EU-Kommission
12.09.2012

Brüssel geht gegen Biosprit vor

Auf die Hersteller von Biodiesel oder Ethanol kommen schwere Zeiten zu. Die EU-Kommission will den Anteil von Pflanzensprit begrenzen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger und Klimakommissarin Connie Hedegaard möchten bis 2020 nur noch einen Anteil von fünf Prozent an Biokraftstoffen aus Nahrungspflanzen, heißt es in einem internen Papier. Höhere Anteile sind nur möglich, wenn es sich um Biokraftstoffe der zweiten Generation handelt, die aus Pflanzenresten oder Algen hergestellt werden. Bislang hatte das EU-Ziel vorgesehen, dass im Jahr 2020 acht Prozent der im Verkehr verbrauchten Energie aus Biosprit auf Basis von Raps, Weizen oder Palmöl stammen soll. Mit den Pflanzenkraftstoffen wollte die Kommission die Emissionen im Verkehr senken.

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Allerdings kam eine im letzten Jahr von der EU-Kommission beauftragte Studie zu dem Ergebnis, dass bestimmte Biokraftstoffe mehr Emissionen verursachen als herkömmliche Kraftstoffe. Ursache sind im Boden gespeicherte CO2-Mengen, die in die Atmosphäre gelangen, wenn für den Anbau von Energiepflanzen zusätzliche Flächen in die Bewirtschaftung gehen. Die EU-Kommission verlangt aber in ihren Richtlinien, dass Biokraftstoffe mindestens 35 Prozent weniger Emissionen verursachen als fossiles Benzin oder Diesel.

Energiekommissar Günther Oettinger veröffentlichte die Studien-Ergebnisse nur widerwillig. Sie könnten für Teile der europäischen Biokraftstoff-Hersteller das Aus bedeuten. Denn die Studie weist insbesondere für Rapsdiesel eine schlechte Bilanz aus. „Wir müssen uns davon verabschieden, dass in Europa große Mengen Biodiesel oder Ethanol hergestellt werden“, sagt etwa Uwe Fritsche vom Ökoinstitut.

Eigentlich sollte die EU-Kommission schon Ende 2011 Pläne vorlegen, wie sie die Ergebnisse der Studie in ihrer Biokraftstoff-Politik berücksichtigen will. In dem nun diskutieren Papier heißt es, die Emissionen von Treibhausgasen durch die Verdrängung klimafreundlicher Waldgebiete seien „erheblich und könnten einige oder alle Ersparungen (durch den Biokraftstoff) zunichtemachen“. Und weiter: „Die Kommission ist der Ansicht, dass in der Zeit nach 2020 Biotreibstoffe nur gefördert werden sollen, wenn sie zu einer deutlichen Senkung der Treibhausgase beitragen und nicht aus Getreide hergestellt werden, die für Nahrungs- oder Futtermittel genutzt werden.“ Die Kommission plant, diese sogenannten Kraftstoffe der zweiten Generation etwa aus Reststoffen oder Algen, vierfach auf die Biokraftstoffequote anzurechnen. Damit soll es einen Anreiz für die Hersteller geben. Aktuell sind Kraftstoffe zu teuer, um am Markt konkurrieren zu können.

Während die Pläne der EU nun von Umweltverbänden begrüßt werden, hagelt es von Seiten der Hersteller erwartungsgemäß Kritik: „Die Kommission verfolgt eine widersprüchliche und sachlich verfehlte Industriepolitik“, sagt Elmar Baumann, Geschäftsführer vom Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie. „Durch ihre Gesetzgebung würden Produktionsanlagen stillgelegt, die nur gebaut wurden, um die Ziele der EU für mehr erneuerbare Energien im Verkehrsbereich zu erreichen.“ Der Ethanolverband hält die Vorschläge für nicht konstruktiv. „Der Vorschlag, die Hälfte der erneuerbaren Energie im Verkehr mit Biokraftstoffen aus Abfällen und Reststoffen zu leisten, ist gegenwärtig unrealistisch, weil diese in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen werden“, hieß es.

Offiziell soll der Entwurf im Oktober zur Entscheidung den EU-Staaten und im Europaparlament vorgelegt werden.

Daniel Seeger, Karsten Wiedemann
Keywords:
Energiepolitik | EU-Kommission | Nachhaltigkeit | Bioenergie | Biokraftstoffe | Erneuerbare Energie
Ressorts:
Governance

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