Sonnenstrom
24.08.2016

Chinas Solarboom stockt

Foto: Wikipedia/WiNG
Nach einem traumhaften ersten Halbjahr ziehen für Chinas Solarfirmen in der zweiten Jahreshälfte Wolken auf: Die Zubauzahlen dürften ins Stocken geraten.

Anfang Juli ist eine Förderung ausgelaufen. Prompt ist die Inlandsnachfrage eingebrochen. Die Modulhersteller leiden an Überkapazitäten.

 

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Das erste Halbjahr 2016 war für Chinas Solarbranche eine Zeit zum Feiern. Das Land hat erstaunliche 20 Gigawatt an neuer Kapazität hinzugefügt. Das entspricht der addierten Leistung der vorhandenen deutschen Braunkohlekraftwerke. Doch dieser Boom wird wohl eine Ausnahme bleiben. Am 1. Juli ist eine großzügige Förderung für neue Projekte ausgelaufen. Prompt ist die Nachfrage dramatisch eingebrochen.  

Die Planer in Peking haben die Zuschüsse für neue Sonnenkraftwerke gekippt, weil die Betreiber in zu kurzer Zeit zu viele neue Solarparks ans Netz gebracht haben – und zwar ziemlich wahllos vor allem in entlegenen Gegenden. Die Netze halten da nicht mit. Viele Solarparks sehen zwar auf den Fotos schön aus, sind aber noch gar nicht angeschlossen.

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Der Netzausbau stockt 

In den Wüsten von Xinjiang beispielsweise speist die Hälfte der Sonnenkraftwerke rein gar nichts ins Netz ein. Das verwundert insofern nicht, als dass dort kaum jemand wohnt – und die Strom-Autobahnen zu den Industriezentren des Landes noch im Bau sind.

Hinzu kommt, dass der Bedarf fehlt: Chinas Wirtschaft wächst langsamer, die Haushalte sparen Strom. Die Folge: Der Verbrauch steigt kaum noch. Die vielen Kohlekraftwerke des Landes lassen sich derweil aus politischen Gründen nicht einfach massenhaft abschalten. Außerdem machen die Planer sich Sorgen um die Netzstabilität, wenn der Wechsel zu den Erneuerbaren zu schnell erfolgt. Es wurde Zeit für eine Neubesinnung.

Die Versorger und die Solarfirmen haben sich jedoch umgekehrt beeilt, noch möglichst viele Anträge zu stellen, bevor die Förderung ausläuft. Deshalb der Boom im ersten Halbjahr.

 

Triste Aussichten für Solarfirmen

China verfügt jetzt über 63 Gigawatt Solarkapazität. Ein Drittel davon ist zwischen Januar und Ende Juni entstanden. Analysten von Macquarie Capital erwarten nun eine deutlich schwächere zweite Jahreshälfte. Auch 2017 wird wohl keine Erholung bringen: Die Regierung hat signalisiert, dass sie die Förderhähne vorerst nicht wieder aufdreht.

Nach diesem glücklichen Halbjahr bleiben die Hersteller der Solarzellen daher nun erneut auf ihren Überkapazitäten sitzen. Sie haben daher zuletzt wieder vermehrt versucht, ihre Waren auf den Weltmarkt zu drücken.

 

Strafzölle aus Brüssel

Die EU-Kommission hat auf diese Entwicklung bereits reagiert. Sie hat am 23. August mehrere chinesische Anbieter mit Strafzöllen belegt. Die Firmen hatten vor drei Jahren gelobt, ihre Produkte nicht mehr zu Billigpreisen nach Europa zu liefern. Da sie die Panels dennoch auf verschiedenen Kanälen auf den EU-Markt geschleust haben, hat Brüssel nun gehandelt. Zu den Herstellern gehören Osda Solar, Qixin Solar Electrical Appliance und Shandong Linuo Photovoltaic Hi-Tech.

Die Verzweiflung der chinesischen Hersteller ist verständlich. Denn für dieses Jahr ist der Spielraum für Neuinstallationen in China bereits aufgebraucht. Die National Energy Agency (NEA) hat für das Jahr 2020 das Ziel von 150 Gigawatt installierter Kapazität ausgegeben. Das bedeutet: Es kommen jedes Jahr rund 20 Gigawatt hinzu. Analyst Mohit Anand von GTM Research erwartet, dass in diesem Jahr allerhöchstens Anlagen mit einer Leistung von fünf Gigawatt neu gebaut werden, eher deutlich weniger.

In den kommenden Jahren ist dann keine weitere Zunahme des Ausbaus zu erwarten, sondern ein gleichmäßiger Fortschritt. Die Zahlen sind zwar hoch – China liegt an der Weltspitze – aber was Industriemanager sehen wollen, ist Marktwachstum. Denn viele der chinesischen Solarhersteller ächzen unter hohen Schulden. Sie haben seit 2010 massiv in neue Anlagen investiert, die sich noch nicht rentiert haben. 

Finn Mayer-Kuckuk
Keywords:
China | Solarfirmen | Förderung | Strafzölle | EU-Kommission
Ressorts:
Governance | Markets

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