Investoren
15.05.2013

Brüssel hilft Allianz und Co.

Die EU-Kommission lockert ihre Unbundling-Regeln, um Energiewende-Projekte für Finanzinvestoren attraktiver zu machen. Das erklärte Philip Lowe, Generaldirektor in der EU-Kommission, im Gespräch mit BIZZ energy today.

Darauf haben Allianz, Münchner Rück, Talanx und Co. sehnsüchtig gewartet: Die Europäische Kommission erlaubt ihnen, gleichzeitig Kraftwerke und Stromnetze zu kaufen. „Für die Allianz und andere Finanzinvestoren gibt es dabei keine Risiken von unserer Seite, wir haben unsere eigenen Regeln jetzt entsprechend ausgelegt“, versicherte Philip Lowe, Generaldirektor in der Generaldirektion Energie der EU-Kommission, im Gespräch mit BIZZ energy today. Lediglich für strategische Investoren, die sich durch Zukäufe eine marktbeherrschende Stellung verschaffen könnten, gelten laut Lowe weiterhin die Unbundling-Regeln. Mit diesen will die EU-Kommission die Erzeugung und den Vertrieb von Strom trennen. 

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Diese Entflechtungsregeln haben Versicherer und andere Investoren bisher abgeschreckt, sich im großen Stil an der Finanzierung der Energiewende zu beteiligen. So fordert etwa der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einem aktuellen Strategiepapier, die Unbundling-Regeln grundsätzlich nicht auf Finanzinvestoren anzuwenden. Sie können sich jetzt auf ein Working Paper zum Ownership Unbundling berufen, dass die Kommission inzwischen auf ihrer Webseite veröffentlicht hat. Eine kleine Rest-Unsicherheit bleibt freilich: „Dieses Dokument ist für uns rechtlich bindend, allerdings nicht für unabhängige Gerichte“, kommentierte Lowe gegenüber BIZZ energy today.

 

Topteaser: Ein Solarpark in Orione, Italien. Foto: AZ Climate Solutions GmbH

Joachim Müller-Soares
Keywords:
Philip Lowe | EU-Kommission | Energie | EU | Unbundling | GDV
Ressorts:
Finance

Kommentare

Sollte sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit seiner Forderung durchsetzen, die Lockerung der Unbundling-Regelung grundsätzlich nur für Finanzinvestoren - also auch die Versicherungswirtschaft - anzuwenden, würde das zu einer Benachteiligung von Fachunternehmen und damit zu einer Wettbewerbsverzerrung führen.

Dessen Auswirkungen wären um so gravierender, als da Kraftwerke und Netze über recht lange Investitions- bzw. Nutzungsdauern von ab 20 (zB bei EEG-Anlagen), 30 (zB Netzkonzessionen) bis 50 Jahre (zB konventionelle Kraftwerke) verfügen. Diese Wettbewerbsverzerrung würde dadurch für einen sehr langen Zeitraum (mindestens 1-2 Generationen) festgezurrt, ohne dass der Vorteil eines Finanzinvestors ggü. einem Fachunternehmen für das Gemeinwohl sichtbar wird; ohne Chancen auf Korrekturen.

Außerdem ist es nicht zu verstehen, warum man ausgerechnet bei "strategischen Investoren" befürchtet, dass sie sich "durch Zukäufe eine marktbeherrschende Stellung verschaffen könnten". Sind (insb. die genannten) Versicherungen nicht Unternehmen, die bereits über solche Stellungen in ihrem Markt verfügen, und deren Intransparenz sprichwörtlich ist, ohne dass sich Widerstand regt?

Eine Versicherung als Investor in Energieinfrastruktur ist nicht vom Fach. Sie muss sich eh die dafür notwendige Expertise von Fachunternehmen einkaufen. Ist das nicht Verschwendung? Warum sollte man daher nicht gleich den Fachunternehmen ermöglichen, sich direkt an der Infrastruktur zu beteiligen? Es ist fraglich, ob solche wichtigen Assets bei Finanzinvestoren in guten Händen liegen.

Aber letztendlich wird es so kommen, wie vom GDV "vorgeschlagen". Man solle sich keine Hoffnung machen. Solange die Versicherungswirtschaft ein wesentlicher Käufer von Staatsanleihen ist, wird sie als Gegenleistung vom Staat privilegiert. „Auctoritas, non veritas facit legem“ :-)

Ich denke eher, dass es hier um die Finanzierung von neuen Netzen geht - die ja offenbar dringend nötig sind, aber keiner das nötige Kleingeld hat.

Und Versicherungen kaufen glaube ich auch keine Staatsanleihen mehr - sondern wollen eben gerade in neue Dinge wie Stromnetze investieren, die mehr als -0,25% Rendite versprechen...

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