Neue Mobilität
08.10.2018

Cargo-Fahrzeug Loadster bekommt Konkurrenz von VW

Foto: Jutta Maier
Ein Exit kommt nicht in Frage: Citkar-Chef Jonas Kremer

Immer mehr Start-ups und neuerdings auch Autokonzerne wie Volkswagen drängen in den Markt für kleine E-Cargo-Transporter. Beim Berliner Jungunternehmen Citkar denkt man bereits über neue Antriebsformen nach.

Lastenräder und andere Kleintransporter mit Batterien werden für Logistikfirmen immer interessanter für die Zustellung auf der „letzten Meile“. Denn gerade die Fahrten von den Verteilzentren an die Haustür der Kunden belasten die Straßen. Der Vorteil: Die lautlosen Vehikel brauchen keinen Parkplatz, und die Zustellung ist auch abends und bei Dieselfahrverboten möglich.

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Auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover präsentierten eine Reihe von Start-ups Lastenfahrzeuge mit E-Antrieb. Einer der Pioniere ist das Berliner Start-up Citkar mit seinem E-Cargo-Bike „Loadster“. Aber selbst der Volkswagen-Konzern hat inzwischen ein Lastenrad für die letzte Meile gebaut, das 2019 in Kleinserie auf den Markt kommen soll.

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VW Lastenrad
Volkswagen will sein erstes Lastenrad vom kommenden Jahr an in Kleinserie produzieren.

Übernahme-Angebote von großen Unternehmen habe es bereits gegeben, sagt CEO und Gründer Jonas Kremer im Gespräch mit bizz energy. Er werde Citkar jedoch „um nichts in der Welt“ veräußern. Er und sein Team sehen sich aufgrund ihres Know-how gegenüber Autokonzernen im Vorteil. Ein Beispiel seien die stabilen Kunststoff-Vollfelgen, mit denen sich der Loadster von anderen Cargo-Bikes unterscheide, sagt Marketingchef Sven Kindervater. „Wir wollen einen Schritt weiter sein als große Unternehmen.“

Schmal genug für Radwege

Das Start-up hat mit dem Loadster ein Zwischending aus Pedelec und Lieferwagen konstruiert, das vom ersten Quartal 2019 an in Serienfertigung gehen soll. Das 25 Stundenkilometer schnelle Batterie-Gefährt ist mit 90 Zentimetern schmal genug für Fahrradwege, ein Führerschein ist nicht nötig. Eines Tages könnte es sogar mit Brennstoffzellen-Antrieb unterwegs sein.

Doch der Reihe nach: Der Loadster hat vier Räder statt drei oder zwei, wodurch er besonders sicher sein soll, sagt Andreas Schäfer, der für die Technik zuständig ist. Außerdem ist er künftig auch mit Türen erhältlich, die vor Wind und Wetter schützen. „Die Fahrdynamik orientiert sich eher am Auto“, sagt Schäfer. Die Transportbox hat ein Ladevolumen von bis zu 500 Litern und lässt sich mit maximal 100 Kilo beladen. Die Ladung kann gekühlt oder warmgehalten werden, das Start-up sieht insbesondere Essenslieferdienste als potenzielle Kunden. Ein Elektromotor und Lithium-Ionen-Batterien unterstützen beim Fahren und sorgen für eine Reichweite von rund 200 Kilometern.

Zalando testet den Loadster in Berlin

Eine integrierte Telematik-Computer warnt frühzeitig vor möglichen Schäden, außerdem lässt sich darüber Flottenmanagement betreiben. Man kann den Loadster damit aber auch als Sharing-Fahrzeug anbieten.

Der Online-Händler Zalando testet den Loadster seit diesem Herbst für die Zustellung von Paketen in Berlin. Er kommt für Bestellungen zum Einsatz, die tagsüber aufgegeben und noch am gleichen Abend ausgeliefert werden. Zalando zufolge geht der Trend klar zu solchen „Same-Day-Lieferungen“, die die Logistik vor neue Herausforderungen stellen. Außerdem haben die großen Logistik-Firmen DHL, DPD, Hermes, GLS, TNT und UPS im Juni in der Hauptstadt ein gemeinsames Zustell-Projekt namens KoMoDo gestartet. Dabei werden die Waren mit Lkw an ein Depot geliefert und von dort aus mit Cargo-Bikes in den umliegenden Wohngebieten verteilt. Laut Kindervater haben bereits zwei weitere, große Unternehmen Interesse am Loadster angemeldet. 

Stark wachsendes Segment

Der Markt für E-Cargo-Bikes ist hierzulande im vergangenen Jahr um drei Prozent auf rund 22.000 Stück gewachsen, schätzt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Lastenräder werden nach Angaben eines Verbandssprechers künftig das am stärksten wachsende Segment innerhalb von E-Bikes sein werden – prozentual gesehen. Das Wachstum werde sich beschleunigen, weil die Dienstleister damit versuchen, den innerstädtischen Lieferverkehr abzuwickeln und weg von den Lkw zu gehen.

Das Lastenrad von Volkswagen hat wie der Loadster einen Pedelec-Antrieb von Continental. Der Autozulieferer hat Anfang des Jahres ein neues System für E-Bikes mit bis zu 48 Volt eingeführt, das auch Akkus, Displays und Bedieneinheiten beinhaltet. Der Cargo-Behälter des VW-Lastenrads, die künftig zum Beispiel auch durch Kindersitze ersetzt werden können soll, fasst einen Kubikmeter, 210 Kilo können zugeladen werden. Der Akku hat eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Den Start einer Kleinserie plant VW fürs kommende Frühjahr, das Gefährt soll weniger als 5.000 Euro kosten. Zum Vergleich: Citkar bietet sein Lastenfahrzeug ab rund 6.000 Euro an.

Großes Interesse an Brennstoffzellen-Antrieb

Das Citkar-Team sieht sich noch ganz am Anfang möglicher Entwicklungen. „Wir werden häufig auf Brennstoffzellen-Antriebe angesprochen“, sagt Sven Kindervater. Ein Wasserstoff-Antrieb ließe sich aus seiner Sicht integrieren, ohne das Fahrzeug viel teurer zu machen. Die Brennstoffzelle könnte auch die transportierten Waren kühlen. Momentan werden die Lieferzeiten noch dadurch eingeschränkt, dass der Motor die Kühlung der Ladung übernimmt und diese bei Lebensmitteln nicht unterbrochen werden darf. Mit einer Brennstoffzelle, so sagt Kindervater, wäre der Loadster zudem auch für private Käufer interessant.

Momentan sind die verfügbaren Brennstoffzellen allerdings noch zu schwer. Auch die Zahl der Wasserstoff-Tankstellen müsste erheblich steigen, momentan existieren in Berlin nur zwölf.

Momentan tüfteln die Gründer daran, wie sie ihr Gefährt kompatibel mit Euro-Paletten machen können. „An einer Anhänger-Lösung arbeiten wir momentan am intensivsten“, sagt Kindervater.

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Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Lastenräder | Volkswagen | Loadster
Ressorts:
Technology | Markets

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