Bereits 2030 könnten im Vereinigten Königreich die ersten nuklearen Kleinreaktoren ans Netz gehen. Das besagt ein aktueller Bericht des staatlichen Energy Technologies Institute (ETI).  Aufgabe des Institut ist die Planung von Großbritanniens Energiezukunft – möglichst unabhängig und emissionsarm.

Dabei setzen die ETI-Analysten auch auf Kernenergie. Anstatt weiterer Riesenbaustellen, wie etwa dem nuklearen Problem-Kraftwerksbau Hinkley Point C, schwebt ihnen ein Schwarm kleiner Kernkraft-Anlagen vor, sogenannter Small Modular Reactors (SMRs). Nach Definition der Internationalen Atombehörde IAE sind das Kraftwerke mit einer Leistung unterhalb von 300 Megawatt (MW). Zum Vergleich: Die Hinkley-Anlage soll nach Fertigstellung über 3000 MW liefern.

 

Positive Skaleneffekte

In ihrem Bericht gibt das Institut eine Anleitung, was die Regierung Großbritanniens tun sollte, um 2030 erste SMRs starten zu lassen. Demnach müssten neue regulatorische Standards erstellt werden. Spätestens bis 2024 müsse sich die Politik klar für die Technik aussprechen. Bereits ein Jahr später wäre eine finale Investment-Entscheidung fällig. Nur so entstünde die notwendige Sicherheit für die Entwickler, dass ihre kostspielige Arbeit lohnt.

Schon allein erwartete positive Skaleneffekte würden die SRMs nach Meinung ihrer Befürworter deutlich günstiger machen als ihre großen Vorgänger. Wegen ihrer geringeren Größe könnten sie in Fabriken fertig zusammengebaut und im Stück ausgeliefert werden, leistungsbedingt in relativ großer Anzahl. Durch zusätzliche Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) kann dem ETI zufolge diese Wirtschaftlichkeit noch deutlich gesteigert werden, und dass mit geringem Aufwand. Daher empfiehlt das Institut den Entwicklern, die Anlagen durch KWK noch effizienter zu machen.

 

Ungewisse und teure Sicherheit

Die vom ETI beworbenen Erwartungen sind jedoch umstritten. So warnt etwa die US-amerikanische Wissenschaftlervereinigung Union of Concerned Scientists (UCS) davor, dass weder die geringeren Kosten, noch die verbesserte Sicherheit gegenüber Großkraftwerken gewiss seien. Auch wenn die kleinen Anlagen, wie häufig überlegt wird, im Boden versenkt werden können. Das mache sie zwar eventuell erdbebensicherer, aber auch wieder teurer und schwerer zugänglich, ein Problem im Katastrophenfall.

Kritiker zeigen daher wenig Verständnis für das Loblied des ETIs auf die Kernkraft. Sie fordern stattdessen die erneuerbare Energiegewinnung unangefochten in den Mittelpunkt der Regierungsstrategie zu stellen. Jene grünen Techniken, die Studien zufolge auch in Großbritannien mittlerweile deutlich günstiger realisierbar sind als große Kernkraftwerke.

Viele kleine Atomkraftwerke könnten in Zukunft die Briten mit Strom versorgen. (Foto: NikolayN / iStock.com)