Noch vor kurzem war VW ohne Ferdinand Piëch unvorstellbar. Jetzt wurden er und seine Ehefrau quasi vom Aufsichtsrat gekündigt. Auf der Hauptversammlung
Anfang Mai wurden Piëchs historische Leistungen zwar von Aufsichtsratschef Berthold Huber (bezeichnenderweise früher IG-Metall-Chef) und vom VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn gewürdigt. Aber dieser kurze Moment der Ehrerbietung erinnerte eher an eine Beerdigung. Ruck, zuck wurden anschließend die beiden leer gewordenen Stühle im obersten Kontrollgremium mit Mitgliedern der Piëch-Familie besetzt. Ferdinand Piëch selbst zweifelte sofort via Bild-Zeitung öffentlich an der Kompetenz der Nachrücker.        

Das Herz des VW-Konzerns ist schwach

Vorstandschef Winterkorn ließ sich feiern, sprach aber nur wenig über das Kerngeschäft, die Marke VW, obwohl die doch für die Hälfte des Umsatzes steht. Kein Wunder: Der Konzern verdient sein Geld an den Rändern, mit Audi, Porsche und Skoda sowie dem China-Geschäft. Das Herz des Konzerns ist schwach. Ein Vergleich illustriert das Dilemma. Die Marke VW hat im vergangenen Jahr pro Neuwagen 540 Euro Gewinn erzielt, Skoda 1.026 Euro und der Wettbewerber Toyota gar 1.650 Euro. Selbst GM und Ford lagen trotz großer Rückrufaktionen deutlich über VW.

(Illustration: Valentin Kaden; foto: VW)