Elektromobilität
10.07.2018

CATL: Batteriewerk in Thüringen ist nur der Anfang

Foto: Redaktion / Teaser-Foto: CATL-Produktion in China, CATL
Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (links) stellt mit mit CATL-Chef Robin Zeng (Mitte) die Pläne für das Batteriezellwerk in Thüringen vor.

Der chinesische Konzern CATL sieht in seiner Millionen-Investition in Thüringen einen ersten Schritt. Künftig will er nicht nur Europas Autobauer, sondern auch Speicherhersteller mit Zellen aus Erfurt beliefern.

„Willkommen in Deutschland“, sagt der thüringische Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und strahlt CATL-Chef Robin Zeng an. Der Geschäftsführer des chinesischen Batterieherstellers, der sich in voller Länge „Contemporary Amperex Technology“ nennt, grinst ebenfalls über beide Ohren. „Das ist eine Megainvestition, deren Bedeutung man gar nicht überschätzen kann“, sagt Tiefensee staatstragend über die Entscheidung der Chinesen, im Industriepark „Erfurter Kreuz“ in ein Batteriezellwerk zu investieren.

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Es ist das erste, das CATL außerhalb von China baut, ein Jahr lang haben Tiefensee und Zeng darüber verhandelt. Mit den Zellen sollen Autohersteller wie BMW, mit dem das Unternehmen bereits einen Vertrag über vier Milliarden Euro unterschrieben hat, Daimler und Volkswagen für ihre Elektroautoproduktion beliefert werden. (Lesen Sie auch: China greift sich den Akku-Markt)

Auch Produktion für Energiespeicher geplant

Zuvor hatten die beiden im Beisein des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen einen Vertrag unterzeichnet. 240 Millionen Euro investiert CATL dafür in das Werk, das bis 2022 eine Produktionskapazität von 14 Gigawattstunden (GWh) erreichen und 600 Arbeitsplätze schaffen soll. Mit einem jährlichen Lieferumfang von 12GWh im vergangenen Jahr ist CATL derzeit die Nummer eins der weltweiten Autobatteriebranche.

Zeng kündigte an, perspektivisch alle Autohersteller in Europa beliefern zu wollen. „Die Investition in Thüringen ist nur unser erster Schritt in Europa“, sagte er. Auch die Fertigung von Batterien für Energiespeicher sei geplant. Zudem will er Kapazitäten zum Recycling benutzter Batterien aufbauen. Zeng betonte, das Werk werde unter höchsten Sicherheits- und Effizienzstandards arbeiten. Bis zum Jahr 2025 soll die Produktion komplett emissionsfrei sein. Deutschland sei stark in der Automatisierung der Produktion, während CATL, über Patente und Wissen bei der Batteriechemie verfüge. „Diese Vorteile wollen wir kombinieren“, sagte Zeng.

21 Hektar für Zulieferer

Auf einem 70 Hektar großen Areal im Industriegebiet „Erfurter Kreuz“ will CATL in zwei Schritten eine Modulfertigung sowie Vertrieb und Logistik aufbauen. Weitere 21 Hektar stellt Thüringen für Zulieferer zur Verfügung, die sich dort möglicherweise ansiedeln wollen. Die „Smart Factory“ werde intelligent und hochautomatisiert arbeiten und solle über Europa hinaus Maßstäbe setzen, sagte Tiefensee. Außerdem soll in Erfurt an neuen Batterietechnologien geforscht werden. Tiefensee sagte, mit dem Investment trete man dem Vorurteil in Deutschland entgegen, dass die Chinesen lediglich Know-how nach China transferierten. In diesem Fall sei es genau umgekehrt: 100 Millionen Euro habe CATL allein im ersten Halbjahr 2018 in Forschung und Entwicklung gesteckt.

BMW hatte am Montag angekündigt, Batteriezellen im Wert von vier Milliarden Euro von CATL beziehen zu wollen. 1,5 Milliarden Euro des Auftragsvolumens entfallen auf Deutschland, 2,5 Milliarden Euro auf China, wo BMW bereits Kunde des Batteriefabrikanten ist. Zudem wird sich der Münchner Autobauer an den Kosten für das Werk beteiligen. Zu der Höhe der Investition hüllen sich beiden Seiten in Schweigen. Die Zellen aus Erfurt sollen ab 2021 in BMWs autonomem E-Modell „iNext“ eingebaut werden. Die Münchner hoffen, dass weitere Autobauer ihrem Beispiel folgen.

EEG-Umlage wird zunächst fällig

Der Standort des geplanten CATL-Werks ist so zentral gelegen, dass es im Umkreis von 800 Kilometern 80 Prozent aller europäischen Autohersteller beliefern kann. Landesentwicklungschef Wulff betonte auch die Nähe zu Universitäten und Hochschulen. Das Land Thüringen fördert die Ansiedlung der Fabrik mit 7,5 Millionen Euro. Das Werk werde in der ersten Phase die EEG-Umlage zahlen müssen, sagte Wulff. Später sei jedoch als energieintensives Unternehmen eine Befreiung denkbar.

Wolfgang Bernhart, Senior Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger, hält eine Batteriezellproduktion in Deutschland grundsätzlich für sinnvoll: „Die Kostenunterschiede zwischen einem Standort in Deutschland und einem in Polen oder Ungarn sind überschaubar“, sagt er im Gespräch mit bizz energy. Der Kostenfaktor Personal halte sich bei einer hochautomatisierten Fertigung in Grenzen. Der zweite Faktor seien die Energiekosten, wo sich die zu zahlende EEG-Umlage durchaus bemerkbar mache. Dem gegenüber stehe aber ein deutlich geringerer Logistik- und Transportaufwand für die Autohersteller, da sich der gewählte Standort der CATL-Fabrik strategisch günstig in der Nähe vieler potenzieller Kunden befinde.

