Hochspannungsleitungen sind und bleiben unbeliebt: Nur 42 Prozent der Bevölkerung würden neue Trassen im Landschaftsbild akzeptieren. Das sagt die Studie zum Naturbewusstsein, die das Bundesamt für Naturschutz im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) nun in Bonn vorgestellt hat.

Jedoch: „Zur flächendeckenden Nutzung regenerativer Energien ist ein weiterer Ausbau des Leitungsnetzes notwendig“, sagt Ursula Heinen-Esser (CDU), parlamentarische Staatssekretärin im BMU. „Politiker und Bürger müssen gemeinsam nach Wegen suchen und sich in ihren Interessen gegenseitig ernst nehmen.“ Nach aktuellem Netzentwicklungsplan sollen 3.800 Kilometer neue Trassen gebaut und 4.400 Kilometer bestehende Trassen bis 2022 optimiert werden.

Ähnlich wie Heinen-Esser äußert sich Boris Beltermann, Fondmanager im Solarbereich bei Aquila Capital. „Mit der frühzeitigen Einbindung der Bürger muss ein Widerstand wie bei Stuttgart 21 unterbunden werden.“

Anlagen für erneuerbare Energien hingegen haben laut Studie kein landschaftliches Attraktivitätsdefizit wie die Überlandleitungen. Obwohl auch diese das Landschaftsbild teilweise stark verändern, akzeptieren 87 Prozent den Ausbau von Windkraftanlagen im Meer und 79 Prozent an Land. Solaranlagen außerhalb von Siedlungen befürworten 77 Prozent der Befragten.

Deutschlandweit wurden für die Studie 2.000 Angehörige über ihre persönlichen Einstellungen und ihren Wissensstand zu Naturschutz und biologischer Vielfalt befragt.