Energiewirtschaft
30.09.2019

Braunkohleriese RWE gibt sich grüner

Foto: RWE AG
RWE-Chef Rolf Martin Schmitz (Mitte) will Europas größten CO2-Produzenten zum grünen Vorzeigeunternehmen umbauen.

Deutschlands großer Braunkohlekonzern RWE setzt nun voll auf Ökostrom. Bei der Präsentation zur Neuaufstellung verkündet das Unternehmen Klimaneutralität bis 2040.

Nach dem Deal mit dem alten Rivalen Eon will der Energiekonzern RWE weltweit mit Ökostrom wachsen. „Wir wollen die Energiewende voranbringen. Dabei orientieren wir uns nicht an Landesgrenzen“, sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz bei der Präsentation zur Neuaufstellung des Konzerns am Montag in Essen.

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Man wolle zudem bis 2040 klimaneutral werden. Dazu gehöre auch den CO2-Ausstoß in den nächsten Jahren drastisch zu senken. Der dreistufige CO2-Minderungsplan sieht bis 2030 eine Verringerung um 70 Prozent vor. „Seit eineinhalb Jahren bauen wir an dieser neuen RWE“, sagte Schmitz. „Bei den erneuerbaren Energien gehören wir mit einer Kapazität von mehr als neun Gigawatt von Beginn an zu den Marktführern.“ 

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Von den 9 Gigawatt, die derzeit am Netz sind, entfallen jedoch nur 1,5 Gigawatt auf Deutschland. Die großen in Bau befindlichen Wind- und Solarparks sind in den USA und Australien. Auch im asiatisch-pazifischen Raum will RWE aktiver werden. Derzeit gebe es in Deutschland nur geringe Investitionsmöglichkeiten für einen weiteren Ökostrom-Ausbau, erklärte Schmitz: „Im Moment ist das Umfeld schwierig.“ Vor allem bei der Windkraft an Land dauere alles viel zu lange.

Erneuerbaren-Anteil soll auf 60 Prozent ansteigen

Deutschlands größter Braunkohleverstromer RWE übernimmt zum 30. September die erneuerbaren Energien des bisherigen Konkurrenten Eon. Später kommen dann auch noch die regenerativen Energien von Innogy hinzu. Dadurch wird RWE zu einem der international führenden Unternehmen beim Ökostrom – bei Strom aus Windkraftanlagen auf See rangiert RWE nach eigenen Angaben sogar weltweit auf Platz zwei.

Künftig soll die konventionelle Stromerzeugung nur noch 20 Prozent des operativen Ergebnisses (Ebitda) ausmachen. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll auf 60 Prozent ansteigen. Die restlichen 20 Prozent kommen dann aus dem Energiehandel und aus Finanzbeteiligungen. Das operative Ergebnis werde sich durch die Transaktion mit Eon verdoppeln, erklärte Finanzchef Markus Krebber. In Zahlen bedeute das, dass das Ebitda im kommenden Jahr auf über 3 Milliarden Euro steigen soll.

Auch der Markenauftritt wurde überarbeitet

Wie RWE bereits vorher angekündigt hatte, will das Management jährlich 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau der Erneuerbaren investieren. Am Montag hieß es, mit Projektpartnerschaften könnten die Investitionen auch bis zu 3 Milliarden Euro ansteigen. In Deutschland produziert RWE derzeit aber noch viel Strom aus der als besonders klimaschädlich geltenden Braunkohle. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Neben Strom aus Wind und Sonne will der Energieriese künftig auch auf Biomasse und auf „grünes“ Gas setzen.

RWE bemüht sich parallel um eine Veränderung der Wahrnehmung in der Bevölkerung. Dazu wurde auch der Markenauftritt überarbeitet. „Das neue Erscheinungsbild der RWE begleitet die strategische Neuausrichtung des Unternehmens“, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Logo bestehe zwar weiterhin aus den drei Großbuchstaben RWE, die in ihrer Form weicher und kompakter würden. „Die Corporate Farben wurden um grün und grau erweitert sowie insgesamt heller und freundlicher“, schreibt der Konzern.

Kritikern reicht grüner Anstrich nicht

Aus Sicht von Kritikern muss RWE jedoch mehr verändern, als sich nur grün anzustreichen: „RWE muss für einen glaubwürdigen Kurwechsel deutlich mehr tun, als Erneuerbare Energien einzukaufen“, sagt Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der angekündigte Kurswechsel sei ein durchschaubares Manöver, um sich den Verbraucherinnen und Verbrauchern gegenüber ökologischer zu geben, ohne wirklich einen Schlussstrich unter die Kohleverstromung zu ziehen. „Der Konzern bleibt so lange unglaubwürdig wie er zugleich Braunkohle auf Hochtouren verstromt und seine Bagger weiter ungebremst Richtung Hambacher Wald und Dörfer vorstoßen“, so Weiger.

Die Kohleverstromung soll in Deutschland bis spätestens 2038 enden. Zwischen 2012 und 2018 habe RWE den CO2-Ausstoß bereits um 60 Millionen Tonnen reduziert, erklärte Schmitz. „Ich wüsste nicht, dass die Autoindustrie das auch schon hinbekommen hätte.“ Der RWE-Chef fordert nun von der Bundesregierung mehr Tempo bei den gesetzlichen Regelungen für den Kohleausstieg. Er hatte wiederholt Entschädigungen von bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt abgeschalteter Leistung und der daran hängenden Tagebaukapazitäten gefordert.

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ck/dpa
Keywords:
RWE | Energiewirtschaft
Ressorts:
Markets

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