Elektroautos
29.11.2018

Ist China wirklich das Vorbild für die Mobilität von morgen?

Foto: Deutsche Energie-Agentur (dena) / Pedro Becerra.
Grünen-Politiker Cem Özdemir fordert bei einer Podiumsdiskussion auf dem Dena-Kongress 2018 mehr Tempo bei der Verkehrswende.

Entscheidet der Bürgermeister von Peking, wie sich die Mobilität entwickelt? Oder doch der von Tokio? Eine Diskussionsrunde sucht die Zukunft der deutschen Automobilindustrie.

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Die Volksrepublik diktiert inzwischen den Weg in die Mobilität der Zukunft, meinen manche Experten. „Was spielt es denn eigentlich noch für eine Rolle, was wir hier in Deutschland wollen?“, fragt beispielsweise Nicola Brüning, Leiterin der Hauptstadtrepräsentanz des Automobilherstellers BMW. Auf dem Energiewende-Kongress 2018 der Deutschen Energie-Agentur (dena) am 26. November wurden die Ursachen für das bisherige Scheitern der Verkehrswende diskutiert. „Wenn der Bürgermeister von Peking irgendetwas entscheidet, dann ist das letztlich viel relevanter“, zitiert Brüning aus einem Gespräch mit einem chinesischen Berater.

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Dies sieht auch Grünen-Politiker Cem Özdemir so, der zudem darauf hinweist, dass Verkehrskonzepte nicht nur Autofahrer, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt berücksichtigen müssen. „Das Auto wird nach wie vor eine wichtige Rolle spielen“, sagt er. Aber die Automobilindustrie hierzulande dürfe nicht versuchen sich zu verbarrikadieren und einen Schutzzaun zu errichten. Dies sei in der globalisierten Welt nicht möglich.

Elektroautos voll im Trend

Es stimmt ja, dass der Bürgermeister von Peking für uns entscheidet“, sagt der Bundestagsabgeordnete. Dies müsse man aber auch in Berlin verstehen und nicht noch mehr Zeit verplempern. „Wir haben eine dramatische Konkurrenzsituation mit einer staatsfinanzierten Industrie in China und mit den USA, wo es Investoren gibt, für die Geld keine Rolle spielt“, sagt Özdemir. Gleichzeitig habe man beispielsweise vier Jahre mit einer absurden Maut im wichtigsten Infrastrukturministerium der Bundesrepublik Deutschland verschwendet, anstatt sich um die Zukunftsaufgaben zu kümmern, sagt er und verweist damit auf das Bundesverkehrsministerium und dessen ehemaligen Chef Alexander Dobrindt (CSU).

Dabei sind elektrische Fahrzeuge eigentlich voll im Trend: Die Neuzulassungen in China, den USA und auf den fünf wichtigsten europäischen Märkten summierte sich in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf mehr als 1,7 Millionen. Das entspricht einer Wachstumsrate von 48,2 Prozent. Dem Beratungsunternehmen Wirtschaftsberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) zufolge hinkt Deutschland aber hinterher: Mit 55 Prozent halbierte sich der Zuwachs im bisherigen Jahresverlauf fast und fiel zudem spürbar niedriger aus als in den USA oder China. Es gelingt den Herstellern hierzulande noch nicht, die hohe Nachfrage nach Elektrofahrzeugen schnell genug zu bedienen, schreiben die PwC-Analysten. Davon könnten Hersteller aus China profitieren.

Vorbild Japan statt China

„Der Bürgermeister von Peking macht mir überhaupt keine Vorgaben“, sagt dagegen Enak Ferlemann, Staatsekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Sein Ministerium hat die Federführung bei der im September ins Leben gerufenen „Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität“ (NPM), mit der die Bundesregierung Elektromobilität und Klimaschutz im Verkehrssektor voranbringen will.

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Keywords:
Elektromobiltität | China | Neue Mobilität
Ressorts:
Governance

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