Roland Berger sieht keine Überkapazitäten

Eine Größenordnung von 14 GWh Produktionskapazität für die neue Fabrik ist aus Sicht von Bernhart „absolut ausreichend“. Lohnend sei der Bau einer Produktionsanlage für Unternehmen, die bereits auf dem Markt sind, ab einer Kapazität von drei bis fünf Gigawattstunden jährlich. Damit ließen sich – je nach Größe des verbauten Batteriepacks – 50.000 bis 80.000 Elektrofahrzeuge ausstatten.

Auch die Gefahr einer Batterie-Überproduktion, vor der Analysten immer wieder warnen, sieht Bernhart zumindest in Europa nicht gegeben. „Wenn, dann besteht die Gefahr einer Überkapazität höchstens in China“, sagt er. Bis 2020 werde voraussichtlich eine weltweite Produktionskapazität von 400 Gigawatt aufgebaut. Dem stehe ein Bedarf von 300 Gigawatt seitens der Autobranche gegenüber, hinzu komme die Nachfrage von stationären Energiespeicher- sowie Nutzfahrzeugherstellern. Über letztere herrsche aber noch „große Unsicherheit“.

Northvolt hat ambitionierte Pläne in Schweden

CATL wird nicht das ersten Unternehmen sein, dass in Europa eine Batteriezellenfabrik baut: Der koreanische Konzern LG Chem errichtet im polnischen Breslau für 1,4 Milliarden Dollar eine Produktionsstätte, die noch in diesem Jahr eröffnet werden soll. Langfristig könnten dort Batteriezellen mit einer Kapazität von etwa 15 Gigawattstunden (GWh) vom Band laufen.

Der südkoreanische Batteriefabrikant SK Innovation plant ein Werk in Ungarn mit einer Kapazität von 7,5 Gigawattstunden. Wettbewerber Samsung ist schon einen Schritt weiter: Das Unternehmen wird noch in diesem Jahr nördlich von Budapest eine kleinere Batteriezellenfabrik mit zunächst 2,5 GWh in Betrieb nehmen.

Um deutsches Konsortium ist es ruhig geworden

Die ambitioniertesten Pläne hegt der schwedische Tech-Konzern Northvolt: In Kooperation mit Vattenfall, Siemens und ABB soll in Schweden eine „Gigafactory“ nach dem Vorbild von US-Autobauer Tesla hochgezogen werden. Der Spatenstich war bereits im vergangenen Jahr, die Produktion soll noch 2018 starten.

Aber auch Tesla selbst hegt Europa-Pläne: Unternehmenschef Elon Musk hatte im Juni überraschend angekündigt, Deutschland sei sein favorisierter Standort für eine europäische Gigafabrik. Das deutsche Batteriezellen-Konsortium TerraE hingegen kommt bisher nicht vom Fleck: Den beteiligten Unternehmen ist das Investitionsrisiko offenbar zu hoch

Die Thüringer sind jedoch zuversichtlich, dass bei CATL alles glatt gehen wird: Sicherlich werde es dem Vorhaben helfen, dass der CATL-Hauptsitz im chinesischen Ningde genau 8.888 Kilometer vom künftigen Produktionsstandort Erfurt entfernt liegt, sagte Arnulf Wulff von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen. Die Zahl 8 ist in China ein Symbol für Glück und Erfolg.

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Jutta Maier
Keywords:
Batteriefabrik | Batteriezellen | Elektromobilität | Thüringen | CATL | Erfurt | BMW
Ressorts:
Finance | Governance | Technology | Markets

Kommentare

Ich kann die Zurückhaltung von TerraE verstehen. Das Ende der auf Lithium basierenden Akkus geht (in 10-15 Jahren) zu Ende. Ab nächstes Jahr werden gedruckte Akkus auf Nanotechnologie auf den Markt kommen (Entwicklung in D): ungiftig, unbrennbar, doppelte Kapazität/kg, 250.000 Ladezyklen ... Außerdem kommen aus Kanada auf Salzwasser basierende Batterien. Ich denke die Zukunft aber wir "just in time" hergestelltes Gas sein, gekoppelt mit einem Verbrennungssystem, das OHNE schädliche Emissionen auskommt (Entwicklung in D). Oder Motoren, die mit einem hohen Wasseranteil im Kraftstoff umweltschonend fahren (entwickelt vor 100 Jahren (in D)). Nur ist das vom Staat gewollt? Oder wird das verhindert? Ölindustrie, Umsatzsteuer, Kraftstoffsteuer - das sind zig Milliarden, die der Industrie und dem Staat dann fehlen.

Zitat Roland Berger: "Der zweite Faktor seien die Energiekosten, wo sich die zu zahlende EEG-Umlage durchaus bemerkbar mache". Bei fast 7 Cent pro kWh undenkbar für die Batteriezellenfertigung. Deshalb wurde CATL laut Bodo Ramelow von die EEG-Umlage befreit. Eine "diskrete Geste" was uns Stromverbraucher bei geschätzte 100 MW CATL Dauerlast etwa € 60 Mio pro Jahr kosten wird. Außerdem nicht erwähnt; CO2-Fussabdruck der Batteriezellen. Weil wir in Deutschland ganze 520 g CO2 pro kWh Stromverbrauch verursachen, wird das Werk bei 100 MW über 400.000 t CO2 pro Jahr ausstossen. Warum stellt bizz-energy solche Fragen nicht?

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