Speicherhersteller
09.07.2018

China greift sich den Akku-Markt

Foto: CATL
Fast vollständig automatisch läuft die Produktion von Batteriemodulen bei CATL.

Die Volksrepublik will die Herstellung von Speichern für Elektroautos dominieren und züchtet Weltklasse-Anbieter wie CATL heran. Auch in Thüringen plant der Batteriekonzern eine Zellfabrik.

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Hoch aus der Luft sehen die Fabrikgebäude aus wie elektronische Komponenten: streng rechteckig, mit grauen Fassaden und funkelnd blauen Solardächern. Daneben erheben sich wie Skelette die Umrisse neuer Werkshallen. Am Rande des Bezirks Jiaocheng der ostchinesischen Großstadt Ningde entsteht so die weltweit größte Fertigung von Batterien für Elektroautos. Den Firmennamen des neuen globalen Champions kennt jedoch bisher kaum jemand: „CATL“ steht in blauen Lettern an der Mauer neben dem Tor. Das gerade einmal sieben Jahre alte Unternehmen will demnächst an der Börse zwei Milliarden Euro einsammeln, um die Erweiterung der Fabrik zu finanzieren.

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So wie CATL expandieren derzeit in ganz China die Hersteller von Elektroauto-Batterien – und zwar im Rekordtempo. Sie folgen damit den Anreizen der chinesischen Wirtschaftsplaner: China will Großmacht der Elektromobilität werden und sichert sich jetzt schon die globale Marktführerschaft für eine entscheidende Komponente. Denn während in herkömmlichen Autos der Verbrennungsmotor den höchsten Anteil an der Wertschöpfung hat, ist es im Elektroauto die teure Batterie. Sie macht rund 40 Prozent des Preises aus. Wer die Akkus hat, beherrscht das Herzstück der Autoindustrie der Zukunft.

Industrieller Rüstungswettlauf

Derzeit ist der Markt zwar noch einigermaßen gleichmäßig zwischen Herstellern aus Japan, Südkorea und China aufgeteilt. Doch die chinesische Regierung hat konkrete Pläne, um die Japaner und Koreaner zurückzudrängen. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass sich China im Zentrum eines industriellen Rüstungswettlaufs um Batterien befindet“, sagt Simon Moores, Chef der Forschungsfirma Benchmark Mineral Intelligence mit Sitz in London. Und: „China gewinnt.“

Deutschland steht abgeschlagen da. Die Stärke der deutschen Industrie war der Verbrennungsmotor – ein heikles Gebilde aus mehreren Tausend beweglichen Teilen, an dessen Herstellung in Deutschland laut Ifo-Institut 600.000 Arbeitsplätze hängen. Die E-Auto-Batterien werden dagegen fast alle aus Fernost kommen. Selbst wenn Hersteller in Deutschland Batteriefabriken errichten, beziehen sie die Zellen oft von asiatischen Anbietern. China wird bis 2020 mindestens zwei Drittel des Weltmarktes mit Auto-Akkus beliefern, schätzt Benchmark. Andere Analysten gehen sogar von einem noch höheren Marktanteil aus.

Zellfabrik in Thüringen?

Zwar will CATL nun eine Zellfabrik in Thüringen bauen, aus der beispielsweise BMW beliefert werden soll. Das ändert allerdings nichts an einen Trend, den man aus der Wirtschaftsgeschichte schon kennt: Auch die Produktion von Kameras, Handys, Bildschirmen und Solarzellen ist nach einer hoffnungsvollen Anfangsphase im Westen nach Asien abgewandert. Wertvolle Teile wie Sensoren und Displays in den wenigen deutschen Markenwaren kommen meist aus Fernost.

China wendet nun bewährte Methoden der Industriepolitik an, um zum Zentrum der Mobilität der Zukunft zu werden. „Wenn eine Technologie als wichtig identifiziert ist, dann fördert die Regierung sie konsequent“, sagt Ulf Henning Richter, Professor für Industriestrategie an der renommierten Tongji-Universität in Schanghai. Wichtige Instrumente seien Subventionen und Forschungsförderung. Diese komme insbesondere von den Provinzen, unter denen ein regelrechter Wettbewerb um die Ansiedlung des größten und erfolgreichsten Anbieters ausbreche.

Der größte Vorteil Chinas aber ist der eigene, riesige Markt. Die Regierung lässt Nachfrage schaffen, bevorzugt dabei aber systematisch einheimische Produkte. „Es ist davon auszugehen, dass vor Ort produzierte Elektroautos auch lokal produzierte Batterien verwenden müssen“, sagte Jochem Heizmann, China-Vorstand bei Volkswagen, im Januar.

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Speicher | Mobilität | China
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