Energiepflanzen
17.08.2016

Deutsche Biogasbranche wirbt für US-Pflanze

Foto: Fachverband Biogasanlagen
Die nordamerikanische Pflanze Silphie bietet Bienen reichlich Nektar.

Der Fachverband Biogasanlagen macht sich für den Anbau der nordamerikanischen Silphie stark. Die bietet viele Vorteile gegenüber der bisher wichtigsten Energiepflanze Mais. Durch verbesserte Anbaumethoden wird sie wirtschaftlich attraktiv.

 

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Der Maisanbau zur Biogas-Gewinnung nimmt stetig zu, ist aber bei vielen Bundesbürgern nicht beliebt. Wenn es nach dem Fachverband Biogasanlagen geht, könnte er mit der nordamerikanischen Durchwachsenen Silphie bald weiträumig eine Schwesterpflanze bekommen, die deutlich größeres Sympathiepotenzial besitzt. Landwirte aus Hahnennest in Baden-Württemberg haben sie mit verbesserter Anbautechnik wirtschaftlich attraktiver gemacht.

 

Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum), auch Becher- oder Kompasspflanze genannt, ist ein Korbblütler, der ursprünglich aus den gemäßigten Regionen Nordamerikas stammt. Typisch sind die verwachsenen Blätter, in denen sich Niederschlag und Tau wie in einem Becher sammeln. Sie ist anspruchslos, durch ihren geringen Wasserbedarf von 350 bis 400 Liter pro Quadratmeter Jahresniederschlag ist sie auch für den Anbau in Trockenlagen geeignet.

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Kombination gegen Ernteausfall

Ein Problem war bisher, dass die Pflanze im ersten Anbaujahr zu klein für die lohnende Nutzung bleibt. Der damit einhergehende Ernteausfall schreckte ab. Um ihn zu umgehen, erprobten die schwäbischen Pioniere den Anbau in Kombination mit Mais. Das Experiment war erfolgreich: Rund drei Viertel der üblichen Menge Mais können dabei geerntet werden. Ab dem Folgejahr kann die Silphie drei Meter groß werden und allein mit vollem Ertrag eingefahren werden.

 

Die Gasausbeute ist im Durchschnitt ähnlich hoch wie beim Mais. Der Biomasseertrag liegt mit bis zu 20 Tonnen Trockenmasse pro Hektar sogar darüber. „Seit Jahren sind wir auf der Suche nach adäquaten Alternativen“, sagt Claudius da Costa Gomez, Geschäftsführer des Fachverbands Biogasanlagen. Nun habe man mit der Silphie eine perfekte Ergänzung gefunden.

 

Mehr Humus

Das zweite Problem, das die Baden-Württemberger ausgeräumt haben, war die Notwendigkeit Pflanzen einzeln zu setzen. Durch Zuchtveränderung und Säurebehandlung lohnt sich auch das deutlich billigere aussäen. Die Keimfähigkeit des Saatguts haben sie auf 90 Prozent gesteigert.

 

Silphie ist laut ihren Befürwortern äußerst gut für den Boden. Sie muss nur einmal ausgesät werden. Ab dem zweiten Jahr steht sie dicht und fördert durch feuchtigkeitsbindende Beschattung die Humusbildung. Zudem benötigt sie kaum Pflanzenschutzmittel. Das belegten auch Forschungszüchtungen der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Als mehrjährige Pflanze erspart sie außerdem das saisonale Pflügen.

 

Ein zusätzlicher Gewinn ist die Blüte der Silphie. Das findet auch der Deutsche Imkerbund, ein bekannter Kritiker der Mais-Monokulturen zur Biogas-Gewinnung. Die Pflanze blüht von Juni bis September, wenn Bienen ansonsten wenig Nektar finden. Mehr als 150 Kilogramm Honig pro Hektar kann sie laut den Hahnennester Landwirten liefern. Aus diesem Grund wirbt auch der Imkerbund für mehr Biogas aus Silphie.

Tim Lüdtke
Keywords:
Biogas | Imker | Bienen | Mais | Energie | Erneuerbare | Fachverband Biogasanlagen | Silphie | Hahnennest
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