Studie
19.02.2019

Bund könnte durch Biosprit zehn Milliarden Euro sparen

Foto: VDB
Biodiesel im Schwerlastverkehr kann zur Verringerung von CO2-Emissionen beitragen.

Biokraftstoffe ersparen dem Bundeshaushalt bis 2030 möglicherweise Ausgaben in Höhe von bis zu zehn Milliarden Euro. So das Ergebnis einer DIW-Studie im Auftrag der Branche.

Eine stärkere Verwendung von Biokraftstoffen könnten dem Bund Zahlungen von bis zu 10,2 Milliarden Euro ersparen, weil Deutschland seine Klimaschutzziele verfehlt. Dies ist das Ergebnis einer Studie von DIW Econ, dem Beratungsunternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Untersuchung „Der Beitrag von Biokraftstoffen zur Erreichung der Klimaziele 2030“ wurde im Auftrag des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) erstellt.

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Nach der europäischen Lastenteilungsverordnung (Effort Sharing Regulation) muss Deutschland den Treibhausgasausstoß in den Bereichen Verkehr, Gebäude, Land- und Abfallwirtschaft von 2021 bis 2030 um 38 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 senken. Wird dies nicht erreicht, muss die Bundesregierung Emissionsrechte bei anderen EU-Mitgliedsstaaten kaufen: Zukäufe von Verschmutzungsrechten in Höhe von bis zu 60 Milliarden Euro könnten notwendig werden.

Entsprechend wirkt jede Maßnahme kostensenkend, die den Treibhausgasausstoß vor allem im Verkehrssektor verringert. Bei einem als realistisch geltenden Anteil von etwa sieben Prozent am Kraftstoffmarkt im Jahr 2030 würden Biokraftstoffe der Studie zufolge 102,7 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Somit müssten weniger Emissionsrechte von anderen EU-Mitgliedsstaaten gekauft werden.

Massiv erneuerbare Kraftstoffe benötigt

„Nachhaltig hergestellte Biokraftstoffe können durch die bedeutende Minderung des Treibhausgasausstoßes im Verkehr einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Belastungen des Bundeshaushalts zu reduzieren“, sagt Studienleiterin Claudia Kemfert vom DIW. Der Einsatz von Biodiesel und Bioethanol sei zwar durch das Rohstoffangebot begrenzt, aber von erheblicher Bedeutung für die Dekarbonisierung im Straßenverkehr. Deutschland benötige dringend eine nachhaltige Verkehrswende mit vielen Maßnahmen zur Emissionssenkung.

„Aus dem Klimaschutzplan ergibt sich glasklar, dass neben Effizienz und Elektromobilität bis 2030 massiv erneuerbare Kraftstoffe benötigt werden“, sagt VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann. Biokraftstoffe seien unverzichtbar, um das deutsche Verkehrsziel zu erreichen und Ausgaben in Milliardenhöhe für die drohende Verfehlung zu vermeiden.

"Fortschrittliche Biokraftstoffe" kommen hinzu

Nachhaltig produzierte Biokraftstoffe vermindern den Treibhausgasausstoß im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen um 60 bis 90 Prozent. Herkömmliche Biokraftstoffe wie Biodiesel aus Rapsöl oder Bioethanol aus Roggen und Zuckerrüben stellen heute den größten Teil der Biokraftstoffe im deutschen Markt. Danach kommt Biodiesel aus Altspeisefett. Sie sollen zukünftig ergänzt werden durch sogenannte fortschrittliche Biokraftstoffe aus Stroh, Resten von Maiskolben oder Restholz, die bisher aber noch nicht nennenswert im Markt vertreten sind. 

Während herkömmliche Biokraftstoffe eine Aufwandsersparnis von 5,8 Milliarden Euro erbringen sollen, könnten der Studie zufolge Biokraftstoffe aus Altspeise- und tierischen Fetten sowie fortschrittliche Biokraftstoffe dem Bund Kosten von 4,4 Milliarden Euro bis 2030 ersparen.

"Nicht nur auf E-Mobilität schauen"

„Biokraftstoffe können zukünftig einen größeren Beitrag leisten, um den Fahrzeugbestand auf Deutschlands Straßen zu dekarbonisieren“, sagte Stefan Schreiber, Präsident des VDB und Direktor Geschäftsentwicklung bei der Verbio AG aus Leipzig, einem Hersteller und Anbieter von Biokraftstoffen. Er plädiert für mehr Biokraftstoff im Straßengüterverkehr sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Darüber hinaus wünscht sich der Unternehmer eine Abkehr von der „derzeitig einseitigen Fokussierung“ auf E-Mobilität, beispielsweise bei Bussen. Hier oder auch im Schiffsverkehr könnten Biokraftstoffe mehr leisten.

Man habe es mit einem kompletten Politikversagen im Bereich der Verkehrswende zu tun, sagte Claudia Kemfert bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Berlin. Die Biokraftstoffe hätten zwar keinen riesigen Anteil an der Lösung der Probleme im Verkehrssektor, aber immerhin würden sie einen nennenswerten Beitrag zur Emissionsminderung leisten. 

"Anbauflächen reichen aus"

Im Deutschland sind Biokraftstoffe jedoch umstritten: Seit der Nahrungsmittelpreiskrise 2007–2008 wird die „Flächenkonkurrenz“ um landwirtschaftliche Nutzflächen diskutiert, bekannt als „Tank-oder-Teller-Diskussion“. Im Mittelpunkt dieser Debatte steht die Rivalität zwischen dem Anbau von Energiepflanzen wie beispielsweise Raps zur Erzeugung von Biokraftstoffen und dem Anbau von Nahrungs- und Futtermittelpflanzen.

Doch die Anbauflächen bräuchten nicht erweitert werden, um den genannten Biokraftstoff-Anteil von etwa sieben Prozent im Jahr 2030 zu erreichen, sagt Schreiber. Auch Importe seien nicht ausgeschlossen, ergänzt DIW-Ökonomin Kemfert, solange diese nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stünden. „Die Nachhaltigkeitsverordnung gilt“, sagt VDB-Geschäftsführer Baumann. Diese soll die nachhaltige Herstellung von Biokraftstoffen sicherstellen.

Lesen Sie auch: Dena: Klimaziele nur mit synthetischen Kraftstoffen erreichbar

Carsten Kloth
Keywords:
Biokraftstoffe | Biosprit
Ressorts:
Markets

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