Ölbranche
10.02.2016

BP erwartet Scheitern des Klimaschutzes

foto: Wikipedia

Globaler Energieverbrauch steigt bis 2035, Gas ersetzt nach und nach Öl. Das sind die Ergebnisse des BP Energy Outlook 2035, den BP-Chefökonom Dale am Mittwoch in Berlin präsentierte.

 

Anzeige

Kritische Nachfragen kamen schnell - ob BP den Klimawandel klaglos hinnehme? Doch BP-Chefökonom Spencer Dale betonte bei der Vorstellung des BP Energy Outlook 2035, die Studie entspreche nicht der Wunschvorstellung des britischen Öl- und Gasriesen, sondern sei das aus heutiger Sicht wahrscheinlichste Szenario. Der Konzern gibt schließlich vor, sich für das 2-Grad-Klimaziel und einen globalen Emissionshandel einzusetzen. 
 
Die Zahlen, die der vielbeachtete Report enthält, bedeuten nach dem Klimagipfel in Paris einen ordentlichen Schuss Ernüchterung. BP erwartet, dass die Treibhausgasemmissionen zwar langsamer steigen, aber kontinuierlich nach oben gehen. Die steigende Energieffizienz und die boomenden erneuerbaren Energien setzen dem Wachstum der globalen Wirtschaft keine ausreichenden Kräfte entgegen.
 
 
 
In den Schwellenländern könnte sich der Energieverbrauch bis 2035 verdoppeln
 
Konkret erwartet BP, dass der globale Energieverbrauch sich bis 2035 verdoppelt. In den reichen Industrieländern der OECD bleibt er gleich, dafür wächst er in den Schwellenländern, vor allem in Asien, sehr stark an. Die Treibhausgasemissionen sollen in dieser Zeit um rund ein Drittel steigen. BP geht in dieser Rechnung  davon aus, dass die Energieeffizienz pro Jahr um zwei Prozent steigt und gleichzeitig die Energiequellen im Schnitt weniger Kohlendioxidemissionen verursachen. Dabei sei auch schon berücksichtigt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am globalen Primärenergieverbrauch sich auf rund zehn Prozent vervierfacht.
 
Gleichzeitig soll es beim zusätzlichen Verbrauch eine Verschiebung weg vom Öl und Richtung Gas geben, während Kohle nur noch sehr langsame Zuwächse verzeichnet, vor allem, weil China inzwischen auf stärker auf alternative Energiequellen setzt.  
 
Trotz dieser Annahmen würde laut dem BP-Szenario der Ausstoß an Treibhausgasen weiter anwachsen, während die Klimaforscher des IPCC und auch die Internationale Energie-Agentur (IEA) ein quasi sofort beginnendes, starkes Abfallen für nötig hält. "Die Lücke zum IEA-Szeario wird immer größer", sagte Dale.
 
 
Elektromobilität ist die große Unbekannte
 
Große Überraschungen sind allerdings dennoch möglich, räumte der BP-Chefökonom ein. "Die Elektromobilität müssen wir mit dem Vorbehalt betrachten, dass sie sich deutlich schneller durchsetzt, als wir annehmen", sagte er. Bis 2035 werde sie laut den Berechnungen von BP aufgrund hoher Kosten kaum Marktanteile erobern, zumal es etwa 15 Jahre dauere, bis die weltweite Fahrzeugflotte durch Neuwagen ersetzt worden sei.
 
Dass BP mit seinen Vorhersagen keineswegs immer richtig liegt, zeigt sich beim unkonventionellen Öl und Gas. Die Vorhersagen der Produktion musste in den vergangenen Jahren immer wieder nach oben korrigiert werden. Nun erwartet BP, dass sich die Ölausbeute in den USA aus diesen Vorkommen sogar verdoppeln wird auf acht Millionen Fass Öl pro Tag. Das ist zwar nicht einmal ein Zehntel der globalen Produktion, aber doch ein sehr beachtlicher Beitrag. Die Produktivitätszuwächse der Fracking-Industrie seien "unvorstellbar" gewesen, so Dale. Die Effizienz sei in den letzten sieben Jahren um 30 Prozent jährlich gewachsen.
 
BP-Chef Bob Dudley, der die Pressekonferenz leitete, hatte eingangs klar gemacht, dass er zu einem Thema auf keinen Fall eine Vorhersage machen werde: Wie es nach dem stärksten Preisverfall seit Jahrzehnten mit dem Ölpreis weitergeht. Ein bisschen ließ sich BP dann dennoch in die Karten schauen. Zumindest mittelfristig würden die Preise vom derzeitigen Niveau um die 30 Dollar in jedem Fall ansteigen, erwartet Dudley, aber wohl nicht sofort. Die Investitionen in neue Projekte sind bereits um ein Drittel im Vergleich zu 2014 zurückgegangen. Da bereits begonnene Ölförderanlagen noch fertiggebaut werden, macht sich das erst verzögert beim Angebot bemerkbar. Aber in einigen Jahren werde dann deutlich weniger Öl am Markt sein.&nb

Anzeige

nbsp;

Kritische Nachfragen kamen schnell - ob BP den Klimawandel klaglos hinnehme? Doch BP-Chefökonom Spencer Dale betonte bei der Vorstellung des BP Energy Outlook 2035, die Studie entspreche nicht der Wunschvorstellung des britischen Öl- und Gasriesen, sondern sei das aus heutiger Sicht wahrscheinlichste Szenario. Der Konzern gibt schließlich vor, sich für das 2-Grad-Klimaziel und einen globalen Emissionshandel einzusetzen. 
 
