Vermögensverwalter
14.01.2020

Blackrock fordert mehr Klimaschutz von Konzernchefs

Foto: Americasroof / CC BY-SA 3.0
Zentrale des US-Vermögensverwalters in Midtown Manhattan, New York City.

Post vom mächtigsten Mann der Finanzmärkte: In seinem jährlichen Mahnbrief fordert Blackrock-Boss Larry Fink mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Das Schreiben macht Druck auf die Aktiengesellschaften.

Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, fordert die Unternehmen zu mehr Einsatz gegen den Klimawandel auf. „Jede Regierung, jedes Unternehmen und jeder Anleger muss sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen“, mahnt Fink in seinem am Dienstag veröffentlichten Schreiben an die Chefs von Konzernen weltweit, an denen der US-Vermögensverwalter beteiligt ist. Er rechne mit einer „fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt“.

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„Die nicht von der Hand zu weisenden Klimarisiken zwingen Anleger, ihre zentralen Annahmen zur modernen Finanzwirtschaft zu überdenken“, schreibt Fink. Er verweist auf Forschungsergebnisse einer Vielzahl von Organisationen, darunter des Weltklimarats IPCC und des eigenen Blackrock Investment Institute. Der Klimawandel sei inzwischen fast immer das wichtigste Thema bei Gesprächen mit Kunden überall auf der Welt. Anleger würden erkennen, dass das Klimarisiko auch ein Anlagerisiko ist.

"Erheblichen Umverteilung von Kapital"

„Schon bald – und früher als von den meisten erwartet – wird es zu einer erheblichen Umverteilung von Kapital kommen“, heißt es in dem Schreiben. Fink droht Aufsichtsräten und Vorständen mit Konsequenzen, sollten sie das Thema nicht ernst nehmen. „Wenn wir der Meinung sind, dass Unternehmen und ihre Führungsgremien keine aussagekräftigen Nachhaltigkeitsinformationen bereitstellen beziehungsweise kein Rahmenwerk für den Umgang mit diesen Themen implementieren, werden wir die Unternehmensführung dafür zur Rechenschaft ziehen“. Blackrock sei „zunehmend geneigt“, Vorständen und Aufsichtsräten die Zustimmung zu verweigern, wenn die Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit keine ausreichenden Fortschritte machten.

Die Worte des Blackrock-Chefs haben Gewicht. Der 1988 gegründete Finanzriese verwaltet nach jüngsten Zahlen fast sieben Billionen Dollar (rund 6,3 Billionen Euro) Anlagegelder. Das US-Unternehmen ist weltweit an mehr als 15.000 Unternehmen beteiligt, in Deutschland unter anderem an allen Dax-Konzernen. So ist der Vermögensverwalter mit rund sechs Prozent an Siemens beteiligt. Umweltschützer laufen derzeit Sturm gegen die Entscheidung von Siemens, an der Lieferung einer Zugsignalanlage für ein Kohlebergwerk in Australien festzuhalten. Auch an den Energiekonzernen RWE und Eon ist Blackrock beteiligt und dürfte vom Innogy-Deal sowie von Entschädigungszahlungen für den Braunkohleausstieg profitieren.

"Von Anlagen mit Nachhaltigkeitsrisiko trennen"

„Künftig wird Transparenz in Nachhaltigkeitsfragen immer stärker darüber entscheiden, ob sich ein Unternehmen das nötige Kapital beschaffen kann“, schreibt Fink weiter. Blackrock selbst will bei seinen Investments stärker auf Themen wie Klimaschutz, Umweltschutz, Energiewende achten. „Künftig werden wir Nachhaltigkeit zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Portfoliokonstruktion und unseres Risikomanagements machen“, kündigt er an. „Wir werden uns von Anlagen trennen, die ein erhebliches Nachhaltigkeitsrisiko darstellen, wie zum Beispiel Wertpapiere von Kohleproduzenten.“

Blackrock selbst ist umstrittenen: Kritiker bezeichnen die Firma auch als sogenannte Schattenbank, da Vermögensverwalter nicht den Regeln traditioneller Banken unterliegen. Während Blackrock kaum kontrolliert wird, gilt die Firma gleichzeitig als extrem einflussreich, da sie bei vielen großen Aktiengesellschaften als Großaktionär vertreten ist. Und der Einfluss von Blackrock geht weit darüber hinaus. Der Investor berät Notenbanken und Finanzminister und hat direkten Zugang zu Regierungs- und Staatschefs. Deutscher Chef-Lobbyist ist der CDU-Politiker Friedrich Merz, dem Ambitionen auf Parteivorsitz und Kanzlerschaft nachgesagt werden und der gerne gegen Klimaschützer stichelt.

Ökonomische und politische Macht

Klimaschützer wiederum kritisieren Blackrock: Sie warfen dem Vermögensverwalter in der Vergangenheit vor, nicht genug zu tun, um Konzerne zu mehr Nachhaltigkeit zu drängen. Den jetzigen Schritt begrüßt aber nun Ben Cushing von der US-amerikanischen Umweltorganisation Sierra Club. „Als größtes Finanzinstitut der Welt ist die heutige Ankündigung von Blackrock ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und ein Beweis für die Macht des öffentlichen Drucks für mehr Klimaschutz“, sagt Cushing. Blackrock sei aber immer noch der weltweit größte Investor in Kohle, Öl und Gas.

Fraglich bleibt, ob es der Vermögensverwalter ernst meint, oder ob es sich um einen PR-Schachzug handelt. Larry Fink schreibt seit ein paar Jahren stets im Januar einen Brief mit seinen Anliegen an die Konzernchefs. So wurden die Top-Manager vor zwei Jahren beispielsweise zu mehr sozialer Verantwortung aufgefordert. Die Besitzer von Kapital hätten seit der Finanzkrise enorme Gewinne eingestrichen und gleichzeitig müssten viele Menschen mit geringem Lohnwachstum und unzureichender Altersvorsorge leben, hieß es damals. 

Blackrock selbst hat wie kein anderer von der Finanzkrise profitiert: Ende 2006 übernahm das Unternehmen die Fondssparte von Merrill Lynch. 2009 sicherte es sich die Vermögensverwaltungssparte der britischen Barclays Bank. So wurde Blackrock zur Nummer eins unter den globalen Geldverwaltern. Bislang ist nicht bekannt, dass Blackrock-Manager ihre ökonomische und politische Macht nutzen, um die Welt zu verbessern.

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Foto: CC BY-SA 3.0

Carsten Kloth (mit dpa)
Keywords:
Finance
Ressorts:
Finance
 

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