Verkehrswende
21.02.2018

BP: Ölnachfrage steigt auch bei Verkaufsverbot für Verbrenner

Foto: istockphoto

Selbst bei einem Verbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor wäre die Ölnachfrage 2040 immer noch höher als heute, prognostiziert der Konzern BP in seinem "Energy Outlook".

BP hat seine Zahlen zwar nach oben korrigiert, traut der Elektromobilität aber immer noch nicht allzu viel zu: Der Ölkonzern sagt vorher, dass der Anteil von E-Fahrzeugen an der weltweiten Flotte bis zum Jahr 2040 auf 15 Prozent steigen wird. Das seien gut 300 Millionen Vehikel von insgesamt knapp zwei Milliarden Kraftfahrzeugen, rechnet BP in der diesjährigen Marktstudie "Energy Outlook" vor.

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Selbst, wenn 2040 ein weltweites Verbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in Kraft treten träte, würde BP zufolge die Nachfrage nach Erdöl weiter steigen. Bei diesem Szenario verringere sich er Verbrauch von flüssigen Kraftstoffen um ungefähr zehn Millionen Barrel pro Tag - und wäre damit immer noch höher als im Jahr 2016. "Die Annahme, dass ein schneller Anstieg der Zahl von Elektrofahrzeugen die Ölnachfrage kollabieren lässt, wird durch die vorliegenden Zahlen einfach nicht unterstützt - selbst bei einem sehr schnellen Anstieg nicht", sagt Spencer Dale, Group Chief Economist bei BP.

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Luft-, Schiff- und Lkw-Verkehr als Treiber

Das Unternehmen begründet seine Prognose mit einer erhöhten Nachfrage seitens Schwellenländern wie China, Indien und Afrika, insbesondere im Verkehr. "Der Verkehrssektor wird die globale Ölnachfrage weiter dominieren - auf ihn wird mehr als die Hälfte des Gesamtwachstums entfallen", heißt es in dem Ausblick. Haupttreiber sei jedoch nicht der klassische Straßenverkehr - sondern vor allem Luftfahrt, Seefahrt und Schienenverkehr sowie Lkw.

Bei Autos und Motorrädern ergäben sich nur kleine Erhöhungen. Ab 2030 rechnet BP damit, dass die wachsende Nachfrage nicht mehr auf Öl zum Verbrennen entfallen wird, sondern dass es zunehmend als Rohstoff für die Petrochemie genutzt wird.

Carsharing und Ride-Pooling: Mobilitätstrends machen sich bemerkbar

Die Vorhersage geht gleichzeitig davon aus, dass die Fahrzeuge in hohem Tempo effizienter werden: So prognostiziert BP, dass sich die Nachfrage nach Energie im Verkehrssektor bis 2040 nur um 25 Prozent erhöhen wird, obwohl sich die Gesamtnachfrage in dem Zeitraum verdoppele. Zudem glauben die BP-Analysten, dass Öl den Verkehr auch in 22 Jahren immer noch zu etwa 85 Prozent dominieren wird.

Und welchen Einfluss hätten Mobilitätstrends wie autonome Fahrzeuge, Carsharing und "Ride-Pooling" auf die Ölnachfrage? Sie könnten die Nachfrage drücken, wenn sie schneller kommen als angenommen, führt BP aus. Unter der Annahme, dass autonome Autos 25 Prozent weniger Sprit benötigen, könnten 100 Millionen selbstfahrende Verbrenner den Öl-Verbrauch um 0,4 Millionen Barrel pro Tag verringern.

Klimaziele nicht erreichbar

"Ride-Pooling", bei dem sich mehrere Passagiere ein Fahrzeug teilen, reduziert die Anzahl gefahrener Kilometer. Zehn Prozent weniger zurückgelegte Distanzen könnten die Nachfrage um 2,5 Millionen Barrel Öl täglich drücken. Auch Carsharing verringere den Verbrauch, weil die Fahrzeuge intensiver genutzt werden. Bei einem elektrischen oder autonom gesteuerten Auto würde sich der Effekt noch verstärken. Dass Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb in Zukunft intensiver genutzt werden, daran hat BP keinen Zweifel: Obwohl sie der Prognose nach nur 15 Prozent der globalen Flotte stellen werden, machten sie 30 Prozent der mit dem Pkw gefahrenen Kilometer aus.

Die Klimaziele von Paris wären mit dem BP-Szenario übrigens nicht zu erreichen: Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass bis 2040 mindestens 600 Millionen Autos durch Hybride oder E-Autos ersetzt werden müssen, um den Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad zu halten. Das wären doppelt so viele, wie der Ölkonzern bis dahin auf den Straßen sieht.

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Jutta Maier
Keywords:
Verkehrswende | Elektromobilität | Erdöl | BP | Prognose
Ressorts:
Markets

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