Mobilität
06.02.2018

Blockchain: Der Uber-Killer

Foto: iStock/bizz energy

Der Fahrdienstvermittler Uber hat die Taxi-Branche „disruptiert“, doch bald könnte er selbst überrollt werden: Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, den Mobilitätssektor völlig umzukrempeln.

Im texanischen Austin braucht Uber keiner mehr. Über die App des Start-ups Arcade City können Fahrer und Nutzer ohne Vermittler direkt zueinander finden und die Bedingungen für den Ridesharing-Dienst ausmachen. Arcade-City-Gründer Christopher David war selbst mal als Fahrer bei Uber beschäftigt und machte frustrierende Erfahrungen mit den „Nerds in San Francisco“. Daraufhin beschloss der US-Amerikaner, ein Peer-to-Peer-Netzwerk auf Basis der Blockchain-Technologie aufzubauen.

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Uber war einmal angetreten, das Taxigewerbe zu „disrupten“. Als disruptiv werden Technologien bezeichnet, die bestehende Produkte oder Dienstleistung ganz oder teilweise verdrängen können. Doch der Disruptor von einst könnte bald selbst verdrängt werden, die Blockchain-Technologie gilt als möglicher Uber-Killer. Sie hat das Potenzial, den Mobilitätssektor vollständig umzukrempeln, denn Ridesharing und Carsharing brauchen mit der Blockchain  keinen zentralen Anbieter mehr. Ein E-Auto kann zudem selbstständig Maut, Parkplatz und Batterieladung per Blockchain bezahlen, und die Nutzer können auf alle Verkehrsmittel aus einer Hand zugreifen. Schöne neue Verkehrswelt.

Für dezentrale Technologien wie die Blockchain spricht aber nicht nur, dass sie Mobilität stark vereinfachen können. Sie haben auch das Potenzial, die Vormacht dominierender Plattformen wie Amazon, Google oder Uber zu brechen. Bislang galt in der Plattformökonomie meistens das Motto „the Winner takes it all“, mit der Folge, dass die Platzhirsche leicht eine marktbeherrschende Stellung einnahmen – und Abhängigkeiten für Kunden entstanden.

Der Vermittler wird überflüssig

Das könnte sich ändern. Anders als bei zentralen Plattformen wie Uber, die sich zwischen traditionelle Anbieter - wie beispielsweise Taxifahrer - und deren Kundschaft gedrängt haben, folgt die Blockchain-Technologie dem Prinzip der Dezentralisierung. Anders ausgedrückt: Der Vermittler wird überflüssig. „Wenn ich eine Blockchain haben, über die Uber-Fahrer in direkten Kontakt zu den Nutzern treten können, dann habe ich den Disruptor Uber disruptet“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Andreas Wagener von der Hochschule Hof. „Das Blockchain-Protokoll kann Plattformen wie Uber oder Car2Go ersetzen“, sagt auch Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance & Management. Durch Peer-to-Peer-Lösungen im Carsharing würden die vermittelnden Plattformen nicht mehr gebraucht.

Weitere Veränderungen sieht Sandner, der das Frankfurt School Blockchain Center leitet, in den Bereichen Buchhaltung für Autos und Abrechnung in der Elektromobilität kommen. So könnte die Zukunft aussehen: Autos bezahlen im Parkhaus die Parkgebühren über die Blockchain und eine integrierte Geldbörse automatisch, auch an Mautstationen würden sie die fällige Gebühr im Vorbeifahren selber entrichten. Die fahrende Geldbörse ist übrigens keine Zukunftsmusik, wie das Beispiel Car eWallet zeigt, eine Kooperation des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen mit der Schweizer Bank UBS und dem Technologiekonzern IBM.

Virtuelle Geldbörse
Mit Hilfe einer Blockchain-basierten, virtuellen Geldbörse können Autos in Zukunft
selbstständig Maut, Parken und Tanken bezahlen. Dienstleistungen wie
Ridesharing und Carsharing können ohne zentralen Anbieter organisiert werden.
Die Blockchain wird es künftig auch einfacher machen, geeignete Ladestationen für ein Elektroauto zu finden, es aufzuladen und die Ladung zu bezahlen. Die nötige Technik könnte vom Start-up Motionwerk kommen. Die Essener entwickelten die App „Share&Charge“, die das Teilen von Ladestationen und die automatische Abrechnung über die Blockchain ermöglicht. „Share&Charge ist eine Art AirBnB für Ladesäulen – bei dem ich meine Ladestation registrieren, einen Tarif setzen, Öffnungszeiten bestimmen und die dann mit anderen teilen kann“, erklärt Mitgründer und Geschäftsführer Dietrich Sümmermann.

Mit dem Projekt versucht das Unternehmen, die verschiedenen Anbieter von Stromtankstellen über die Blockchain zusammenzubringen. „Diese dezentrale Technologie hat ungeheures Potenzial für zukünftige Mobilität und ermöglicht ganz neue Kooperationen und Transaktionen“, ist sich der Motionwerk-Geschäftsführer sicher. Die App hat bislang circa 700 Nutzer bei etwa 1.100 öffentlichen und rund 100 privaten Ladestationen in Deutschland. Doch dabei soll es nicht bleiben.

Grenzenloses Laden & Bezahlen

Mit der Initiative „Oslo2Rome“ geht es nun über die Grenze. Dieses Projekt von Motionwerk basiert auf „Share&Charge“,  erweitert aber den Radius und soll langfristig die Voraussetzungen dafür schaffen, dass E-Auto-Fahrer auf Grundlage einer Ladeinfrastruktur mit dem Elektromobil quer durch Europa reisen können – quasi von Oslo bis nach Rom. Die  erforderliche, Blockchain-basierte virtuelle Geldbörse wurde nun  bei einer Tour getestet. Damit will die Initiative
zeigen, dass ein pan-europäisches Netzwerk basierend auf der Blockchain-Technologie in naher Zukunft Realität werden kann.

Torsten Dahmen vom Innovation Hub des Energieunternehmens Innogy, aus dem heraus Motionwerk gegründet wurde, hat einen länderübergreifenden Wunsch von Unternehmen nach einem gemeinsamen Ladenetzwerk erkannt: „Wir haben bei der Suche nach Partnern schnell europaweit großes Interesse gesehen und auch Bedarf für eine grenzübergreifende Verbindung mit integrierter Bezahlfunktion“, sagt er. Bislang erschwert die Vielfalt der Anbieter von Ladelösungen die Abrechnung.

Der Feldversuch im November sollte neue Erkenntnisse bringen. Jedes Partnerland und -unternehmen schickte ein Team los, um die Grenze zu einem Nachbarland zu überqueren. Eine Tour lief beispielsweise durch das deutsch-französischen Grenzgebiet, beteiligt waren die Unternehmen ÉS, EDF Lab und Sodetrel. In Ostdeutschland war Leipzig Start-ort einer Tour, die nach Oberösterreich führte, wo Ladestationen von Enviam genutzt wurden. Weitere Fahrten führten von Vorarlberg nach Mulhouse mit Partner VKW, von Oslo ins schwedische Karlstadt mit Fortum und von den Niederlanden ins Ruhrgebiet mit Elaad und Enexis Group. In Deutschland wurden von Innogy betriebene Ladesäulen genutzt. Der Test lief nach Unternehmensangaben erfolgreich.

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Winter-Ausgabe von bizz energy. Unser Magazin ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel, bei unserem Abonnentenservice (Mail an bizz-energy@pressup.de) oder als E-Paper im iKiosk erhältlich.

Carsten Kloth
Keywords:
Blockchain | Digitalisierung | E-Mobility | Ladeinfrastruktur
Ressorts:
Technology

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