Elektromobilität
19.09.2018

Bus-Hersteller Solaris will mit Wasserstoff wachsen

Foto: Solaris Bus & Coach
Das Wasserstoff-Modell "Urbino 12 hydrogen" soll in der zweiten Jahreshälfte 2019 auf den Markt kommen.

Das polnische Unternehmen Solaris profitiert von der stark gestiegenen Nachfrage nach Elektroantrieben im ÖPNV. Brennstoffzelle und Batterie konkurrieren dabei nicht, sondern ergänzen sich, sagt der Vorstand.

Der Bus- und Straßenbahnhersteller Solaris blickt auf sein bisher bestes Geschäftsjahr zurück: 2017 verkaufte das Unternehmen aus Polen mit knapp 14.000 Bussen mit unterschiedlichen Antrieben mehr als je zuvor. Im Markt für Elektrobusse ist Solaris mit 18 Prozent Anteil in Europa Marktführer. Vorstandsmitglied Zbigniew Palenica sagte am Dienstag während der Messe Innotrans in Berlin, der Markt für Elektromobilität sei in den vergangenen Jahren „extrem schnell“ gewachsen – allein 2017 um knapp 280 Prozent. „Alle Städte und Gemeinden wollen eine saubere Beförderung“, so Palenica.

Anzeige

Anzeige

Solaris setzt künftig neben Diesel, Batterie und Erdgas auch auf Wasserstoff als Antrieb. „Ich sehe keine Konkurrenz zwischen Batterie- und Brennstoffzellen“, sagt Entwicklungsvorstand Dariusz Michalak im Gespräch mit bizz energy. Batteriebusse eigneten sich am besten für Innenstädte, in denen das Gelegenheitsladen – etwa per Pantograf – oder das Laden über Nacht möglich ist. Der Wasserstoff-Antrieb hingegen sei besser für längere Strecken in der Peripherie ohne vorhandene Ladeinfrastruktur geeignet. Laut Michalak ist die Brennstoffzelle vielversprechend, aber technisch „noch nicht perfekt“.

Wartung per Ferndiagnose

Solaris wurde erst kürzlich von der spanischen CAF-Gruppe übernommen. Josu Umaz, Konzernbeauftragter für Handel und Technologie, sagte, der polnische Bushersteller sei „die perfekte Ergänzung“ für seine Gruppe, die auf Planung, Produktion und Wartung von Schienenfahrzeugen sowie urbane Mobilitätslösungen spezialisiert ist. Solaris will in Zukunft noch mehr Wartung und Service von E-Bussen anbieten und hat dafür ein Programm zur Ferndiagnose konzipiert.

Einer Prognose zufolge ist Europa einer der sich am schnellsten entwickelnden Brennstoffzellenmärkte. Die EU setzt die Förderung für den Einsatz von Brennstoffzellen-Fahrzeugen mit dem Programm „Jive 2“ fort. Mit dem Vorgänger „Jive“ zusammen sollen so rund 300 Brennstoffzellen-Busse in 22 Städten auf die Straßen gebracht werden. Laut Michalak wird der Preis pro Solaris-Wasserstoffbus bei 650.000 Euro liegen, kann sich mit der Jive-Förderung aber reduzieren. Zum Vergleich: Ein Diesel-Bus kostet im Durchschnitt 250.000 Euro, ein Modell mit Batterieantrieb etwa doppelt so viel.  

Erste Wasserstoff-Modelle gehen nach Riga

Die ersten zehn Wasserstoff-Varianten des populären Modells „Urbino 12“ will Solaris in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres an die lettische Hauptstadt Riga ausliefern. Riga setzt auf Brennstoffzellen-Busse, die das vorhandene Oberleitungssystem nutzen und Lücken überbrücken können. Die Stadt hat auch bereits eine Wasserstoff-Tankstelle errichtet. Aus Deutschland gibt es bisher noch keine Bestellungen für den Hydrogen-Urbino.

Michalak sagte, Batteriebusse blieben zwar das Hauptgeschäft von Solaris. Dennoch hält er eine Steigerung von Wasserstoff-Antrieben auf einen Anteil von 10 bis 15 Prozent bis 2030 für möglich. Neuland ist der Brennstoffzellen-Antrieb für den Hersteller nicht: Zwei Wasserstoff-Modelle von Solaris fahren seit 2014 bereits in Hamburg. Die Hamburger Hochbahn setzt die Batteriefahrzeuge mit Brennstoffzelle als „Range-Extender“ auf ihrer Teststrecke für Hybrid-Busse ein, der Linie 109. Das Verkehrsunternehmen gab bei seiner aktuellen Großbestellung jedoch Batteriebussen den Vorrang.

Brennstoffzelle von Ballard Power

Bei dem neuen „Urbino Hydrogen“ von Solaris wird die Antriebsenergie aus Wasserstoff erzeugt, der in der Brennstoffzelle in Strom umgewandelt wird. Die Batterie hat dabei nur noch eine Hilfsfunktion. Das Fahrzeug kommt nach Angaben von Solaris auf eine Reichweite von 350 Kilometern und lässt sich in rund zehn Minuten auftanken. Dies reiche für die tägliche Durchschnittsfahrzeit eines Stadtbusses aus. Die Brennstoffzelle mit 60 Kilowatt (kW) Leistung liefert der kanadische Hersteller Ballard Power. Der Wasserstoff wird in Flaschen aus Verbundstoff auf dem Dach gespeichert. Das Gewicht der Tanks soll dadurch um etwa 20 Prozent geringer ausfallen als beim Vorgängermodell.

Eine kleine Hilfsbatterie mit 29,2 Kilowattstunden (kWh) Leistung unterstützt die Brennstoffzelle, wenn besonders viel Energie benötigt wird. Sie wird entweder mit Wasserstoffstrom oder über einen Plug-In-Anschluss geladen. Um den Energiebedarf des Busses zu reduzieren, kommt eine CO2-Wärmepumpe zum Einsatz, die die Abwärme aus der Brennstoffzelle zum Heizen nutzt. Dadurch erhöht sich die Reichweite laut Solaris „erheblich“.

Lesen Sie auch: Förderprogramme für Elektromobilität

Jutta Maier
Keywords:
Elektrobusse | Elektromobilität | Wasserstoffbusse | Solaris
Ressorts:
Technology | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen