Die Brennstoffzellen-Technologie befindet sich in Deutschland auf einem guten Weg, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Bareiß, am Mittwoch auf dem von der Initiative Brennstoffzelle (IBZ) organisierten „Innovationsforum Brennstoffzelle“ in Berlin. Das von 2006 bis 2016 laufende Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIB) sei mit insgesamt 1,4 Milliarden Euro ausgestattet gewesen, so Bareiß weiter. 700 Millionen davon kamen aus der Industrie. Die Bundesregierung habe sich klar dafür ausgesprochen, die Förderung mit dem nunmehr bis 2026 laufenden Folgeprogramm NIB 2 fortzusetzen.

Den Angaben von Bareiß zufolge wurden speziell durch die KfW in dem 2016 gestarteten Förderprogramm „Zuschuss Brennstoffzelle“ bislang 4.200 Anträge im Umfang von 61 Millionen Euro bewilligt. 95 Prozent dieser Gelder entfielen auf Wohngebäude und davon wiederum 82 Prozent auf Sanierungsprojekte. Überwiegend würden dabei KWK-Anlagen mit Brennstoffzellen bis 1 Kilowatt Leistung gefördert.

Fadenriss soll verhindert werden

Die Regierung gehe davon aus, dass der Bundestag die Mittel für das KfW-Programm auch für 2019 bewilligt, sagte Bareiß. Endgültig werde das mit dem Abschluss der Haushaltberatungen im November klar sein. Bis Jahresende will die Bundesregierung auch das so genannte Energiesammelgesetz durch den Bundestag und den Bundesrat bringen. Bis Ende Oktober soll es zunächst im Kabinett beschlossen werden.

Eine Weiterführung des KfW-Programms in gleicher Höhe hatte zuvor Andreas Lücke, Sprecher der Anfang 2018 gegründeten Initiative Brennstoffzelle (IBZ) und Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), im Namen der Branche verlangt. Damit könne eine flächendeckende Marktdurchdringung der Brennstoffzelle erreicht und ein Fadenriss verhindern werden.

Leuchtende Augen

Lücke wie auch Bareiß wiesen darauf hin, dass andere Länder Deutschland bei der Brennstoffzelle voraus sind. So hätten jüngst Mitglieder einer japanischen Delegation ihm gegenüber mit „leuchtenden Augen“ von der Technologie gesprochen, schildert der Staatssekretär. Nach Angaben der Initiative Brennstoffzelle sind in dem fernöstlichen Land bereits mehr als 200.000 Brennstoffzellen für die Hausenergieversorgung installiert.

Bareiß sprach sich auch dafür aus, in Deutschland die eigene Produktion von Brennstoffzellen weiterzuentwickeln. Die Technologie müsse ein „Teil des Energiekonzeptes für die Zukunft werden“ und könne beim Thema Wärme und Gebäude eine wichtige Rolle spielen. 40 Prozent des hiesigen Energiebedarfs gingen in die Gebäude. Um die Klimaziele Deutschlands zu erfüllen, müssten die vom Gebäudebestand verursachten C02-Emissionen von derzeit 120 Millionen Tonnen bis 2030 auf 72 Millionen Tonnen jährlich reduziert werden. „Das ist eine riesige Hausnummer“, betonte er.

Vielklang der Technologien

Bareiß gab zugleich zu erkennen, dass diese Einsparung nicht allein mit regenerativem Strom möglich ist. So betrage der Energiebedarf der Gebäude jährlich – umgerechnet – 800 Terawattstunden, gegenwärtig erzeugten Windkraft und Photovoltaik aber nur 150 Terawattstunden pro Jahr. Hier müsse eine Vielfalt von Technologien zum Tragen kommen und dabei spiele die Brennstoffzelle – auf Basis von Erdgas und Wasserstoff - eine „herausragende“ Rolle. Diese sei enorm effizient und könne im stationären Betrieb in einem Gebäude Strom und Wärme zugleich erzeugen.

Für einen Technologiemix bei der Energiewende setzte sich auf dem Forum auch Christian Stolte von der Deutschen Energieagentur (Dena) ein. Es komme auf einen „Vielklang“ der Technologien an. Bei rein elektrischen Szenarien würden zwar Öl und Gas praktisch nicht mehr eingesetzt, die hohen Investitionen in die Infrastruktur würden aber nicht optimal genutzt. Ein Technologiemix ermögliche auch eine stärker marktgetriebene Entwicklung, was günstiger für die Kosten sei. Der Dena-Experte kann sich dabei nicht nur die Nutzung von Brennstoffzellen, sondern auch von Gaswertbrennkesseln sowie Gaswärmepumpen vorstellen.

Reallabore für Wasserstoff

Als ein Hindernis für die Ausbreitung der Brennstoffzelle stellt sich die fehlende Verfügbarkeit von Wasserstoff dar. Um hier zu funktionierenden großtechnischen Lösungen zu kommen, kündigte Rodoula Tryfonidow aus dem Bundeswirtschaftsministerium an, in den nächsten Wochen ein Förderprogramm zu starten, bei dem sich Firmen für so genannten „Reallabore“ bewerben können. Dabei sollen nach ihren Worten die Themen Power-to-Gas und Wasserstoff eine große Rolle spielen.

Wenn mehr Wasserstoff zur Verfügung stehe, würde die stationäre Brennstoffzelle der Gewinner sein, bekräftigte auch IBZ-Sprecher Lücke. Er hoffe insbesondere darauf, dass in Regionen, wo jetzt noch Öl und Erdgas gefördert wird, künftig ein starker Markt für „grüne“ Brennstoffe in gasförmiger und auch flüssiger Form entstehe.

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Drei für die Brennstoffzelle (v.l.): Andreas Lücke, Sprecher der IBZ und Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Heizungsindustrie, Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Timm Kehler, Sprecher der IBZ und Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas. (Foto: Initiative Brennstoffzelle)