Die Zahlen, die der vielbeachtete Report enthält, bedeuten nach dem Klimagipfel in Paris einen ordentlichen Schuss Ernüchterung. BP erwartet, dass die Treibhausgasemmissionen zwar langsamer steigen, aber kontinuierlich nach oben gehen. Die steigende Energieffizienz und die boomenden erneuerbaren Energien setzen dem Wachstum der globalen Wirtschaft keine ausreichenden Kräfte entgegen.
 
 
 
In den Schwellenländern könnte sich der Energieverbrauch bis 2035 verdoppeln
 
Konkret erwartet BP, dass der globale Energieverbrauch sich bis 2035 verdoppelt. In den reichen Industrieländern der OECD bleibt er gleich, dafür wächst er in den Schwellenländern, vor allem in Asien, sehr stark an. Die Treibhausgasemissionen sollen in dieser Zeit um rund ein Drittel steigen. BP geht in dieser Rechnung  davon aus, dass die Energieeffizienz pro Jahr um zwei Prozent steigt und gleichzeitig die Energiequellen im Schnitt weniger Kohlendioxidemissionen verursachen. Dabei sei auch schon berücksichtigt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am globalen Primärenergieverbrauch sich auf rund zehn Prozent vervierfacht.
 
Gleichzeitig soll es beim zusätzlichen Verbrauch eine Verschiebung weg vom Öl und Richtung Gas geben, während Kohle nur noch sehr langsame Zuwächse verzeichnet, vor allem, weil China inzwischen auf stärker auf alternative Energiequellen setzt.  
 
Trotz dieser Annahmen würde laut dem BP-Szenario der Ausstoß an Treibhausgasen weiter anwachsen, während die Klimaforscher des IPCC und auch die Internationale Energie-Agentur (IEA) ein quasi sofort beginnendes, starkes Abfallen für nötig hält. "Die Lücke zum IEA-Szeario wird immer größer", sagte Dale.
 
 
Elektromobilität ist die große Unbekannte
 
Große Überraschungen sind allerdings dennoch möglich, räumte der BP-Chefökonom ein. "Die Elektromobilität müssen wir mit dem Vorbehalt betrachten, dass sie sich deutlich schneller durchsetzt, als wir annehmen", sagte er. Bis 2035 werde sie laut den Berechnungen von BP aufgrund hoher Kosten kaum Marktanteile erobern, zumal es etwa 15 Jahre dauere, bis die weltweite Fahrzeugflotte durch Neuwagen ersetzt worden sei.
 
Dass BP mit seinen Vorhersagen keineswegs immer richtig liegt, zeigt sich beim unkonventionellen Öl und Gas. Die Vorhersagen der Produktion musste in den vergangenen Jahren immer wieder nach oben korrigiert werden. Nun erwartet BP, dass sich die Ölausbeute in den USA aus diesen Vorkommen sogar verdoppeln wird auf acht Millionen Fass Öl pro Tag. Das ist zwar nicht einmal ein Zehntel der globalen Produktion, aber doch ein sehr beachtlicher Beitrag. Die Produktivitätszuwächse der Fracking-Industrie seien "unvorstellbar" gewesen, so Dale. Die Effizienz sei in den letzten sieben Jahren um 30 Prozent jährlich gewachsen.
 
BP-Chef Bob Dudley, der die Pressekonferenz leitete, hatte eingangs klar gemacht, dass er zu einem Thema auf keinen Fall eine Vorhersage machen werde: Wie es nach dem stärksten Preisverfall seit Jahrzehnten mit dem Ölpreis weitergeht. Ein bisschen ließ sich BP dann dennoch in die Karten schauen. Zumindest mittelfristig würden die Preise vom derzeitigen Niveau um die 30 Dollar in jedem Fall ansteigen, erwartet Dudley, aber wohl nicht sofort. Die Investitionen in neue Projekte sind bereits um ein Drittel im Vergleich zu 2014 zurückgegangen. Da bereits begonnene Ölförderanlagen noch fertiggebaut werden, macht sich das erst verzögert beim Angebot bemerkbar. Aber in einigen Jahren werde dann deutlich weniger Öl am Markt sein. 
Jakob Schlandt
Keywords:
Öl | Gas | OECD | Paris | Energieffizienz | Klimaschutz | Fracking | Bob Dudley
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen