Digitalisierung
02.04.2019

Blockchain-Stromhandel: Warum die Gasag Lition fördert

Foto: Gasag/Werner Popp
Das Blockheizkraftwerk auf dem Berliner Euref-Campus ist die derzeit beliebteste Anlage der Lition-Kunden.

Wie viele etablierte Versorger sucht die Berliner Gasag nach neuen Geschäftsmodellen. Das Blockchain-Start-up Lition soll dabei helfen.

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Seit 1847 ist die Gasag für die Gaslaternen der Straßenbeleuchtung in Berlin zuständig. Doch die Zukunft des Traditionsunternehmens könnte wenig hell sein, denn heute verkauft die einst städtische und in den 1990er Jahren privatisierte Firma vor allem Gas und Strom – und betreibt Gasnetze in Berlin und Brandenburg.

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Dabei ergeht es der Gasag wie vielen anderen Versorgern im Land der Energiewende: Die Geschäfte werden schwieriger, die Zukunft unsicherer. Bis 2026 sollen bei der Gasag voraussichtlich rund 200 bis 300 Stellen abgebaut werden. Gleichzeitig will das Unternehmen in den kommenden drei Jahren 400 Millionen Euro investieren.

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Eine dieser Zukunftsinvestitionen könnte in die Blockchain erfolgen. Auch andere Versorger wie die Technischen Werke Ludwigshafen oder die Wuppertaler Stadtwerke experimentieren schon mit der Technologie. Die Berliner Gasag kooperiert dazu mit dem Start-up Lition, das eine Blockchain-Energiebörse betreibt und jüngst innerhalb weniger Minuten mit dem Verkauf der eigenen Kryptowährung LIT Coin mehr als 1,9 Millionen US-Dollar einsammeln konnte. Das frische Kapital will das Unternehmen jetzt vor allem in den Ausbau dieser Energieplattform stecken.

Es geht zunächst ums Lernen

„Es könnte auch sein, dass wir uns mal beteiligen an Lition“, sagt Matthias Trunk, der Gasag-Vertriebsvorstand. Das soll aber erst in der Zukunft entschieden werden. Zunächst gehe es bei der Kooperation darum, zu lernen „wie schnell sich so ein Geschäft entwickelt und wie man es mitentwickeln kann“, erklärt Trunk. Aber es gehe auch darum, zu hinterfragen: „Was sind eigentlich unserer Kompetenzen, wie gut sind wir für neue Themen aufgestellt? Und können wir die selber schnell in den Markt bringen?“ Der Berliner Versorger steht wie die gesamte Branche unter Druck, sich in einem disruptiven Umfeld neu aufzustellen – womöglich auch mit Hilfe der Blockchain-Technologie.

Das Startup Lition betreibt eine Peer-to-Peer-Handelsplattform (P2P) für Strom. Derzeit ist es üblich, dass Strom entweder an der Börse oder außerbörslich "over the counter" zwischen Produzenten und Abnehmern gehandelt wird. Durch die Blockchain-Technologie werden zukünftig auch direkte Geschäfte zwischen Endkunden und Prosumern – also Verbrauchern, die gleichzeitig als Erzeuger auftreten – sowie zwischen Prosumern und Unternehmen möglich. 

P2P-Netzwerk statt Versorger

P2P-Handel bedeutet, dass die Marktakteure direkt interagieren können. Zwischengeschaltete Instanzen wie Broker oder Versorger sind nicht erforderlich. Vermarktung und Strombezug erfolgen nach diesem Konzept nicht mehr über ein konventionelles Energieunternehmen, sondern über das P2P-Netzwerk.

An der Lition-Strombörse können Kunden einen Erzeuger auswählen. Sie werden durch die Blockchain-Technik direkt miteinander vernetzt, sodass der Verbraucher nicht nur seine Stromquelle selbst bestimmen, sondern im Prinzip auch täglich ein neues Angebot von einem anderen Erzeuger auswählen könnte. Wahlweise kann Lition beauftragt werden, den Strom automatisch von der günstigsten Anlage zu beziehen. Es ist das erste bundesweite und potenziell für den Massenmarkt taugliche Angebot dieser Art.

Wertvolle Erfahrungen sammeln

Doch wo bleiben Versorger wie die Gasag, wenn der Mittelsmann entfällt? „Lition ist nach heutigem Stand auch unser Wettbewerber“, gibt Trunk zu. Lition-Gründer Richard Lohwasser sei zunächst auch nur mit der Frage nach Unterstützung bei der Abrechnung auf die Gasag zugekommen, für die der Berliner Versorger ein neues, cloudbasiertes System nutzt. „Mit den ersten Anwendungsfällen können wir so wertvolle Erfahrungen sammeln“, benennt Trunk einen der Gründe für die Kooperation aus Gasag-Sicht. Dann habe sich daraus eine energiewirtschaftliche Zusammenarbeit entwickelt.

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Blockchain | Stromhandel | Digitalisierung
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