einen auskömmlichen Betrieb nötig wären mindestens 4.000 Stunden. 

Ein Sprecher der Darmstädter HSE, dem kleinsten Anteilseigner, bestätigte gegenüber BIZZ energy today, dass die Betreiber zeitnah über eine vorübergehende Abschaltung des Kraftwerks entscheiden werden. Ende des Monats sollen die Betreiber zu einer Versammlung zusammenkommen, hieß es. Ein Eon-Sprecher bestätigte auf Nachfrage der Redaktion, dass sich die Irsching-Betreiber verpflichtet hätten, die Anlage bis Ende März am Netz zu halten.  „Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden.“ Es sei aber davon auszugehen, dass die Anlage stillgelegt werde. Eon-Chef Johannes Teyssen hatte am Mittwoch betont, dass Anlagen, die dauerhaft keine Gewinne erzielten, aus betriebswirtschaftlichen Gründen schließen müssten.

Wegen des momentan sehr niedrigen Kohlepreises haben insbesondere Spitzenlast-Gaskraftwerke im Markt kaum eine Chance. Hinzu kommt, dass der Preis für die CO2-Zertifikate ein historisches Tief erreicht hat. „Es gibt zu viele CO2-Zertifikate im Markt. Wenn die Mengen nicht mehr passen, gerät das System aus dem Ruder“, sagte Jürgen Tzschoppe, Deutschland-Chef des norwegischen Energieversorgers Statkraft, im Interview mit BIZZ energy today. Momentan sei es für Betreiber von Gaskraftwerken nicht möglich, die Investitionen wieder einzuspielen.

Ihren Vorteil der vergleichsweise emissionsarmen Energieerzeugung können Gaskraftwerke nur bei einem hohen CO2-Preis ausspielen. Für zusätzliche Konkurrenz sorgen die erneuerbaren Energien, die ohne Brennstoffkosten in den Strommarkt drängen. 

Zeil will Schließung verhindern

Die bayrische Landesregierung kündigte Widerstand gegen die geplante Abschaltung an. „Das Gaskraftwerk Irsching 5 bleibt auf jeden Fall am Netz. Und zwar auch dann, wenn die Betreiber Eon, N-Ergie, Mainova und HSE die Anlage stilllegen wollen“, sagte der Wirtschafts- und Energieminister Martin Zeil (FDP). Seiner Meinung nach ist die Anlage für die Systemstabilität unverzichtbar. In diesem Fall könnte die Netzagentur die Abschaltung verbieten. Die Betreiber erhielten dann für ihre Verluste einen Ausgleich.

Probleme auch in Frankreich

Nicht nur in Deutschland kämpfen Gaskraftwerke mit geringen Betriebsstunden. Auch in Frankreich plant der Versorger GDF Suez laut Bloomberg New Energy Finance, Anlagen stillzulegen. Die Differenz zwischen den Brennstoffkosten und den Erlösen aus dem Stromverkauf habe einen neuen Tiefstand erreicht. Der sogenannte „spark spread“ habe zuletzt bei Minus 18,35 Euro pro Megawattstunde gelegen, so Bloomberg. Betreiber von Gaskraftwerken in den Niederlanden, in Spanien und Tschechien seien mit ähnlichen Problemen konfrontiert.