Das BMW-Werk in Leipzig gilt als modern und nachhaltig: Vier Windräder, die auf dem Werksgelände installiert wurden, liefern bereits grünen Strom für die Produktion. Jetzt sollen 70 Routenfahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb die sogenannte Intralogistik grüner machen. Die Indoor-Schlepper transportieren Zulieferteile an die Montagebänder, an denen unter anderem die Elektromodelle i3 und i8 gefertigt werden.

Doch es geht um mehr. In einem Konsortium mit dem Brennstoffzellen-Hersteller Fronius International, dem Logistik-Flurförderfahrzeughersteller Linde Material Handling, Günsel Fördertechnik und der TU München will BMW einen Industriestandard namens „H2Ready“ etablieren. Er soll es weiteren Herstellern ermöglichen, die Wasserstoff-Technologie in der eigenen Produktion einzusetzen – in neuen, als auch in umgerüsteten Fahrzeugen.

2,8 Millionen Euro Fördergeld

Das Bundesverkehrsministerium fördert die Anschaffung der Fahrzeuge mit rund 2,8 Millionen Euro aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP). Konkret geht es in Leipzig um die Entwicklung, Erprobung, den Alltagseinsatz, den wirtschaftlichen Betrieb und die Errichtung einer Wasserstoff-Infrastruktur.

„Wir kommen damit dem Zukunftsbild einer CO2-freien Produktion einen Schritt näher“, sagt Werksleiter Hans-Peter Kemser. BMW hatte bereits Ende 2013 in Leipzig ein Forschungsprojekt mit elf Wasserstoff-Schleppern und -Gabelstaplern gestartet. Als weitere Projekte sind der Einsatz von Wasserstoff-Lkw und die Umrüstung weiterer Gebäude und Strukturen für den Einsatz von Wasserstoff geplant. Außerdem will der Autohersteller untersuchen, ob die Windkraftanlagen auf dem Werksgelände grünen Wasserstoff produzieren können.

Amazon und Walmart setzen auf Wasserstoff-Gabelstapler

In Nordamerika sind Brennstoffzellenfahrzeuge in der Intralogistik bereits verbreitet, unter anderem Amazon und Walmart setzen auf Gabelstapler mit Brennstoffzellen-Antrieb. „Die Intralogistik ist eine wachsende Branche in Deutschland, Europa und der Welt“, sagt Wolfgang Axthammer, Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW). „Zwar herrscht hoher Preisdruck, dennoch gibt es zunehmendes Streben nach Dekarbonisierung von Logistik- Standorten und Flotten.“ Laut Axthammer lässt sich der CO2-Ausstoß mit Wasserstoff-Flurförderfahrzeugen in der Logistik um mindestens 25 Prozent senken. 

Brennstoffzellen-Antriebe können außerdem die Produktivität in der Logistik erhöhen, weil das zeitraubende Auswechseln von Batterien entfällt. Das Betanken von Wasserstoff-Fahrzeuge geht deutlich schneller. „Mit diesem Flottenversuch können wir endgültig beweisen, dass der Einsatz von Wasserstoff als Energieträger in verschiedenen Applikationen in Zukunft wirtschaftlich darstellbar ist“, sagt Thomas Herndler, Technologie-Chef von Fronius. Er sieht besonders in der dezentralen Erzeugung von „grünem“ Wasserstoff aus überschüssiger erneuerbarer Energie großes Potential. Anwender könnten sich damit vor Ort selbst den Treibstoff für die Brennstoffzellen-Vehikel erzeugen und zusätzlich auch die dabei entstehende Abwärme nutzen.

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(Foto: NOW)