US-Vorwahlen
06.04.2016

Clinton und Trump ausnahmsweise einig: Beide unterstützen Atomenergie

foto: Wikipedia
Kernkraftwerk Alvin Ward Vogtle im US-Bundesstaat Georgia.

Nuklearkatastrophen haben sich nicht zuletzt als Folge von Hollywood-Thrillern ins Gedächtnis der US-Amerikaner eingebrannt. Doch nun forschen US-Firmen an neuer Generation von Meilern – und dürfen auf Unterstützung der kommenden US-Regierung hoffen.

 

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Der Milliardär und Silicon-Valley-Star Peter Thiel ist sich sicher: Die USA benötigen im Kampf gegen den Klimawandel unbedingt auch die Kernkraft – weil Ökostrom sich nach seiner Prognose nicht schnell genug verbreiten wird, um fossile Energieträger rechtzeitig zu ersetzen. Und so hat der PayPal-Mitgründer zwei Millionen Dollar in das von zwei MIT-Absolventen ins Leben gerufene Nuklear-Start-up Transatomic Power investiert. Es hat eine Technik aus den 60er Jahren weiterentwickelt, die statt Wasser ein Schmelzsalz zur Kühlung verwendet, um die neuen Reaktoren „schmelzsicher“ zu machen. Außerdem werden sie mit flüssigem Uran betrieben, das sich – zumindest nach Meinung der MIT-Tüftler – jahrzehntelang verwenden lässt und 96 Prozent weniger Atommüll produziert als ein Leichtwasserreaktor.

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Zu den Unterstützern einer neuen Generation von Atommeilern zählt auch Microsoft-Gründer Bill Gates: Die von ihm finanzierte Firma Terrapower forscht seit einiger Zeit an „Laufwellen-Reaktoren“ (traveling-wave reactor, TWR), die künftig ausgediente Brennelemente der heute weit verbreiteten Leichtwasserreaktoren (LWR) weiterverwenden könnten. Die Terrapower-Vision lautet: Der TWR soll effizienter und sicherer funktionieren als der LWR und dabei weniger Atommüll produzieren.

Die Start-ups und ihre Investoren Thiel und Gates dürfen auf Unterstützung von Hillary Clinton hoffen. Die voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin der Demokraten meint, dass „Atomkraft eine wichtige Rolle bei der sauberen Energieversorgung der Zukunft spielen muss“, wie ihr Sprecher Jake Sullivan vergangene Woche anlässlich der Vorwahlen in Idaho sagte. Im Idaho National Laboratory wird unter anderem an Kernergieprojekten geforscht. In einem Thesenpapier zur Energiezukunft hat Clinton zudem angekündigt, öffentliche Investitionen in „fortschrittliche Nuklearenergie“ ausweiten zu wollen.

Fest steht, dass es einigen Klärungsbedarf gibt, wohin die USA bei dem Thema steuern. Momentan sind rund 100 Meiler in Betrieb, die etwa 19 Prozent des Stromverbrauchs decken. Doch die meisten davon werden voraussichtlich innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre vom Netz gehen. Gleichzeitig befinden sich nur Meiler im Bau – alle hinken im Zeitplan hinterher und haben ihr Budget weit überschritten. Der Bundesstaat South Carolina klagte im Februar erneut gegen die US-Regierung: Sie hielt sich nicht an die Deadline zur Inbetriebnahme einer Fabrik, die Plutonium aus Atomwaffen in Brennelemente für Kernkraftwerke umwandeln soll. Für jeden Tag, den diese Fabrik nicht läuft, will South Carolina eine Million Dollar Entschädigung.

Last not least: Seit dem Aus für das lange geplante Endlager Yucca Mountain in Nevada existiert keine zentrale Lösung für den US-Atommüll. Yucca Mountain kam in dem Hollywood-Streifen Godzilla zu zweifelhaftem Ruhm: In dem Film von 2014 wird darin ein radioaktives Ei eingelagert, aus dem schließlich ein Monster schlüpft. Ohnehin ist Hollywood aus Sicht von Tech-Mogul Peter Thiel daran schuld, dass Atomkraft in den USA seit Jahrzehnten einen schlechten Ruf hat. Im Jahr 1979 kam der Thriller „The China Syndrom“ in die Kinos, in dem Reporter einem vertuschten AKW-Unfall auf die Spur kommen. Nur zwölf Tage später ereignete sich im Kraftwerk Three Mile Island in Pennsylvania eine Kernschmelze. Von diesem Trauma haben sich die USA bis heute nicht ganz erholt.

Donald Trump, der führende Kandidat der Republikaner, lässt sich von Katastrophen – seien sie fiktiv oder real – allerdings nicht sonderlich beeindrucken. In einem TV-Interview von 2011, kurz nach dem Fukushima-Unfall, bekannte sich der Unternehmer zu Atomkraft: „Ich bin absolut für nukleare Energie“, sagte er damals. „Wenn ein Flugzeug abstürzt, fliegen die Leute weiter. Wenn jemand einen Autounfall hat, fährt er weiter Auto.“ Allerdings müssten die Zulassungsverfahren für Atomkraftwerke reformiert werden. „Wir müssen vorsichtig sein“, so Trump, denn Atomkraft habe durchaus Probleme. Grundsätzlich bevorzuge er Erdgas, sagte er im Laufe des Interviews. „Wir haben 100 Mal so viel Erdgas wie Saudi-Arabien, aber wir nutzen es nicht.“ 

Auch der ebenfalls als Kandidat der Republikaner gehandelte Ted Cruz will die Kernenergie nicht ausschließen. Zwar geht er auf die Atomenergie nicht konkret ein. Allerdings sagte er im Januar während einer TV-Debatte der Republikaner: “Wir sollten Öl, Gas, Kohle, Nuklearenergie, Wind, Solar, Ethanol und Biotreibstoffe fördern." Washington dürfe nicht eine Energie gegenüber der anderen favorisieren. 

Jutta Maier
Keywords:
Hillary Clinton | Donald Trump | Atomkraft | Start-ups | Microsoft | Bill Gates | Plutonium | AKW | Kernschmelze | South Carolina
Ressorts:
Governance

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