In Rio beginnen diesen Mittwoch die Paralympischen Spiele. Abseits der Sportwelt ist Brasilien in einer Disziplin schon Champion: Es führt die Weltrangliste der Länder mit den bisher größten CO2-Einsparungen. Seine Emissionen sanken von 1991 bis 2014 um fast 39 Prozent. Auf der Weltklimakonferenz in Paris wurden seine weiteren nationalen Einspar-Ziele (INDCs) als ambitioniert gefeiert. Doch neue Berechnungen zeigen, dass die damals genutzten Daten zu niedrig waren.

Statt wie vor Paris angenommen 2,13 Milliarden Tonnen CO2, emittierte Brasilien 2,8 Milliarden Tonnen im Jahr 2005, besagt eine von Brasiliens Regierung dieses Jahr veröffentlichte Inventur laut der Nichtregierungsorganisation Observatório do Clima. 2005 ist das Referenzjahr für die INDCs, 43 Prozent weniger Treibhausgase als damals sollen 2030 in die Luft gepustet werden. Ausgehend vom jetzigen niedrigen Emissionsstand erlauben die neuen Daten demzufolge Brasilien nun, seinen CO2-Austoß bis dahin sogar noch um 21 Prozent zu steigern.

Darum fordern die Kritiker von Observatório do Clima die Regierung auf, ihre Ziele sofort zu überarbeiten. Die Antwort ist zögerlich: „Ändern wir sie jetzt, öffnen wir Raum für weitere  Diskussionen. Das wollen wir derzeit nicht“, zitiert der Nachrichtendienst Reuters den Klima-Minister Everton Frask Lucero diesen Mittwoch dazu. In der weiteren Umsetzung des Pariser Klimaabkommens werden demnach aber entsprechende Anpassungen folgen.

Brasilien darf plötzlich mehr Luft verschmutzen. (Foto: Mariordo; Wikimedia (CC BY-SA 3.0))