_BIZZ energy today | Herr Habeck, wie schafft man Akzeptanz für den Netzausbau?

_Robert Habeck | In Schleswig-Holstein hat die rot-grüne Landesregierung vor drei Jahren entschieden, auf formale Raumordnungsverfahren zu verzichten und durch Bürgerdialogveranstaltungen zu ersetzen. Die hatten zwar zuweilen den Charakter von wahren Saalschlachten, haben die Diskussion aber letztlich versachlicht. Das hat die Zahl der Befürworter erhöht, während die Gegner mit ihrer Niederlage besser leben können, weil auch in ihren Augen der Netzausbau nun Folge eines demokratischen Entscheidungsprozesses ist – statt durch einen Verwaltungsakt von oben aufoktroyiert.

_Sollte man Anwohner zu Miteigentümern der Netze machen?

_Habeck | Ja, das wäre in der Tat wünschenswert. An der Westküste von Schleswig-Holstein sollte die lokale Bevölkerung am 380-KV-Übertragungsnetz des Betreibers Tennet beteiligt werden. Das hat am Ende nicht funktioniert. Die Bürger konnten sich lediglich an Tennet beteiligen, also an einem holländischen Staatskonzern, nicht aber an der eigentlichen Stromleitung vor ihrer Haustür in Schleswig-Holstein. Wir müssen die deutschen Finanzgesetze ändern, um Bürger zu Anteilseignern an den Stromnetzen zu machen, um also – analog zu Bürgerwindparks – echte Bürgernetze zu ermöglichen.

_Ihr Bundesland vernetzt sich künftig mit Norwegen. Welche Folgen hat das?

_Habeck | Das 700 Kilometer lange NordLink-Kabel in der Nordsee soll 2018 in Betrieb gehen. Es wird norwegische Wasserkraftanlagen mit den norddeutschen Windanlagen verbinden. Dadurch werden dann permanent vier Gigawatt Erneuerbaren- Kapazitäten zur Verfügung stehen – und der Energiewende einen Schub geben.

_Verdienen sich die Norweger goldene Nasen mit der deutschen Energiewende?

_Habeck | Nur wenn es ihnen gelingt, Ökostrom günstiger zu produzieren. Beim Energiehandel gelten die Gesetze des Marktes. Einige norwegische Kraftwerksbetreiber haben sicher auf die Einführung eines Kapazitätsmarktes in Deutschland und damit auf Prämien für ihre Speicherleistung spekuliert. Doch diese Diskussion ist mit der Absage an Kapazitätsmärkte durch die Bundesregierung vom Tisch.

 

Robert Habeck ist seit 2012 stellvertretender Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und dort „Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume“. Der promovierte Philosoph und Schriftsteller (Jg.1969) kam erst 2002 zu den Grünen. Nun will der vierfache Vater Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl 2017 werden.

Robert Habeck (foto: PR, flickr (CC) energiedebatte.de)