Energiezukunft
10.01.2019

Blockchain: Digitale Frischzellenkur für Stadtwerke

Foto: IC Develpment GmbH
Im Wiener Viertel Zwei werden verschiedene Blockchain-Anwendungen getestet.

Kommunale Versorger gehen schweren Zeiten entgegen. Energiewende und Digitalisierung zerstören die alten Geschäftsmodelle – neue müssen her. Die Blockchain wird zum Hoffnungsträger.

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In der Blockchain-Technologie erkennt Feicht eine Lösung: „Über unser Modell eröffnen wir Windmüllern und Solaranlagenbetreibern die Möglichkeit, ihre Anlagen direkt beim Endkunden zu vermarkten und so kostendeckende Erlöse zu erzielen.“ Zudem könnten Windkraftanlagen oder Solarparks über das Modell auch ganz ohne Förderung gebaut werden, indem bilaterale Verträge mit den Endkunden abgeschlossen würden.

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Blockchain-Strategie entwickeln

Als Hoffnungsträger in Sachen Blockchain gilt auch die Energie Web Foundation (EWF), eine globale Nonprofit-Organisation mit Sitz im Schweizer Kanton Zug. Die Stiftung hat sich vorgenommen, den Einsatz der Technologie im Energiesektor voranzutreiben. Mehr als 30 Unternehmen nehmen inzwischen an Tobalaba teil, dem Testnetzwerk der EWF.

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Zu den Gründungsmitgliedern gehören die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL). Als erster Energieversorger in Deutschland testen sie in einem Feldversuch die Blockchain-Technologie für die dezentrale Laststeuerung von Strom: Das Unternehmen simuliert eine autarke Stromgemeinschaft (Microgrid) aus Verbrauchern und Produzenten. Lutricity heißt das Projekt, das TWL zusammen mit PwC gestartet hat. Dabei werden Verbraucher und Produzenten des öffentlichen Verteilnetzes sowie Speicher dezentral über die Blockchain gesteuert.

TWL erhofft sich, dem Energiesektor irgendwann eigene Blockchain-Anwendungen liefern und lokale Netze ausbalancieren zu können. Sogar eine Mitarbeit im boomenden Markt für E-Mobilität könne man sich vorstellen, heißt es aus dem Unternehmen. In Ludwigshafen wird die Blockchain also ebenfalls als ein möglicher Weg gesehen, um neue Geschäftsfelder zu etablieren.

Die Augen offen halten

Wolfram Walter rät Stadtwerken, die Augen offen zu halten und eine Blockchain-Strategie zu entwickeln – ob nun für den Bereich E-Ladesäulen, für Quartierslösungen oder Mieterstrom. Stadtwerke sollten zudem eine wachsende Bevölkerungsschicht ins Auge fassen, nämlich die älteren Menschen, die alleine in der eigenen Wohnung leben: „Über eine Blockchain kann man niemanden waschen, wickeln oder einen Verband anlegen. Aber man kann Pflege über eine Blockchain organisieren – dokumentensicher“, sagt Walter. Er denkt dabei unter anderem an Smart-Homes und Sensortechnik in Räumen, die ermittelt, wann jemand Pflege benötigt.

„Sich zu sehr auf die jungen Leute zu konzentrieren, das lohnt sich ja nicht“, meint Walter. Die würden so schnell gehen, wie sie kommen. Bei der Wuppertaler Blockchain-Plattformen beispielsweise kann man in einem Viertelstunden-Takt den Tarif ändern. Demnächst könne man im Viertelstundentakt auch den Versorger ändern, was die jungen Leute nutzen würden. „Da verdient man ja nichts dran“, so Walter. Vielleicht aber können die Alten für eine Frischzellenkur bei den Stadtwerken sorgen.

Lesen Sie auch das Interview mit Expertin Sebnem Rusitschka: „Die Blockchain schadet keinem“

Carsten Kloth
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Keywords:
Blockchain | Digitalisierung | Stadtwerke
Ressorts:
Technology

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