Energiezukunft
10.01.2019

Blockchain: Digitale Frischzellenkur für Stadtwerke

Foto: IC Develpment GmbH
Im Wiener Viertel Zwei werden verschiedene Blockchain-Anwendungen getestet.

Kommunale Versorger gehen schweren Zeiten entgegen. Energiewende und Digitalisierung zerstören die alten Geschäftsmodelle – neue müssen her. Die Blockchain wird zum Hoffnungsträger.

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Das ist ein Horror-Szenario für Stadtwerke-Manager: Start-ups drängen sich mit Plattformen für den Energiehandel in den Markt. Prosumer, also Kunden, die – beispielsweise mit Solaranlagen – auch zu Erzeugern werden, stellen Energie zur Verfügung und handeln direkt untereinander. Strom wird günstiger. Die Margen brechen weg. Kommunen blockieren Investitionen. Abrechnungsprozesse entfallen. Kunden wechseln – vor allem die jungen.

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Das Szenario ist realistisch. Die Margen und die Erlöse der kommunalen Energieversorgungsunternehmen (EVU) sinken tatsächlich. Schuld ist auch der Vormarsch der erneuerbaren Energien. Die Stromerzeugung mit Gas- und Kohlekraftwerken lohnt sich immer weniger, Wind- und Sonnenstrom fluten die Strombörsen und lassen die Großhandelspreise abstürzen. Neue Anbieter treten auf den Plan, neue Technologien wirken zerstörerisch, disruptiv. Die Stadtwerke müssen sich neu erfinden.

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Ein Zauberwort heißt Blockchain. Die Grundlagentechnologie gilt aufgrund ihrer dezentralen Struktur als besonders geeignet für die ebenfalls dezentrale Energiewende. Ihr wird das Potenzial nachgesagt, Geschäftsmodelle und Marktverhältnisse komplett neu definieren zu können. Intermediäre – also zwischen Transaktionsteilnehmer geschaltete Mittler – werden überflüssig. Wenn die Stadtwerke verhindern wollen, selbst zu den überflüssigen Mittlern zu werden, sollten sie sich jetzt auf den Weg machen. Nur wohin?

Frühzeitig Kooperationen bilden

„Ich glaube nicht, dass es ein Stadtwerke-Sterben gibt“, sagt Wolfram Walter, Berater von kommunalen Versorgern. „Aber ich glaube, es ist unheimlich wichtig, dass sie sich im Grundsatz mit dem Thema beschäftigen, weil die Anzahl der Blockchain-Handelsplattformen zunehmen wird“, so der Geschäftsführer der Weiterbildungsakademie PMD. „Den Menschen ist wichtig, dass wenn Ökostrom draufsteht, auch wirklich Ökostrom drin ist.“ Die Blockchain kann die Herkunft des Stroms sicher nachweisen. Die neue Technologie wirkt sich Walter zufolge vor allem auf die Abrechnungsprozesse aus. Deshalb sei es notwendig, die Prozesse aufzuräumen und frühzeitig Kooperationen zu bilden.

Dies empfehlen auch die Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater von Pricewaterhouse Coopers (PwC): „Um die Chancen aus der Digitalisierung sowie der Energie- und Verkehrswende zu nutzen, sollten kommunale EVU sich vor allem für Kooperationen öffnen“, sagt Sven Joachim Otto, Autor der Studie „Stadtwerke 2030“, die PwC mit dem Verband Kommunaler Unternehmen erstellt hat. Ähnliche Schlüsse zieht die Stadtwerkestudie 2017 der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) und des Bundesverbandes Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): „Die Digitalisierung ist der Treiber der Transformation der Energiewirtschaft in den kommenden Jahren“, sagt Metin Fidan, Leiter der Energie-Beratungssparte bei EY.

Versuche im Wiener Viertel Zwei

Einige kommunale Energieversorger haben sich schon auf den Weg gemacht und mithilfe von Kooperationen und der visionär anmutenden Blockchain-Technologie erste Pilotprojekte aufgebaut, die neue Erlösquellen eröffnen könnten. So experimentieren beispielsweise Wien Energie, die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) oder die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) mit der digitalen Basistechnologie.

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Keywords:
Blockchain | Digitalisierung | Stadtwerke
Ressorts:
Technology

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