Elektromobilität
23.07.2018

China investiert in Hyperloop-Technik

Illustration: Hyperloop TT
Bei der Hyperloop-Technologie wird eine Magnetschwebebahn in einer Röhre mit Unterdruck befördert.

China will mit dem US-Start-up Hyperloop TT eine Teststrecke bauen. Das Hyperloop-Transportsystem ist als Teil des Großprojektes „Neue Seidenstraße“ gedacht.

Es ist Chinas erste Investition in Elon Musks Idee von 2013, Güter und Menschen mit rund 1.200 Stundenkilometern durch Röhren mit Unterdruck schießen zu lassen: Die südchinesische Stadt Tongren hat einen Vertrag mit dem kalifornische Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies (Hyperloop TT) unterschrieben. Gebaut werden soll eine zehn Kilometer lange Teststrecke in der Provinz Guizhou.

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„Wir stellen uns vor, dass Hyperloop eine größere Rolle im Zusammenhang mit der Seidenstraße spielen und die Region mit dem Rest der Welt verbinden wird“, sagt Hyperloop TT-Geschäftsführer Dirk Ahlborn. Hyperloop TT mit Hauptsitz in Los Angeles, Kalifornien, wurde 2013 als Crowdfunding-Projekt gegründet. Das von dem Deutsch-Amerikaner Ahlborn geleitete Unternehmen hat mehr als 800 Mitarbeiter und unterhält Büros rund um den Globus. Derzeit baut das Unternehmen eine 320 Meter lange Hyperloop-Teststrecke im französischen Toulouse. Auch mit einem Immobilienentwickler in Abu Dhabi habe man einen Vertrag über den Bau einer ersten Strecke von zehn Kilometern geschlossen. Ähnliche Pläne gibt es zudem für die Ukraine.

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Transport in Chinas Sinne

„Die Unterzeichnung des Hyperloop-Vertrages ist ein wichtiger Schritt zur Erschließung der Binnenentwicklung und ein wichtiges Projekt zur Erweiterung und Stärkung der lokalen Wirtschaft“, sagt Chen Shaorong, Bürgermeister von Tongren. Hyperloop TT soll die Technologie, Know-how und Ausrüstung bereitstellen. Die Stadt Tongren wird für die Zertifizierung, den gesetzlichen Rahmen und den Aufbau des Systems verantwortlich sein. Die Finanzierung erfolgt über eine öffentlich-private Partnerschaft, wobei 50 Prozent der Mittel direkt aus Tongren stammen.

China investiert jährlich mehr als 300 Milliarden US-Dollar in seine Infrastruktur, um die schnell wachsenden Stadtbevölkerungen zu versorgen und seine Regionen zu verbinden. Dies gilt auch für die Provinz Guizhou im Südwesten Chinas mit etwa 35 Millionen Einwohnern. Sie ist Teil der chinesischen Seidenstraßen-Initiative, die Asien und Europa verbinden soll. Mit der One-Belt-one-Road-Initiative will die Volksrepublik die 500 Jahre alter Handelsroute wiederbeleben und Handel und Transport des 21. Jahrhunderts im chinesischen Sinne organisieren. Dazu bindet Peking zahlreiche Länder ein und baut Häfen, Eisenbahnlinien, Straßen und anderen Infrastrukturprojekte.

Münchner gewinnen Musk-Wettbewerb

Die Volksrepublik mit ihren 1,4 Milliarden Menschen sucht zudem nach neuen Technologien, um das Verkehrsnetz zu verbessern und die Umweltverschmutzung zu reduzieren. Dazu investiert China auch eine Milliarden US-Dollar in das amerikanische Hyperloop-Startup Arrivo. Dieses soll jedoch keine Züge bauen, sondern den städtischen Verkehr entlasten, indem Autos auf Magnetschwebeschlitten in vakuumversiegelte Röhren gesetzt werden.

Neben Hyperloop TT und Arrivo versuchen sich auch andere Unternehmen an der Technologie. So wollen die niederländischen Gründer von Hardt Hyperloop superschnellen Röhrenzügen in Europa den Weg ebnen. Auch Elon Musk will selbst ins Hyperloop-Geschäft einsteigen. Im vergangenen Jahr kündigte er an, mit seiner neuen Tunnelbohrfirma „The Boring Company“ eine unterirdische Strecke zwischen Washington und New York City zu bauen.

Ursprünglich wollte Musk das Konzept nicht selbst umsetzen. Stattdessen veranstaltet er zusammen mit seinem Unternehmen SpaceX Wettbewerbe zur Weiterentwicklung der Transporttechnologie. Den jüngsten gewann erneut das "WARR-Hyperloop-Team" der Technischen Universität München. Sie schossen eine Transportkapsel mit einer Höchstgeschwindigkeit von 467 Stundenkilometern durch eine rund anderthalb Kilometer lange Röhre.

Lesen Sie auch: Hyperloop-Start-up aus Holland plant erste Teststrecke

Carsten Kloth
Keywords:
Mobilität
Ressorts:
Technology

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