Klimafinanzierung
21.10.2016

CO2-Steuer rauf, Einkommenssteuer runter

Foto: istockphotos.com/ArtShotPhoto
Damit eine Abgabe auf CO2-intensives Heizöl oder Gas keine nicht schulterbaren Mehrkosten mit sich bringt, fordern MCC-Forscher eine gleichzeitige Absenkung der Einkommenssteuer.

Wie eine Klima-Steuer die soziale Ungerechtigkeit in Industrieländern drastisch senken könnte, haben Klimaökonomen in einem neuen Modell vorgerechnet.

Mit einer Steuerreform wollen die Wissenschaftler vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin das Klima schützen und gleichzeitig die soziale Kluft in der Bevölkerung schließen, wie aus einer soeben veröffentlichten Studie im Fachmagazin Environmental and Resource Economics hervorgeht.

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Der Vorschlag der MCC-Forscher an Finanzminister Wolfgang Schäuble: Durch eine Kohlenstoff-Abgabe zusätzlich erzielte Einnahmen sollen an Geringverdiener weitergeben werden.

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„Wenn die Einnahmen aus CO₂-Steuern komplett in eine Absenkung der Einkommensteuer fließen, erhöht das nicht nur die Akzeptanz dieser Steuern in der Bevölkerung – es gleicht auch die negativen Verteilungseffekte dieser Abgaben für die Ärmeren mehr als aus“, erläutert Leitautor David Klenert vom MCC. Klenert hat die Studie mit dem Titel „Environmental Taxation, Inequality and Engel’s Law: The Double Dividend of Redistribution” gemeinsam mit seinen Kollegen Gregor Schwerhoff, Ottmar Edenhofer und Linus Mattauch erstellt.

„Wichtig ist dabei, dass die Einkommenssteuer progressiv reformiert wird“, ergänzt Klenert, also die Steuer für untere Einkommen „stärker sinken als für die oberen.“

Seit Jahren trommeln Klimaökonomen für eine Abgabe auf den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid. Solange Klimagase kostenlos in der Atmosphäre deponiert werden könnten, würden Investoren weiter falsche Entscheidungen treffen, argumentieren sie.

 

Mehr Akzeptanz schaffen

Kritiker befürchten indes durch eine neue Abgabe drastische Mehrkosten für Verbraucher. Sprit und Heizung teurer machen – das kommt in der Bevölkerung nicht gut an. Eine Abgabe für emissionsreiche Produkte schlage sich auf die Preise für CO2-intensive Produkte nieder, glauben sie. Weil Geringverdiener ohnehin einen größeren Anteil ihres Einkommens für Sprit, Strom und Gas- oder Ölheizung zahlen müsste, bringe eine CO2-Abgabe vor allem für die unteren sozialen Schichten zusätzliche finanzielle Belastungen.

Die Vorbehalte gegen eine Steuer auf fossile Energieträger wollen die Forscher mit ihrem Modell endgültig aus dem Weg räumen – und gleichzeitig der Energiewende zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung verhelfen. „Derzeit belastet die Energiewende die unteren Einkommensbezieher überproportional“, sagt Edenhofer. „Diesen Effekt könnten wir mehr als ausgleichen, wenn wir die Einnahmen aus einer CO₂-Besteuerung über eine Einkommenssteuerreform an die Schwächeren verteilen würden“. Damit könne der Umstieg von fossilen Energieträgern auf Erneuerbare zum „innenpolitischen Gewinnerthema“ werden.

Wie sich eine globale CO2-Steuer auf die Weltwirtschaft auswirken könnte, hatte die Weltbank zu Beginn dieser Woche in einer Analyse gezeigt. Laut Weltbank-Prognose könnte ein weltweiter Preis für Kohlenstoffe die Kosten für die Einhaltung der Pariser Klimaziele bis 2030 von 314 Milliarden um 97 Milliarden auf  dann 217 Milliarden Euro senken.

 

Jana Kugoth
Keywords:
Einkommenssteuer | CO2-Steuer | Steuerreform | Klimaschutz | CO2-Emissionen | MCC | Ottmar Edenhofer
Ressorts:
Finance

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