Mobilität
15.09.2016

Bosch beschuldigt VW

Foto: Wikipedia / Christoph Hoffmann / CC BY-SA 2.0 DE
Die Firma Bosch in Stuttgart steht im Visier von Staatsanwaltschaften und Umweltbehörden.

Der schwäbische Konzern nutzt Fragen des Dieselgate-Untersuchungsauschusses im Europaparlament für eine Breitseite gegen VW und andere Autohersteller.

Die Devise von Firmengründer Robert Bosch lautete: „Lieber Geld verlieren als Vertrauen“. Im Zuge des VW-Abgasskandals könnte der schwäbische Autozuliefer beides verlieren: Vertrauen und Geld.

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Dabei weist Bosch Vorwürfe, in Dieselgate verwickelt zu sein, weit von sich und belastet indirekt den Wolfsburger VW-Konzern. Dies zeigen die Antworten von Bosch auf Fragen des Dieselgate-Untersuchungsausschusses im Europaparlament; die Antworten liegen bizz energy vor.
 
So will der Ausschuss wissen, wer letztlich die Verantwortung für das Emissionsverhalten des Fahrzeugs trage. Bosch antwortet: „In der Regel ist der Hersteller verantwortlich für den Einbau der Software in das Abgaskontrollsystem des Fahrzeugs und für die Effekte der Software auf das NOx-Emissionsverhalten.“ Dies gelte auch dann, wenn der Zulieferer nach dem Liefervertrag die gesamte Kalibrierung der Abgassoftware  vornimmt. Boschs Begründung: Der Autohersteller sei für die Einhaltung der Anforderungen der Typzulassung verantwortlich.
 

Abschalten der Abgasreinigung sei unnötig

Als Begründung der alleinigen Verantwortung des Herstellers für das Abgasverhalten seiner Fahrzeuge führt Bosch in seiner Antwort an: „Die endgültige Kalibrierung (Anwendung) des Programms ist hauptsächlich in der Verantwortung des Herstellers ..., da oft nur dieser den gesamten Motor und die Emissionstechnologie kennt.“ Ohne dieses Wissen sei es unmöglich, so Bosch, die Effekte des Programms sowie seiner Kalibrierung auf das Abgasverhalten des Motors zu bestimmen.
 
Ohnehin würden, argumentiert der schwäbische Konzern, „die meisten Hersteller Funktionen und selbstentwickelte Teile zur Software hinzufügen, deren genauer Inhalt der Zulieferer in den meisten Fällen (vergleichbar einer Black Box) nicht sehen kann“. Für solche Teile der Software habe der Zulieferer kein Zugangsrecht - und könne deshalb auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden.
 
In seinen Antworten schießt Bosch auch eine Breitseite gegen die Praxis einiger Autohersteller, die Abgasreinigung ihrer Dieselmotoren bei niedrigen Temperaturen abzustellen. Zwar können niedrige wie hohe Temperaturen die Funktion eines Katalysators vermindern, doch dies erfordere kein Abschalten des Katalysators, betont Bosch und schreibt: „Generell könnten die Emissionen unter allen Umweltbedingungen effizient reduziert werden.“   
 

Wegen Klagen hält sich Bosch bedeckt

In den USA und in Deutschland ermitteln Staatsanwaltschaften und Umweltbehörden in Zusammenhang mit dem VW-Dieselskandal auch gegen Bosch. Der weltweit größte Hersteller von Autoelektronik und Mechatronik liefert VW und anderen Dieselherstellern Teile der Abgasreinigungstechnik und ihrer Steuerung. Bislang sind Vorwürfe gegen Bosch nur aus einigen von Klägeranwälten veröffentlichten VW-Dokumenten bekannt. Danach wussten Bosch-Mitarbeiter schon 2008, dass Volkswagen in seinen Diesel-Fahrzeugen Abschaltvorrichtungen benutzte. Angeblich soll Bosch von Volkswagen verlangt haben, die Verantwortung für die Anwendung der von Bosch gelieferten Abgassoftware alleine zu übernehmen. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft betonte am 9. September, sie ermittele gegen Bosch von Amts wegen gegen Unbekannt, sehe aber „bisher keinen Anfangsverdacht gegen Mitarbeiter von Bosch und Vorstandschef Volkmar Denner“.
 
Die Gretchenfrage lautet: Hatte B

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ie Devise von Firmengründer Robert Bosch lautete: „Lieber Geld verlieren als Vertrauen“. Im Zuge des VW-Abgasskandals könnte der schwäbische Autozuliefer beides verlieren: Vertrauen und Geld.

Dabei weist Bosch Vorwürfe, in Dieselgate verwickelt zu sein, weit von sich und belastet indirekt den Wolfsburger VW-Konzern. Dies zeigen die Antworten von Bosch auf Fragen des Dieselgate-Untersuchungsausschusses im Europaparlament; die Antworten liegen bizz energy vor.
 
So will der Ausschuss wissen, wer letztlich die Verantwortung für das Emissionsverhalten des Fahrzeugs trage. Bosch antwortet: „In der Regel ist der Hersteller verantwortlich für den Einbau der Software in das Abgaskontrollsystem des Fahrzeugs und für die Effekte der Software auf das NOx-Emissionsverhalten.“ Dies gelte auch dann, wenn der Zulieferer nach dem Liefervertrag die gesamte Kalibrierung der Abgassoftware  vornimmt. Boschs Begründung: Der Autohersteller sei für die Einhaltung der Anforderungen der Typzulassung verantwortlich.
 

Abschalten der Abgasreinigung sei unnötig

Als Begründung der alleinigen Verantwortung des Herstellers für das Abgasverhalten seiner Fahrzeuge führt Bosch in seiner Antwort an: „Die endgültige Kalibrierung (Anwendung) des Programms ist hauptsächlich in der Verantwortung des Herstellers ..., da oft nur dieser den gesamten Motor und die Emissionstechnologie kennt.“ Ohne dieses Wissen sei es unmöglich, so Bosch, die Effekte des Programms sowie seiner Kalibrierung auf das Abgasverhalten des Motors zu bestimmen.
 
Ohnehin würden, argumentiert der schwäbische Konzern, „die meisten Hersteller Funktionen und selbstentwickelte Teile zur Software hinzufügen, deren genauer Inhalt der Zulieferer in den meisten Fällen (vergleichbar einer Black Box) nicht sehen kann“. Für solche Teile der Software habe der Zulieferer kein Zugangsrecht - und könne deshalb auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden.
 
In seinen Antworten schießt Bosch auch eine Breitseite gegen die Praxis einiger Autohersteller, die Abgasreinigung ihrer Dieselmotoren bei niedrigen Temperaturen abzustellen. Zwar können niedrige wie hohe Temperaturen die Funktion eines Katalysators vermindern, doch dies erfordere kein Abschalten des Katalysators, betont Bosch und schreibt: „Generell könnten die Emissionen unter allen Umweltbedingungen effizient reduziert werden.“   
 

Wegen Klagen hält sich Bosch bedeckt

In den USA und in Deutschland ermitteln Staatsanwaltschaften und Umweltbehörden in Zusammenhang mit dem VW-Dieselskandal auch gegen Bosch. Der weltweit größte Hersteller von Autoelektronik und Mechatronik liefert VW und anderen Dieselherstellern Teile der Abgasreinigungstechnik und ihrer Steuerung. Bislang sind Vorwürfe gegen Bosch nur aus einigen von Klägeranwälten veröffentlichten VW-Dokumenten bekannt. Danach wussten Bosch-Mitarbeiter schon 2008, dass Volkswagen in seinen Diesel-Fahrzeugen Abschaltvorrichtungen benutzte. Angeblich soll Bosch von Volkswagen verlangt haben, die Verantwortung für die Anwendung der von Bosch gelieferten Abgassoftware alleine zu übernehmen. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft betonte am 9. September, sie ermittele gegen Bosch von Amts wegen gegen Unbekannt, sehe aber „bisher keinen Anfangsverdacht gegen Mitarbeiter von Bosch und Vorstandschef Volkmar Denner“.
 
Die Gretchenfrage lautet: Hatte Bosch Kenntnis über die Praktiken bei Volkswagen, Abgastests zu manipulieren? Die Antwort allerdings verweigert Bosch dem Untersuchungsausschuss – mit Verweis auf Ermittlungen und anhängige Klagen.
Norbert Mühlberger
Keywords:
Bosch | VW | Volkswagen | Diesel
Ressorts:

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