Chinas Automarkt zeigt die hohe Veränderungsgeschwindigkeit besonders eindrucksvoll. 1998 wurden in China 500.000 Neuwagen verkauft, soviel wie etwa in Holland. 2013 wurden im Reich der Mitte 16,3 Millionen neue Pkw verkauft – seitdem ist China der größte Pkw-Markt weltweit. Und das wird sich nicht mehr ändern. Für 2025 sind für China mehr als 25 Millionen verkaufte Neuwagen prognostiziert. Auch wenn sich das Turbo-Wachstum jetzt abkühlt, gilt weiterhin die Regel: Infrastruktur schafft Wachstum. China gibt uns eine Blaupause.

 

Sauber Luft für Beijing

Natürlich drohen in China Immobilienblasen. Natürlich ist die Luft in Beijing so schlecht wie im Ruhrgebiet der sechziger Jahre. Natürlich gibt es in China Korruption und Todesstrafe. Natürlich mangelt es an Gewaltenteilung, Rede- und Pressefreiheit. Die Zentralregierung beobachtet Entwicklungen und steuert dagegen, oft ganz und gar nicht demokratisch, sondern mit harter Hand. Darum fahren inzwischen alle Autos und Mopeds in Beijing elektrisch, ohne stinkende Abgase. Die Dynamik der Veränderung ist so gewaltig, dass ich hier die Prognose wage: Die Chinesen werden schneller einen klaren Himmel über Beijing und anderen Megacities bekommen als weiland die Deutschen – nachdem 1961 der damalige Kanzlerkandidat Willy Brand in seiner Rede auf dem SPD-Parteitag gefordert hatte: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden.“

 

Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen  sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Die Kolumne ist zuerst im Sommerheft von BIZZ energy today erschienen. Alle Ausgaben von BIZZ energy today gibt es u.a. bei unserem Abonnement-Service unter 040 / 41 448 478.