Stromlieferanten
30.06.2016

Bundesnetzagentur ermittelt gegen Care Energy

Foto: Bundesnetzagentur / Laurence Chaperon
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, ist Deutschlands oberster Wächter über den Strommarkt.

Die Aufsichtsbehörde im Energiemarkt hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Care-Energy AG eingeleitet. Unter anderem soll die Unternehmensleitung der Bundesnetzagentur Führungszeugnisse und Schufa-Auskünfte übermitteln.

Das Verwirrspiel um die Care-Energy AG in München nimmt immer größere Ausmaße an. Wie bizz energy in dieser Woche berichtete, waren Kunden in den ostdeutschen Bundesländern und Hamburg in die Ersatzversorgung ihres örtlichen Grundversorgers gefallen. Anlass war, dass Care Energy nach eigenen Angaben den Bilanzkreisvertrag mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz gekündigt hatte, der die Entnahme von Strom aus dem Netz und das Zahlen der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz regelt. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber verwalten die EEG-Umlage auf einem zentralen Konto und ziehen sie dafür von den Endkunden beziehungsweise deren Stromlieferanten ein.

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Am Dienstag erklärte 50Hertz seinerseits, den Bilanzkreisvertrag mit Care Energy zu kündigen. Grund seien ausstehende EEG-Zahlungen für März und April. Am gleichen Tag stellte die Bundesnetzagentur ohne viel Aufhebens ein umfangreiches Dokument zu Care Energy auf ihre Website. Die Aufsichtsbehörde führt ein Ermittlungsverfahren gegen die Care-Energy AG wegen des „Verdachts der fehlenden Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit“.

 

Zwangsgeld von einer Million Euro angedroht

Die Behörde übermittelte dem Unternehmen am Dienstag einen umfangreichen Fragenkatalog, den die AG bis 13. Juli beantworten soll. Andernfalls droht ihr ein Zwangsgeld in Höhe von einer Million Euro. Im Extremfall kann die Netzagentur Energieunternehmen den Geschäftsbetrieb untersagen.

Die Unternehmensleitung soll der Aufsichtsbehörde Ausbildungszeugnisse, Führungszeugnisse, Schufa-Auskünfte sowie Jahresabschlüsse der Gesellschaft vorlegen. Außerdem möchte die Bundesnetzagentur unter anderem wissen, wer die Guthaben der Kunden verwaltet.

 

Netzbetreiber mahnen ausstehende Zahlungen an

Die Behörde enthüllt außerdem, dass nicht nur 50Hertz ausbleibende Zahlungen bemängelt. Seit Ende Mai hätten auch die drei anderen Übertragungsnetzbetreiber der Netzagentur mitgeteilt, dass sie mindestens zwei ausstehende EEG-Monatszahlungen angemahnt hätten. Das Urteil der Aufseher: „Ein Geschäftsmodell, das auf der Nichtzahlung oder verspäteter Zahlung der EEG-Umlage basiert, wirft erhebliche Zweifel an seiner Nachhaltigkeit auf.“

Völlig unklar ist, wer für eventuelle Versäumnisse haften wird. Rund um die Firmierung „Care Energy“ besteht ein kompliziertes Geflecht aus Dienstleistern, Vorgängerunternehmen und Namensgebern. Nach Angaben der Care-Energy Holding GmbH in Hamburg hatte die Care-Energy AG lediglich das Recht zur Verwendung des Namens „Care Energy“. Der Care-Energy Unternehmensverbund habe keine Anteile an der Care-Energy AG gehalten und es habe auch keine personellen Verflechtungen gegeben, bekräftigte die Holding am Mittwoch.

 

Care Energy sieht sich nicht als Lieferant

Care Energy steht auf dem Standpunkt, kein Energieversorger, sondern lediglich ein Energiedienstleister zu sein, der Endkunden nicht beliefert, sondern „betreut“. Die rechtliche Einstufung spielt eine Rolle bei der Frage, ob ein Energieunternehmen die EEG-Umlage abrechnen und an die Übertragungsnetzbetreiber weiterleiten muss.

In mehreren Urteilen hatten die Landgerichte in Hamburg und Dortmund die Care-Energy Dienstleistung GmbH & Co. KG (inzwischen: Expertos Unternehmens- und Wirtschaftsberatungs GmbH & Co. KG) zur Zahlung von EEG-Umlage in Höhe von 88,7 Millionen Euro verpflichtet. Im Urteil des LG Hamburg vom 13. November 2015 heißt es: „Die Beklagten sind Unternehmen innerhalb der C..-E..-Unternehmensgruppe“ (Az.: 304 O 9/15).

 

60.000 Kunden betroffen

Die Care-Energy Holding teilte am Mittwoch erstmals mit, wie viele Kunden von der aktuellen Kündigung des Bilanzkreisvertrages mit 50Hertz in Ostdeutschland und Hamburg betroffen sind: 60.000. Die Holding argumentiert, Netzbetreiber hätten Energiemengen systematisch falsch abgerechnet. In ihrem Kundenstamm sei deshalb ein „Schaden“ von 18 Millionen Euro entstanden.

Im Gespräch mit bizz energy hatte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen betroffenen Kunden bereits am Dienstag dazu geraten, Verträge mit der Care-Energy AG zu kündigen. Wenn ein Lieferant seine Leistung nicht mehr erbringe, bestehe ein außerordentliches Kündigungsrecht, sagte der Jurist Jürgen Schröder. Der Verbraucherzentrale lägen zahlreiche Beschwerden von Kunden zu verspäteten, unvollständigen und intransparenten Rechnungen von Care Energy vor.

Manuel Berkel
Keywords:
Care Energy | Bundesnetzagentur | Verbraucherzentrale | 50Hertz
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Kommentare

Ich habe heute Post von meinem Grundversorger erhalten. Danach soll ich ab 29.6.2016 mit Strom versorgt werden und dies zuGrundversorgerpreisen. Ich habe aber schon zum 1.7.2016 meine Monatsbrechnung an Care Energy überwiesen .Frage : Muß ich nun für Juli zweimal für Strom bezahlen ??

Geht mir auch so. Der Trick von Care-Energy war, in den letzten Wochen penetrant daran zu erinnern, die Zahlung bis zum Monatsanfang (3.-5.) zu begleichen und drohte bei einer Verzögerung von einem Tag mit einem Inkassounternehmen. Am 04.07. eine Mail an die betroffenen Kunden zu senden, dass diese nicht mehr auf ihre Rechnungen zugreifen können, schlägt dem Fass den Boden aus.
Mir wird jetzt klar, dass es sich hierbei um ein "Schneeballsystem" handelt, wo Kunden im Vorlauf bezahlen und sich eine Firma plötzlich als "Dienstleister" und "Versorger" ist.
Ergo, glaube nicht dem grünen Kleeblatt und dieser ökologischen Energie! Am Ende bezahlst zu ein paar Geschäftsläuten ein dickes Gehalt.... um es vorsichtig auszudrücken.
Ich bin gespannt, ob ich meine Juli-Überweisung von denen zurück bekomme, nachdem ich vor 7 Tagen auch auf die Grundversorgung umgestellt wurde.

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