Studie
19.03.2018

CO2-Mindestpreis könnte Kohleausstieg bringen

Foto: Andrew Kerr / WWF-Canon
Nach Ansicht des BDEW sollten nicht nur Kohlekraftwerke wie das in Niederaussem in den Emmissionshandel einbezogen werden, sondern auch andere Sektoren wie die Landwirtschaft.

Schon bei 25 Euro pro Tonne würde ein CO2-Mindestpreis im Stromsektor wirken, so das Ergebnis einer Studie des Öko-Instituts. Kritiker sehen hingegen andere Sektoren in der Plicht.

Ein Preis für Kohlendioxid in Europa kann schon bis 2020 erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen einsparen. Wenn gleichzeitig Braunkohlekraftwerke stillgelegt werden, kann bis dahin der CO2-Ausstoß doch noch um 40 Prozent gegenüber 1990 verringert werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Freiburger Öko-Instituts im Auftrag der Naturschutzorganisation World Wildlife Fund Deutschland (WWF).

Anzeige

Anzeige

Untersucht hat das Institut, wie stark bei welchem CO2-Preis vor allem die Emissionen aus der Stromerzeugung aus Kohle zurückgehen können. Neben CO2-Mindestpreisen wurden auch Kraftwerksstillegungen betrachtet. Dabei kamen die Wissenschaftler zu folgenden Ergebnissen: Wird ein Preis von 30 Euro pro Tonne CO2 erhoben, können die Emissionen im Stromsektor kurz- bis mittelfristig auf 200 Millionen Tonnen zurückgehen. Somit könne die Lücke zur Erreichung des 40-Prozent-Ziels praktisch komplett geschlossen werden. Ist der Preis pro Tonne CO2 geringer – etwa 15 Euro – würden vorrangig Steinkohlekraftwerke stillgelegt. Erst ein mittlerer Preis von etwa 25 Euro pro Tonne CO2 würde die Betreiber veranlassen, Braunkohlekraftwerke stillzulegen. 

Auch Erneuerbare profitieren

Der CO2-Mindestpreis erhöhe auch die Marktwerte für erneuerbare Energien, sagt Mitautor Hauke Hermann gegenüber dem Magazin bizz energy.  „Mittelfristig profitieren die erneuerbaren Energien dann, weil die EEG-Differenzkosten sinken und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Gebote für null Euro, wie im Bereich der Offshore-Windenergie auch realisiert werden.“

Mit einer Kombination aus CO2-Mindestpreis und Stilllegungen bekämen wir endlich eine Kurve in Deutschlands Treibhausgasemissionsbilanz, sagt Michael Schäfer, Leiter des Fachbereichs Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. Besonders für die neue Bundesregierung solle das Anreiz genug sein, gemeinsam mit den europäischen Nachbarn einen CO2-Mindestpreis einzuführen. „Der CO2-Mindestpreis gehört auch auf die Tagesordnung der Kohlekommission, die die Bundesregierung gemäß Koalitionsvertrag einzurichten hat“, sagt Schäfer.

BDEW verweist auf andere Sektoren

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kritisiert den Ansatz der Studie: „Die Vorschläge gehen am eigentlichen Problem vorbei“, sagt Stefan Kapferer, Vorsitzender des BDEW. Während die dem Emissionshandel unterliegende Energiewirtschaft erhebliche CO2-Einsparungen liefere, seien genau die Sektoren im Rückstand, die nicht vom Emissionshandelssystem erfasst seien. „Die Emissionen der Stromerzeugung werden bis zum Jahr 2020 um voraussichtlich knapp 40 Prozent unter denen des Jahres 1990 liegen. Im Verkehrssektor dagegen sind die Emissionen sogar gestiegen, er stößt heute mehr Kohlendioxid aus als 1990.“ Auch in der Landwirtschaft und im Wärmemarkt hätten sich die CO2-Emissionen zuletzt erhöht. Seit Jahren lägen hier gewaltige Einsparpotenziale brach.

Dass das Klimaziel 2020 kaum noch zu erreichen sei, liege an diesen nicht vom Zertifikate-System erfassten Sektoren, sagt Kapferer. Die Politik müsse daher endlich auch dem CO2-Ausstoß in diesen Wirtschaftszweigen einen Preis geben. Deutschland hatte sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen im Vergleich zum Jahr 1990 um 40 Prozent zu senken. Aktuell ist die Minderungslücke noch sehr groß: Im Jahr 2017 wurden erst 28 Prozent der Emissionen im Vergleich zu 1990 weniger ausgestoßen.

Schäfer weist auf Anfrage von bizz energy darauf hin, dass der Stromsektor der größte Einzelverursacher von Treibhausgasen in Deutschland und der Sektor mit dem größten Potenzial für kurzfristige Reduktionen sei. Auch im Stromsektor hätten die bisherigen Maßnahmen nicht ausgereicht. Der WWF fordert daher ein zusätzliches Instrument auch auf europäischer Ebene: „Der Emissionshandel wird kurz- und mittelfristig keinen Effekt haben. Über ihn bleibt der CO2-Preis bis Mitte der 2020er zu niedrig, um einen Anreiz zur CO2-Minderung zu bieten“, sagt Schäfer.

Lesen Sie auch: Neue Stromtrassen nötig trotz dezentraler Erzeugung

Carsten Kloth
Keywords:
Energiepolitik | Klimawandel
Ressorts:
Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Sommer 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen