Elektromobilität
26.04.2018

Chinas Kobalt-Hunger im Kongo: Gefahr für deutsche Autoindustrie

Foto: Creative Commons/James St. John
Die Kobalt-Vorkommen der Erde liegen nach Schätzungen zu 50 Prozent in der Demokratischen Republik Kongo.

China sichert sich kongolesische Kobalt-Vorkommen für seine Batteriebranche. Der Afrikaverein der deutschen Wirtschaft warnt vor einer Marktkonzentration zulasten deutscher Unternehmen.

Mehr als zehn Kilo Kobalt stecken in dem Lithium-Ionen-Akku eines Elektroautos. Den globalen Bedarf an diesem Metall decken derzeit zu zwei Dritteln Minen in der Demokratischen Republik Kongo. Dort hat sich kürzlich der chinesische Zulieferer GEM bei dem Bergbaukonzern Glencore für drei Jahre Zugriff auf große Kobaltvorkommen gesichert. Der Volkswagen-Konzern, der seinen E-Auto-Absatz drastisch steigern will, soll mit einem ähnlichen Ansinnen abgeblitzt sein.

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Angesichts des chinesischen Vorstoßes und des zunehmenden Wettbewerbs um Rohstoffe für die Elektromobilität warnt nun der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft vor einer marktbeherrschenden Stellung weniger Abnehmer. „Diese Rohstoffe sollten nicht exklusiv gehandelt werden, sondern auf offenen Märkten“, sagt Afrika-Verein-Hauptgeschäftsführer Christoph Kannengießer im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. „Die Bundesregierung sollte der Bildung von Nachfrage-Oligopolen entgegenwirken.“ Ziel müssten gleiche Chancen für alle Marktteilnehmer sein. Das Thema gehöre deshalb in Verhandlungen mit China auf die Tagesordnung, so Kannengießer.

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„Abhängigkeit vermeiden“

 

Es liege zugleich im Interesse der Produzentenländer, eine Abhängigkeit von wenigen großen Käufern zu vermeiden. Deutschland solle dort  die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards beim Abbau fördern und dies als Wettbewerbsvorteil nutzen, sagt Kannengießer. Denn grundsätzlich sei eine ökologisch und sozial verträgliche Rohstoffgewinnung für die Produzentenländer wie auch für Verarbeiter und Endkunden attraktiv.

 

Allerdings: Ausgerechnet in der ressourcenreichen Demokratischen Republik Kongo sei eine solche Verhandlungslinie schwierig, schränkt der Hauptgeschäftsführer des seit 1934 bestehenden Außenwirtschaftsverbands ein.

 

Kobalt-Abbau stieg 2017 um 15 Prozent

 

Die Kobalt-Förderung im Kongo stieg im vergangen Jahr um mehr als 15 Prozent auf 73.940 Tonnen. Aber das zweitgrößte Land Afrikas ist politisch instabil, die Korruption grassiert, und seit Jahrzehnten toben blutige Kämpfe. Der Rohstoffabbau wird in Teilen von bewaffneten Gruppen kontrolliert. Ihnen dient der Verkauf begehrter Mineralien für Hightech-Produkte zur Finanzierung des Krieges. Die Arbeitsbedingungen in kongolesischen Erzminen sind vielerorts desolat, und die Bodenschätze gelten als ein Grund dafür, dass das Land nicht zur Ruhe kommt.

 

Neben der schweizerischen Glencore-Gruppe ist einer der wichtigsten Betreiber von Kobaltminen im Kongo das chinesische Unternehmen China Molybdenum. China sichert sich weltweit strategisch Zugriff auf Rohstoffressourcen für Zukunftstechnologien. Die Nachfrage nach Kobalt ist wegen des zunehmenden Einsatzes von Lithium-Ionen-Batterien in Smartphones und anderen mobilen IT-Geräten stark gewachsen. Ein großer Teil der dazu notwendigen Batteriezellen wird in China produziert.

 

Kongo erlässt neues Bergbaugesetz

 

Nun kommt der steigende Bedarf der Hersteller von Elektrofahrzeugen und Stromspeichern hinzu. Allein der E-Auto-Boom könnte nach Einschätzung des Informationsdienstes Bloomberg New Energy Finance bis zum Jahr 2030 einen Nachfrageanstieg bei Kobalt um das bis zu 47-fache verursachen.

 

Der wachsende Hunger der Industrie auf kongolesische Rohstoffe hat inzwischen die Regierung in der Hauptstadt Kinshasa auf den Plan gerufen. Staatspräsident Joseph Kabila unterschrieb Ende März ein neues Bergbaugesetz – gegen den Widerstand der internationalen Bergbaukonzerne. Auf Rohstoffe wie Kobalt, die der Staat als strategisch einstuft, sollen einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge nun hohe Sondersteuern erhoben werden. Im Boden der Demokratischen Republik Kongo liegen nach Schätzungen 50 Prozent der globalen Kobalt-Reserven.

 

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Christian Schaudwet
Keywords:
Elektromobilität | Kobalt | Rohstoffe | Batterien
Ressorts:
Governance | Markets

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